Bayerischer Kunstgewerbe-Verein   [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 53.1902-1903

Seite: 182
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Der Bund zeichnender Künstler in München.

3((. „Tücke." Nach einer Griginalradierung von Fr. bsegenbart, München.
(Aus dem Zyklus: Ein Lebens-Kanon, im öelbstverlag.)

Struktur hin mit Schmek
kerlingsbehagen durch die
Lupe betrachtet. Es wird
mit Freude bemerkt wie
dies und wie jenes Blatt
„gemacht" ist; erstaunt,
ergötzt und bewundernd
sehen die Kenner die Male
der kalten Nadel, des kan-
tigen Stichels, des fasset-
tierten Diamanten, des
glatten Polierstahls uitd
der ätzenden Säure in
neuen Verbindungen an-
gewandt, und die köst-
lichen Wirkungen dieser
sorgsam ausgebildeten
Technik. Ts ist erstaun-
lich, genial, wie sehr
ksegenbart die Technik der
Radierung beherrscht, trotz-
dem es erst einige Jahre
sind, seitdem er ausschließ-
lich radiert. Wohin ihn
die Kaprize auch führen
mag, so kauzig seine
Phantasie ihre Gebilde
auch gaukeln läßt, so selt-
samen Thimären er oft
nachfolgt, so grausigen
Ereignissen er auch be-
gegnet, so vollkommen
verfügt er auch über die
meisterliche Kraft, all dem
künstlerischen Ausdruck zu
geben. And nie verläßt
ihn bei alledem eine be-
sondere Ruhe. Nie läßt
er sich Hinreißen, mit-
wirbeln; frei, selbstsicher
und spielerisch verfügt er
über die Masken der Welt.
Ich glaube nicht, daß er
an: Leben leidet. Er er-
löst sich leicht von allem
was sich zur Aual wan-
deln würde, weil sich
alles aus der Tiefe seines
Wesens an die Oberfläche
ringt, und da zun: Kunst-
werk wird.

fstOl radierte pegenbart
die ersten Blätter. Er

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