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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 21
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III. Iahrgang.

Nr. 3 u. 4.

üeiträge

Änserate

sind an vr. C. v. Lntzow
(Wien, Theresianumg.
25) od.andie Verlagöh.
(Leipzig, Königsstr. 3)
zu richten.

Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenominen.

13. Äecember.

1867.

Beiülatt zur Zcitschrift stir tiitdende Kunst.

Verlsg bon L. A. äermsnn in Teipztg.

Am zweiten und letzten Freitage jedes Monats erscheint eine Nnmmer von einem halben bis einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende
Kunsl ' erhalten dies Blatt xratis. Avart bezogen kostet dasselbe 1^/z Tblr. ganzjährlick. Alle Bnch- nnd Kunstbandlungen wie alle Postämter nebmen
Beftellungen an. Expeditionen : in Berlin: L. Sachse » Lo., Hoftunsthanblung; in Wien: V- Kaefer; Gerold» Co.; in München : G. A. Flrifchmann.

Inhalt: Vom Christmarkt. — Korrespondenzen (Neapel; München; ,
Boston). — Nekrologe und Todesfälle. — Kunstvereine, Sammlnngen. >
Ausstellnngen. — Kunstliteratur nnd Kunsthandel. — Kunstunterricht. >
— Vermischte Kunstnachrichten. — Neuigkeiten der Knnstliteratur. — j
Neuiakeiten bes Kunsthandels. — Zeitschriften. — Zur Ergänznng. — j
Druckfehler. — Briefkasten. — Inserate. ,

Uom Chrillmarkt.

Msian darf wohl behaupten, daß '
in der jüngsten Zeit mit ^
jedem Jahre die Anforde- >
rungen strenger werden, >
welche der allgemeine Ge-
schmack andie Ausstattung
jener Luxnserzeugniffe des ^
Buchhandels stellt, die sich >
wenige Wochen vor Weih- ^
nachten mit einem hastigen
Wetteifer auf den Markt
drängen, um gesehen, be-
wundert und — gekauft
zu werden. Zwar läßt !
sich nicht läugnen, daß
unter der bunten Maffe auch jetzt noch überwiegend viele
fade und nichtssagende Produkte siud, die durch ein glän-
zendes Gefieder, dnrch den geschmackloscn Prunk der äußern
Schale zu bestechen suchen und zu bestechen wiffen; aber
das Verhältniß zwischen der gewöhnlichen Marktwaare
und den Erzeugnissen eines reiferen Kunstgeschmacks ist
zweifelsohne von Jahr zu Jahr für letztere günstiger ge-
worden. Das läßt auch die Ueberschau über den dies-
jährigen Weihnachtsmarkt des Buchhandels, soweit die
nachbildenden Künste dabei in Frage kommen, anf's Neue
erkennen.

Vor Allem bemüht sich der Holzschnitt auS den Jrr-
wegen herauszukommcn, in welche ihn ein unglückliches

Bemühen, mit der eleganten Glätte des Stahlstichs oder
der weichen Verschwommenheit der Photographie zu wett-
eifern, verführt hatte. Hoffentlich gelingt es allgemach,
die Bahnen wiederzugewinnen, welche Richter und
Schnorr unserer deutsch-nationalen Technik seit ihrem
Wiederaufleben mit richtigem Blick anwiesen, und der
Leistungsfähigkeit der ikylographie in der markigen Be-
tonung des ausdrucksvollen Umrisses gerecht zu werden.
Den beiden genannten Meistern begegnen wir auch auf
dem heurigen Christmarkte zwar nicht, wie wir es bei
Richter fast jedes Jahr zu erwarten gewohnt sind, mit
einer völlig neuen Gabe, aber doch mit ncuen Kompo-
sitionen, die zwei seit langen Jahren deni deutschen Volke
liebgewordenen Werken einen frischen Schniuck hinzugefügt
haben. Schnorr hat zu der neuen Ausgabe von Sim-
rock's Nibelungenliede (Stuttgart, Cotta) eineReihe
von Zeichnungen beigesteuert, die als Ersatz für eine
Anzahl der früheren Jllustrationen von anderer Hand die-
nen und dem Werke nun auch in Bezug auf die künstle-
rische Ausstattung einen einheitlichen Charakter geben.
Nichter's gemüthlicher Humor und fröhlich sprudelnde
Erfindungsgabe erfreut uns in deu Zusätzen, welche
Scherer's Volkslieder(jetztVerlag vonAlphons Dürr
in Leipzig)zu ihrem Vortheil erfahren haben. Der schlichte
Volkston dieser Weisen klingt aus den charakteristischen
Jllustrationen in der anmuthigsten Weise wieder. Wir
können uns nicht versagen, eine Probe des köstlichen
Humors, den der Künstler znm Besten giebt, diesen Zeilen
beiznfügen. Das Bildchen stellt den schlauen Schneider
dar, der mit schadenfroher Lust den Teufel in der Hölle
überlistet und seine Gesellcn des Schmnckes beraubt, dcn
sie vor den Menschen voraus und mit den Vierfüßern
und den Sathrn der Alten gemein haben. Wer arme
Teufcl kennen lernen will, wie sie von der drastischeu
Spottlust des Mittelalters in die Volksphantasie einge-

III
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