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die reiterstatue philipps iv von pietro tacca

spanischer Könige sollten hier vereinigt und übertroffen werden, ja diese
wurden vieler ihrer besten Stücke zugunsten des neuen beraubt.
Was von Gemälden und kunstgewerblichen Prachtstücken verfügbar war,
wurde zusammengeschleppt, die Paläste der Granden mit sanfter Manier
geplündert, die Maler des Hofes ganz in Anspruch genommen. So
wird im August 1634 jene »Bronzestatue Karls V mit der Ketzerei« von
Li Leoni aus Aranjuez hierher gebracht und »in dem ersten Theater beim
Eingang« aufgestellt. Indes ohne ein Seitenstück zu dem Bronzekoloß in
der Casa del Campo hätte dem Werke Don Caspars die Krone gefehlt. Er
mußte auch zeigen, daß er mindestens ebensoviel zur Verherrlichung seines
Philipp thun könne, wie der ihm verhaßte Lerma, dessen Rolle er geerbt
hatte, für den Hochseligen.

Bai.dixucci und Cean Bermudez im Leben des Velazquez erzählen die
Vorgeschichte der Statue auf verschiedene Weise, aber nach unzureichender
Information und Vermutungen. Der Gang der Verhandlungen liegt, wenn
auch nicht vollständig, doch authentisch vor in dem Briefwechsel des
mediceischen Archivs, der von Gualandi und Gaye veröffentlicht wurde,
indes nicht ohne Stoff für eine Nachlese zurückzulassen, die für das folgende
benutzt ist.

Am 2. Mai 1634 erhielt der florentinische Gesandte, Commendatore
di Serrano, ein Schreiben des Grafen Olivares aus Aranjuez durch dessen
Secretär Pedro de Arze überbracht: »Seine Majestät, die Gott schütze, hat
den Wunsch geäußert, daß eine Medalla, oder Bildnis zu Roß Ihrer königlichen
Person verfertigt werde, das von Bronze sei, in Uebereinstimmung
(conforme d) mit Bildnissen des Pedro Pablo Rubens, und nach dem Muster
(tra\a) jenes, das in der Casa del Campo steht. Und da bekannt ist, daß
in Florenz die bedeutendsten Künstler in Bildhauerei sind, so habe ich
für gut befunden, Ew. Senoria zu ersuchen, daß Sie belieben möchten,
mir die Gewogenheit zu erweisen, kraft Ihrer Auctorität zu verfügen, daß
dieses Werk aufgetragen werde dem vollkommensten Fachmann (oficial) in
dieser Kunst zu Florenz, und daß Jemand nach Ew. Senoria Gutdünken
die Kosten aufsetze, damit sofort das Nötige ausgeworfen werde,« u. s. w.

Dieser Brief setzte den Gesandten in Verlegenheit1). »Medalla, 6
efigie d cabaUot, — war denn ein Medaillon, ein Relief, oder eine Statue
gemeint ? Da es in Spanien wenig freistehende Sculpturen gab, so kam es,
daß gelegentlich ein Terminus der Reliefplastik wie medalla zur Klassenbezeichnung
für plastische Figur überhaupt erweitert wurde; die Statue
ist ein Relief, das aus seinem Rahmen fortgewandert ist, — ein Sprachgebrauch
, der übrigens im Wörterbuch der Academie nicht bezeugt ist.
Ferner, in welcher Größe wollte man die Statue? Die Ausdrücke waren
sonderbar gewählt. Wer konnte ahnen, daß tra\a sich blos auf die Größe,
die »Rubens'schen Bildnisse« auf die Gangart des Pferdes beziehen sollten 5

*) Brief vom 13. Mai 1634, fehlt bei GUALANDI.


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