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Bayerischer Kunstgewerbe-Verein   [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

Seite: 18
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Mitteilungen

Ausstellungen

Stimmen für Sie Seteiligung an öer Panama-Pazifik-
weltausstellung in San Zranzisko 1415. während uns gerade
die Vorarbeiten für die Kölner Werkbundausstellung 7974 be-
schäftigen, für die sich auf der ganzen Linie des Kunstgewerbes
lebhaftes Interesse kundgibt, erscheintauch schon als eine weitere
Ansstellungsperspektive San Franzisko. Das Reich hat eine
offizielle Beteiligung an der Weltausstellung in San Fran-
zisko abgelehnt. Seit aber bekannt wurde, daß ganz erheb-
liche Summen deutschen Kapitals und deutscher Arbeitskraft nun
doch für das Unternehmen eingesetzt werden, ist die anfängliche,
durch die offizielle Zurückhaltung des Reiches auferlegte
kühle paltung wärmerer Anteilnahme gewichen. Allenthalben
werden jetzt Stimmen für eine ausgiebige Vertretung deutscher
Arbeit und deutschen Kunstgewerbes in San Franzisko laut, wir
notieren unter den unlängst in den „117. N. N." mitgeteilten:

„Professor Richard Riemerschmid, Direktor der
Münchener Kunstgewerbeschule: „Die handelspolitische Seite
bei einer Beteiligung Deutschlands bei der Weltausstellung von
San Franzisko zu beurteilen, möchte ich nicht wagen. Ich
kenne die Verhältnisse nicht, welche da hineinspielen. Daß es
für die künstlerischen Bestrebungen, die in der Industrie, im
pandwerk und auch im Pandel Deutschlands Fuß zu fassen im
Begriff sind, von größter Wichtigkeit ist, die Aufmerksamkeit auch
des westlichen Amerikas auf sich zu lenken, ist mir nicht zweifel-
haft, und so bin ich der Meinung, daß es sehr verdienstvoll
wäre, die Möglichkeit zu privater Beteiligung der deutschen
Industrie zu schaffen."

Professor Bruno Paul meint: „daß seit der Ausstellung
St. Louis 7904, die moralisch einen Erfolg für das deutsche
Kunstgewerbe gebracht, der Boden in Amerika gut vorbereitet
sei und eine freie Beteiligung, die aber auch gut organisiert
und aufgebant werden müsse, Erfolg bringen dürfte."

vr. I ä ck h , Syndikus des Deutschen Werkbundes, schreibt
unter anderem: „Daß Amerika selbst in seiner Geschmacksrichtung
und in seiner Stilvorliebe seit einiger Zeit sich von der bisherigen
französischen Führung freimachen will, diese Tatsache berichten
alle pandelssachverständigen. Die Zeit ist also günstig, insofern
als selbst Frankreich von dem deutschen Stil sich bedroht weiß.
Die französische Presse prophezeitbereits ein .künstlerisches Sedan'
für 797s für die PariserInternationale Kunstgewerbeausstellung.
Darum muß gerade jetzt das deutsche Kunstgewerbe hinüber."

Geh. pofrat Professor Or. Cornelius G u r l i t t äußert
sich unter der Überschrift „warum wir nach San Franzisko
müssen" zum Punkte Deutsches Kunstgewerbe: „In erster
Linie müßte man das moderne deutsche Kunstgewerbe nach
San Franzisko schicken — es muß auf allen Gebieten demon-
striert werden, wo es sich betätigt hat. weiter müßte man eine
wirkliche einheitliche und packende Darstellung der Entwicklung
der deutschen Städte geben — angefangen vom Städtebau bis
zum päuserbau und Wohnwescn und allem, was damit zu-
sammenhängt. ükinder großen Erfolg verspreche ich mir von
Plastik und Malerei, wir sind da gegenwärtig zu sehr in der
Gärung. Aber eine große Wirkung verspreche ich mir von Dar-
bietungen unserer hervorragenden Reproduktionsindustrie."

