Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 3.1850

Seite: 162
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Die Wiener lithi'graphirle Eorrcspvudcnz benierkt über Hayna» :
„Sein AeußereS ist unversehrt. Sein Geist und .in ^»ninvr »»verändert. Er soll sich vielmehr etwas
darauf zu gut thu», daß er zu», gerechten Gegenstand des Hasses von der Revolution in allen Ländern
geworden ist."
Will er uns etwa gar i»ö Handwerk pfuschen, der Humorist d r Peitsche und des GalgenS? Hat die englische Wichse das Leder
des alten KnickstiefclS so weuig angegriffen, daß er sich noch für einen burschikosen Kanonen-Sliefcl hält?
Doch, wir gönnen ihm seinen Humor, seine» Stolz und unfern Haß! Wir gönnen ihn, das Recht, witzig zu sein auf Kosten des
Negimenls in Deulschlaud, den» hier ist das Feld des ächten Galgenhumors!
Im Sächsische» Kartenspiel hat das Volk verloren — „Warum hat es nicht mehr auf den König gehalten?" — fragt Haynau.
Der Herzog von Mecklenburg hat sich von seinem Eide entbinden lasten. „Mein Eid ist mein Eid — ich kann damit machen,
was ich will" — sagt Haynau.
Der Bundestag will 10,000 Mann nach Kurhessen schicken, um den Berfassungsbruch durchzusetzen — „Wozu wäre Preußens
Ehre, wenn es nicht Gelegenheiten gäbe zur Aufstellung eines BcobachtungS-Heeres?" — fragt Haynau.
In Preußen — — — wozu — fragt Haynau — wäre das Preßgesetz, wenn Ihr meine Witze über Preußen drucken düifiet?
Kladderadatsch.

FeuiL
Lieber Freund!
Schicke mir doch recht bald einige tüchtige Geselle»; doch mir Leute mit
ausreichenden Pässen, die wo möglich das russische Visa habe». Auch dürfen sic
niemals in Vereinen gewesen sein, und cs wäre das Beste, wenn sie bloß gut
arbeiten, sonst aber recht ungebildet sind. Du glaubst nicht, wie unser Geschäft
darniederliegt, denn man kann gar keine Gesellen bekommen,
weil zu viele ausgewiesen sind. Also schicke mir recht gute und
fromme Leute.
Dein Freund Schulze,
Tischlermeister,
in Verl«.

l e t o n.
Verehrter Herr!
Kehren Sic vertrauensvoll nach Berlin zmück! Die Börse ist zwar sehr
flau und das Geld sehr rar; aber der Verkehr befindet sich in
solcher Blüthe, daß die Nachfrage nach Gesellen niemals
stärker war als jetzt. — Die neue Gcmcinde-Vertrctung berechtigt Sic
zu festem Vertrauen; wir werden sparsam wirthschasten, zu Empfangsfeier-
lichkeiten bewilligen wir nur ein ScchStheil der neuen Steuer, und das Jahr
1848 darf in unserer Versammlung Niemandem mehr zum Vorwurf gemacht
werden.
Ihr ergebener
S, Gemeinde-Vertreter.

Um des Himmels Willen, Herr Piefke, lesen Sic mir zuerst die tele-
graphischen Depeschen vor: es müssen wichtige Nachrichten aus Schles-
wig da sein.
Piefke liest: In Ccphalonia ist die Cholera auSgcbrochen.
23 Menschen sind erkrankt, 7 gestorben.
Weiter, weiter!
Hongkong: Die Chinesen trinken Thee und essen Opium. Der Eom-
modore Kunker, Gouverneur von Macao, ist gestorben.
Weiter, weiter! wenn nichts aus Schleswig da ist, was ist sonst aus
Deutschland?
Zara: Omer Pascha soll einen Hügel bei Serajcvo mit 148 Kanonen
befestigt haben.
Calcutta-
Zum Teufel auch! ich will Wichtiges hören!
Paris: Die Post aus Spanien ist auSgcblieben. — Ali Fazli ist
nach Konstantinopel berufen —
Sind den» keine russischen Nachrichten da?
O ja! Frankfurt: Der Bundestag beschließt, I0,lX>0 Mann „ach
Kurhessen zu schicke».
Nun, und was bringt die Zeitung aus Kassel?
Kassel ist ruhig.
Der Henker hole die telegraphischen Depeschen!

Der Gentleman, welcher sich fälschlicher Weise für den päpstlichen
Delegaten, Misten Altieri auSgicbt, soll einem Gerüchte zufolge in Thorn fest-
genommen sein. Diese Nachricht ist unwahr; er hat sich vielmehr nach Hana»
zu dem andern Herrn begeben.

Der Eschenheimer Gasscn-Clubb in Frankfurt am Main hat
aus langer Weile einmal wieder einen Beschluß gefaßt, nämlich den, daß die
Kurhessischc Regierung die Steuern nach wie vor erheben und den Widerstand
dagegen durch alle „verfassungsmäßigen" Mittel zu brechen suchen sollte.
Für den Fall einer nöthig werdenden Erecution hat bereits Liechtenstein seinen
Reserve mann eingezogcn; Neuß-Schlciz-Greitz-Lobcustein-Ebersdorf
läßt das Pferd seines Cavallerie-Contingenls beschlagen, und Schaumburg-
Lippe hat schon eine ganze Schachtel Zündhütchen disponibel gemacht.
Herr von Mantcuffel soll, als ihm auf seiner Reise die Nachricht
dieser beunruhigenden Symptome von der Wirkung des diesjährigen Frankfurter
AcpfelwcinS zukam, die tröstenden Worte gesagt haben: „Müßiggang ist
aller Laster Anfang!"

Ist cs den» wahr, daß ein gewisser Herr, Candidal der Oberbürgermeister-
Stelle, in, Jahre 1848 seligen und zwar im Monat August unseligen Anden-
kens, folgendermaßen zu den Arbeitern, welche höher» Lohn verlangten, ge-
sprochen hat:
„Kinder, was schreit ihr nach Brot? es gicbt ja
Fleischerläden genug iu Berlin!"
Ist ferner wahr, daß besagter Herr diese Acußerung später für einen
bloßen Scherz zur „Zerstreuung" der Arbeiter erklärt hat?
Und wenn dem so ist, was würde besagter Herr vorkommendcn Falles zur
Zerstreuung der Barrikaden Preis geben?

Herrn Rcllstab zum Tröste werden wir in einer unsrer nächster, Nu»r
mein sehr spezielle Enthüllungen über die Claque i», hiesigen Hofthcater
und alle bei derselben bethciligte Künstler bringen.


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