Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite Seitenansicht vergrößern   Aktuelle Seite drucken     Schrift verkleinern Schrift vergrößern Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden Linke Spalte breiter/einblenden Anzeige im DFG-Viewer
Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/justi1908bd2/0332
CARL STUARTS

321

des Velazquez, der Schöpfung von Buen Retiro zu danken; aber den ersten
Anstoß scheint die spanische Brautfahrt gegeben zu haben. Die Erscheinung
eines fremden Thronerben, der Jagd auf Bilder macht,und unerhörte Preise
zahlt, war neu; Ceant Bermudez datirt von da die lange Geschichte der
Ausführung italienischer und flandrischer Bilder aus dem Lande *).

Philipp II war der erste Kunstsammler Spaniens gewesen, ihm zur
Seite stand ein Kenner und Patron der Künstler wie Granvella: die Herren
seiner Umgebung, wie Antonio Perez ahmten ihm nach, Alba selbst ließ
aus Italien Altertümer kommen für sein Schloß und Garten in Alba de
Tormes. Aber das war noch etwas wie eine exotische Pflanze gewesen;
die spanischen Großen glichen noch immer den von Michelangelo bei Francisco
de Hollanda Geschilderten, die für Bilder schwärmen und Kunstsinn
zur Schau tragen, aber nicht das kleinste Stück bestellen und bezahlen2).
Prachtliebe und Großartigkeit des Sinnes zeigte sich bei dieser Nation von
jeher nur, wo Devotion und Familienstolz ihr Phlegma aufregten: in Stiftung
und Ausstattung von Capellen, Mausoleen, Altären. Seit Philipps II
Tode hatte sich Niemand mehr um Kunst bekümmert, und Rubens schrieb
[603, daß ihn Gott behüten möge, ihren Malern in etwas zu gleichen. Es
gab wohl schon damals einen Platz für Gemäldekenntnis, Liebhaberei und
Kunstunterhaltung, aber das war Sevilla. Am Hofe warfen sich die Reichen
auf Waffensäle, Kunstschränke, venezianische Gläser, flandrische Tapeten,
illuminirte Gebetbücher und Zimmeraltä'rchen. Die archäologische Liebhaberei
, die zu Philipps II Zeit und in Sevilla bei den Alcaläs eine Rolle
spielte, hatte sich verloren: im Jahre 1606 nennt der Florentiner Tarugi
den Pompeo Leoni den einzigen Altertumskundigen Spaniens:;). Wertvolle
Gemälde fanden sich gelegentlich in der Beute der zurückkehrenden
Vicekönige und Statthalter, die vom italienischen Geschmack an dieser
höchsten Art Kunst berührt worden waren. Zu ihnen gehörte Juan Alfonse
» Pimentel, Graf von Benavente, der im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts
Vicekönig von Neapel gewesen war; noch 1629 läßt der Graf
Arundel den Sir Fr. Cottington nach seinen Gemälden forschen (Sainsbury
335 f.). Eine Gelegenheit, diese sonst schwer zugänglichen Sachen zu sehen,
waren die großen Kirchenfeste, besonders das Corpus Domini, wo sie vor
den Palästen ausgestellt wurden.

Die Möglichkeit zu Erwerbungen war gegeben auf Auctionen (Almo-
nedas), durch Tausch, Aveniger durch den Handel. Eine Anregung zur
Belebung und Verbreitung der Liebhaberei gaben damals die Veräußerungen
der großen zu Philipps II Zeit zusammengebrachten Mobiiiare4). Diese

j) cean ßERMUDKZ, Diccionario ii, 151.

-') RACZINSKY, Les Arts en Portugal, 33.

a) Per esser lui il primo e forse solo
antiquario in questo paese. Tarugi, Depesche
vom 31. December 1609 im medic.
Archiv.

4) Dergleichen Handzeichnungen und
andre Sachen so curios sein, möcht ich
allhie und offt umb ein leicht geldt zu
banden pringen. Khevenhiller, 13. December
1586.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite Seitenansicht vergrößern   Aktuelle Seite drucken     Schrift verkleinern Schrift vergrößern Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden Linke Spalte breiter/einblenden Anzeige im DFG-Viewer
Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/justi1908bd2/0332