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Bayerischer Kunstgewerbe-Verein   [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 64.1913-1914

Seite: 46
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Erfolgreiche Künstler und andere

mit einem Nachwort von <£. w. SreSt. Verlag Zr. Sepbolö, München

Zn diesem Büchlein hat der Verfasser an einer
Reihe der hervorragendsten Künstler aller Zeiten,
Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler, Unter-
suchungen darüber angestellt, welche künstlerischen
und materiellen Erfolge diese zu Lebzeiten aufzu-
weisen hatten. Zn kurzen, überaus charakteristischen
und in ihrer Einfachheit lapidar wirkenden Bio-
graphien ist der Nachweis erbracht, daß es nur
ganz wenig Künstlern gelungen ist, neben ihrem
künstlerischen Ruhme auch noch materielle Reich-
tümer zu erwerben und zu erhalten. Diese Unter-
suchungen dienen aber nicht zur Befriedigung einer
bloß geschichtlichen Neugierde, sondern dazu, den
Ursachen dieser Erscheinungen auf den Grund zu
gehen und vielleicht daraus Ratschläge für die
lebenden Künstler ableiten zu können. Diese sind
in Form eines Nachwortes, das den Schluß des
Buches bildet, angegliedert und enthalten außer-
ordentlich beherzigenswerte Fingerzeige.

Die Künstler sollen sich wieder mehr dem hand-
werklichen Schaffen zuwenden. Dadurch werden
sie frühzeitiger und sicherer in die Lage versetzt,
zu erwerben. Daher ist es wenig zu empfehlen,
die bereits überfüllten Akademien zu besuchen, als
vielmehr auf die kunstgewerblichen Schulen zu
gehen. Der vielleicht durch den frühen Eintritt in
die lverkstätte auftretende Mangel an allgemeiner
Bildung der Künstler könnte durch eine Erwei-
terung des Programmes der Kunstgewerbeschulen
nach dieser Seite hin behoben werden. Dieser
Vorschlag ist sehr beherzigenswert, wenn seine

Mitteilungen

Ausstellungen

die Ausstellung -er Vebschitz-Schule. In den Räumen
der Deutschen Werkstätten war während der letzten Wochen
eine Gesamtausstellung der Lehr- und Versuchsateliers für
freie und angewandte Kunst zu sehen. Die Ausstellung dieser
nach ihrem Mitgründer und Leiter kurz als Debschitz-Schule
bekannten Unternehmens bestand zum großen Teil aus Ar-
beiten, die bereits während des Sommers in Berlin auf Ver-
anlassung des Kunstgewerbemuseums dort gezeigt worden
waren und umfaßte mit Ausnahme non Möbeln so ziemlich
alle Gebiete kunstgewerblicher Arbeit. Besonders reichhaltig
inaren Textilien und Keramik sowie Metall- und Holzarbeiter!
vertreten. Seit zgo-l ist es die erste größere Ausstellung, die
die Schule hier in München veranstaltet, außer den jetzigen
Schülerir sind auch frühere Angehörige der Lehrateliers zahl-
reich mit Beiträgen vertreten, so daß sich an der Hand der
ausgestellten 600 Gegenstände ein trefflicher Überblick ge-
winnen läßt über das, was in der Schule geleistet wird, wie
über der: Geist, der das Ganze beherrscht.

Durchführung auch keine absolute Gewähr für die
Erwerbung von Reichtümern bietet. Es gehört
zum künstlerischen Können, zum Festhalten an sich
selbst, auch noch ein kaufmännisches Geschick, welches
dem Künstler erst dazu hilft, sich materielle Vorteile
zu sichern. Freilich fehlt dieses Talent gerade oft
jenen, welche die originellsten und selbständigsten
sind. Aber auch für diese könnte eine Linderung
ihrer oft verzweifelten Lage herbeigeführt werden,
wenn der Staat sich entschließen könnte, ihre werke
sich zu einer Zeit zu sichern, wo deren Preise noch
normale sind. Statt alte, mitunter oft fragliche
werke mit dem Aufwands ungeheurer Mittel zu
erwerben, wäre es Aufgabe einer weitblickenden
Kommission, sich die großen werke der lebenden
Künstler rechtzeitig zu sichern.

Lin weiterer Vorschlag enthält eine Mahnung an
die Künstler, welche oft eine zu weitgehende Sen-
timentalität bei Beurteilung und Erhaltung alter
Städte- und Landschaftsbilder zeigen. Sie unter-
binden sich damit selber das Schaffen neuer werke
und verraten eine Schwäche und Unterschätzung
ihrer eigenen Kraft, welche es ihnen unmöglich
erscheinen läßt, etwas Neues und Gutes zu schaffen.
So ist das Büchlein für den schaffenden Künstler
sehr lehrreich zum Lesen, und ein jeder wird darin
etwas für ihn passendes finden.

Der große saubere Druck und die einfache geschmack-
volle Ausstattung durch den Verlag sind noch be-
sonders hervorzuheben.

Richard Berndl.

Was zunächst auffällt, ist das fehlen jeglicher gesuchter
Originalität, jenes Sichlossagen von der guten Tradition, also
alle jene Extravaganzen, an denen alle Ausstellungen der
Frühzeit der modernen kunstgewerblichen Bewegung so reich
waren und die dem modernen Kunstgerverbe so viele Svm-
pathien gerade unseres kaufkräftigsten Publikums raubte, ohne
die nun einmal das Kunstgewerbe nicht lebensfähig bleiben
kann. Lat sich in dieser Richtung ein erfreulicher Fortschritt
vollzogen, so überrascht nicht minder angenehm das hohe
Niveau, welches die Arbeiten der Debschitz-Schule durchweg
zeigen. Gewiß ist dies zu einem Teil dadurch erreicht, daß
es sich um die Vorführung sorgfältig ausgewählter Arbeiten
handelt, dann auch um Arbeiten ehemaliger Schüler, die sich
längst, wie z. B. Schmoll, v. Eisenwerth u. a., zu selbständigen
Künstlern entwickelt haben. Aber auch wenn man all das
in Betracht zieht, läßt sich feststellen, daß auch die Arbeiten
der jetzigen Schüler fast durchweg das Gepräge einer erfreu-
lichen Eigenart und einer hohen geschmacklichen Kultur tragen.
Materialgerechtigkeit und Formenschönheit, moderne Eigen-
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