Koch, Julius [Hrsg.]
Das Heidelberger Schloß (Text) — Darmstadt, 1891

Seite: 90
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in den drei freistehenden Facaden. Reiches Masswerk füllte die durchschnittlich 3,69 Meter
hohen und 2,42 Meter breiten dreiteiligen Lichtöffnungen'). Das nördliche Fenster der West-
wand ist durch den Anschluss der Nordfacade des Englischen Baues vermauert worden. Die

gleichfalls mit Spitzbogen überspannten Gelaufe sind bis etwa in Kämpferhöhe durch Sand-
steinquader mit vertieftem und gestocktem Spiegel verstärkt. An Stelle des westlich vom Nord-
erker des Frauenzimmerbaues gelegenen Fensters wurde eine spitzhugige ca. > Meter hohe und
2,38 Meter breite Öffnung als einziger Zugang hergestellt. Der unter den beiden südlichen
Gewölben die ganze Breite des Raumes überspannende 0,70 Meter starke I lau stein bogen ist
spater bei der Umänderung der Nordfacade des Frauenzimmerbaues zur Ausführung gekommen.

Den Abschluss bildete ein Allan, welcher in gleicher Ebene mit dem ersten Obergeschosse
des Frauenzimmerbaues lag. Ueber und zwischen den Gewölbezwickeln des Stockwerkes waren
besondere Kappen eingespannt, deren Scheitel in gleicher Höhe mit denjenigen der Gewölbe
lagen. Darüber kam zunächst eine durchschnittlich o,3j Meter dicke und aus Ziegelbrocken
und Mörtel bestehende Betonmasse; auf diese folgten eine Backsteinlage und über dieser in
eine dicke Mörtelschicht gelegte Sandsteinplatten.

Das Aeussere des Baues bietet wenig Bemerkenswertes. Zwei Zwischengurten, deren
Profil wir auf Tal'. 56, 6 gezeichnet haben, trennen die Stockwerke, und ein auf der gleichen
Tafel Fig. 5 zur Darstellung gebrachtes Hauptgesims bildet den Abschluss des Baues-). Ausser
den Spitzbogenfenstern des obersten Stockwerkes und d^w beiden Löwen schmückten die drei
Facaden balkonartige Ausbauten:s). Die Ecken sind durch ähnlich wie an den Fensterleibtmgen
bearbeitete Sandsteinquader verstärkt, im übrigen waren die aus Bruchsteinmauerwerk besiehen-
den Facaden verputzt. An den Fenstergestellen und auf dem Baikonträger an der Nordfacade
befinden sich Steinmetzzeichen, welche in ihrer Form und Ausführung noch den am Otto-
Heinrichsbau vorkommenden gleichen; auf den Eckquadern dagegen finden sich römische Buch-
staben eingemeisselt.

Vierzig Jahre später als der Otto-Heinrichsbau wurde der zweite Prachtbau des Schlosses,
der Baiast Friedrichs IV. errichtet. Während für die früheren Bauten fast nur die Untersuchung
an den Bauten selbst das Material für ihre lintsterumgsgescluchtc geben musste, ist für den
Friedrichsbau urkundliches Material in grosser Fülle vorhanden. Am Gebäude selbst schon
erfährt der Beschauer aus der Inschrift über dem östlichen Bortal der lloi'l'aeade, dass Kurfürst
Friedrich im Jahre 1607 seinen Palast zum Gottesdienste und zur angenehmen Wohnung hat
erbauen und mit den Bildnissen seiner Ahnen hat schmücken lassen. Durch schriftliche Auf-
zeichnungen eines Zeitgenossen, des Kirchenrats Markus zum Lamb'), ist lustgcstellt, dass der
Bau im Jahre 1601 an Stelle der alten baufälligen Hofkapelle errichtet worden ist und die
feierliche Grundsteinlegung am Mittwoch den 3. Juni stattgefunden hat. Im Frühling 1604

') Das jetzige Masswerk i-
Masswerk bei der Restaurierung gen
sicher feststellen.

=) Auf Taf. lil Bd. I in de
reichem Masswerk bestehende Brüst
lieh bei Aufgrabungen im Englische!

-) Vergl. Taf. .„.. In der

*) Vergl. Mitteilungen des

1 neu und nur diu Seitengew
an Resten ausgeführt worden i:

gebildet hat. Briidistiicke diirsei liriislunj; sind gelegen!-
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