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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

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III. Iahrgang.

ücitrnge

sind an l)r. (s. v. Liiyow
(Witn, Theresianumq.
25) od.andieVerlagt-!».
(Lripzjg, Kö'nigSstr. 3)
zu richten.

<i. Novrmlirr.

B

Nr. 1.

Insrrate

!> 2 Sgr. sür dte drei
Mal gcspaltenc Petit-
zeile wcrden von jeder
Vuch- und Kunsthand'
lung angenommen.

I!i67.

cistlatt zur Zcitschrist sür liitdcude Kuust.

Vcrlag von L. A. Leemann tn Tetpzlg.

'.'IIU ^u't-ile» uud Iel.ueu tXieil.iue jedec' Muuulo ci'cheiur ciue Nuiuiuer ruu tiucui l'ull'eu l'io ciucui Quurtl't'qeu. L>ie '.'ll'r'uueuteu dcr ileilichrisl für t'ildendc
.(tnnit ' erhalten dies Blatt lrraUl,. Apart bezoqcn koi'tet dasselbe l'/z Ti'Ir. ganzjährlich. Sllle Bnchr nnd Kunstbandlungen wie alle Postämter nebinen
Bestellnngen an. Expcditi oncn : in Derlin: L. Sachse » Lo., Hosknttl'tbandlnng; in Wien: V. Aaeser, GeroidL Lo., in München : L. A. Flrischmann.

Znhalt: Zur AnsstcllnngSliteratnr. — .storrespondenzcn (WienMnnchen). >
— Nekrologe nnd Todesnachrichten (kancr; Aifsre: Seurrc). — Per-
sonalnachrichten. — Preisbcwcrbnngcn. — Knnstvereinc. Sammlungen. -
AnSstcllnngen. — Knnstlitcratnr nnd Knnstbandel. — Bcrmischte.(tnnst-
nachrichten. — Zeitschriften. — Abfertignng. — Inserate.

Zur ÄilLltellungsliteratur.

I. N. Aus dieser reichhaltigen Literatur, die all-
mälig zu einem ihrem Objekte ganz entsprcchcndcn Um-
fangc anschwillt. sind insbcsondere cinige Schriften über
dic artistischen Leistungen bemerkenSwerth. Zunächst dcr
„Bericht über die künstlerische Abtheilung der
allgemcincn Ausstellung ;u Paris", welchen Prof.
Wilhelm Lübke auf Veranlassung des würtcmbcrgischen
Kultusministeriums versaßt uud bei Ebner nnd Senbcrt
i» Stnttgart hat erscheinen lasscn. Das besonderc Ver-
dicnst dieser fünf Bogcn umfassenden Schrift ist die Älar-
hcit dcr gcdrängten Darstellung, welche einen Ueberblick
übcr alle Gebiete dcs künstlerischen Schaffens (das Kunst-
gewcrbe cinbegriffeu) gicbt und dabci — bis zu den
französischcu Radirungcn hinab — kein hervorragendes
odcr bedcutsames Erzcuguiß außer Acht läßt. Wer die
Ansstellung grüudlich durchgegangen hat, derwird sindeu,
daß es kein Geringes war, den ausgebreiteten Stofs
dergestalt zusammcuzufassen und zu ordnen, daß sich einc
vergleichcnde nnd dcutliche Uebcrsicht übcr die Leistungen
der vcrschicdenen Nationen, die an der Spitze der Kultur
stehcn, wic von sclbcr crgicbt. Zudcm bcknndet sich
auch hier die Frciheit der Anschanung nnd dic Sicherheit
dcs ästhetischen Urtheils, dic wir an Lübke gewohnt sind.
Nicht immcr habcn diejenigcn, die in der Kunstwissen-
schaft arbcitcn, dic Fähigkeit cines unbeirrten künstlerischcu
Blickcs; um so günstigcr sind die Ergebnisse dcr For-
schung, wcnn Bcidcs, knnstlitcrarischc Bildnng nnd ein
cntwickclter ästhctischcr Sinn, znsammcntrcffcn. So wird
eS z. B. dcn Kenucrn der sranzösisckieii Malerei bcsonders
IU

erfrculich sein, die specifisch malerischen Lcistungen der
neuen Talente, der Breton und Millet, Rousseau und
Duprck ricktig gewürdigt zu sehen. Am ausführlichsten
behandelt überhaupt der Bericht — und nicht mit Un-
recht — die Malerci. Hier ist kaum eine nennenswerthe
Erschcinung übergangen; doch wären viellcicht bci dcn
Holläudern der talentvolle Kolorist Bischoff (nicht Bis-
schop, wie der Katalog schreibt), bei den Engländcrn die
hervorragenden Landschafter Brett und Cole einer Er-
wähnung werth gewcscn. Jndesscn, diese Auslassungen
habcn nichts auf sich, da die Charakteristik der Schulen,
worauf es vorab ankam, wohl gelungen ist. Ebenso sind
bei Architektur, Plastik und Kunstgewerbe, wenn auch in
kürzerer Besprechung, die Hauptrichtungen und Hauptzüge
treffeud herauSgehoben. Nur schcint dcm Rcf. die italie-
nische Plastik etwas allzustrenge und summarisch abge-
handelt zu sein.

Was dem Schriftchen neben diesen Eigenschaften noch
weiteren Werth giebt, ist die ächtc Objektivität dcr Be-
trachtung. Es hat sich mancher unserer Berichterstatter
von der antifranzösischcu Strömnng des verflossenen Früh-
jahrs mit fortreißen und verleiten lassen, die französischen
Kunstprodukte mit dem allzu kurzcn Maßstabe seines pa
triotischen Eisers zu messeu. Lübke ist von solchen Partei-
anschauungen vollständig frei und steht auf der Höhe eines
rciu ästhctischen Gesichtspunktcs. Dahcr sind die allge
meinen Ergebnisse seiner Betrachtung, namentlich dessen,
was nnserer deutschcn Kunst und Jndustric noch noth
thut, in ihrer kurzcn und klaren Fafsnng geradczu als
treffend und als solche zu bczeichnen, die ihren Werth bc-
halten, wenn die Ausstellung längst gcschlossen ist. Die-
scr weitere Blick, der von dcn cinzelnen Erschcinungen zu
dcn allgcmeinen Prinzipien nnd Zuständcn dcr hentige»
Knnst ausstcigt — z. B. bei der Bctrachtung der modcr-
ncn Geschichtsmalerei, der Arckitektur deS neuen Paris—,
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