Fritz Gurlitt (Berlin): „Nachdem eine Wanderaus-
stellung deutscher Graphik in Amerika gute Erfolge erzielt,
erscheint es mir wünschenswert, durch die Ausstellung in San

Franzisko deutscher Kunst auch in weiterem Sinne den ameri-
kanischen Markt zu erschließen."

Das äußere Bild der Ausstellung gestaltet sich nach bis-
herigen Schilderungen etwa so:

Für die Internationale Panama-Pazifik-Weltausstellung
in San Franzisko 797s, welche die durch den Panamakanal
hergestellte Verbindung zwischen den Ländern des (Ostens und
Westens verherrlichen soll, ist ein Gelände von 70 ha gewählt,
das sich als langgezogenes Rechteck, im Westen und Norden von
der höher gelegenen Stadt, im Nordosten von bewaldeten
pöhenzügen begrenzt, in herrlichster Lage an der weiten Bucht
von San Franzisko von dem auf einem Felsvorsprung gelegenen
Fort Mason an 5 km weit nach Gsten, weit über das vereinigte-
Staaten-Pospiz hinaus, erstreckt.

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet ein rechteckiger
Gebäudekomplex, bestehend aus den 8 Gebäuden für Berg-
bau und püttenwesen, Verkehrswesen, Ackerbau, Nahrungs-
wesen, Gewerbe und Industrie, freie Künste, Unterrichtswesen
und Volkswirtschaft, die zu je 4 in zwei Reihen an der west-
östlichen Pauptachse errichtet werden. Diese wird zwischen
den Gebäuden von drei ÜZuerstraßen in nordsüdlicher Richtung
gekreuzt. Die Kreuzungsstellen sind zu Plätzen erweitert,
von denen der mittlere mit 250 und 300 m Achsenweite, der
Sonnen- und Sternhof, der große Ehrenhof ist, umschlossen von
halbkreisförmigen Säulenumgängen mit zwei gewaltigen
Triumphbögen (Morgen- und Abendland) in der Pauptachse.
Diese führt westlich auf die Maschinenhalle, die 293 m lang,
772,3 m breit und 37 in hoch wird, östlich auf den Palast der
schönen Künste, der aus einem runden Kuppelbau und einer
um diesen gelegten segmentförmigen Palle von 333 m äußerer
Bogenlänge besteht.

An den äußeren Längsfronten des großen Gebäuderecht-
ecks führen zwei weitere, 90 in breite Straßen parallel zur
Pauptachse entlang; deren südliche bildet eine wunderbare,
7,5 bin lange Uferpromenade mit großem Pachthafen und
weiter Aussicht auf die Bucht und ihren lebhaften Schiffs-
verkehr. Zwischen der nördlichen und der Stadtgrenze sind
die große Festhalle für Kongresse usw. (über 7000 qm Fläche)
und die Gartenbauhalle nebst einigen kleinen Gebäuden und
zwischen ihnen ein Tropengarten angelegt.

Im Westen schließen sich an die Maschinenhalle die An-
lageplätze der Fähren und Dampfer und die große Automobil-
halle, weiter westlich, zwischen dem Fort und der Stadt, der
Vergnügungspark. Nach Gsten reihen sich an die Fortsetzung
der großen Uferpromenade die zahlreichen großen Gebäude
der Amerikanischen Bundesstaaten und landeinwärts die
Bauten der fremden Staaten, weiter nach Gsten die Viehzucht-
ausstellung und schließlich ein großer Sport- und Flugplatz.

So wird die Ausstellung mit ihrer gewaltigen Uferaus-
dehnung und mit der langen Reihe imposanter Bauten, über-
ragt von zahlreichen Türmen und Kuppeln (darunter einem
phantastisch gestalteten Pauptturm von 720 in pöhe in der
Mitte der Nordfront der Pauptgebäude und zwei italienischen
Lampaniles) und umrahmt von dem Fort, der Stadt und dem
bewaldeten pöhenzuge mit dem großen Militärhospitale,
von der Seeseite einen großartigen Anblick gewähren.

Die Anlage ist großzügig und natürlich auch „großartig"
in den Abmessungen der Gebäude wie der Plätze und Straßen.
So wird in den amerikanischen Schilderungen besonders hervor-

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