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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

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haben nur eine sehr kleine Beisteuer zu der Weihnachts-
bescheerung geliefert. Otto Försterliug bietet unsuuter
dem Titel „Jm Wald" (Berlin, Amsler und Ruthardt)
eine Sammlung von sechs Originalradirungen, die sich
durch delikate Behandlung auszeichnen. Kühl und frisch wie
Waldesrauschen und Waldesschatten muthen uns diese
Blätter an, denen wir nur hier und da etwas weniger
sonnige Lichtreflexe, namentlich im Vordergrunde wünschen
möchten, um eine ruhigere Wirkung zu gewinnen. Für
den Ausdruck des Knorrigen uud Spröden ist die Be-
handlung im Allgemeinen wohl zu weich und zart; im

Uebrigen ist Laub, Geäst und Stamm, Buschwerk, Haide-
kraut uud Moos mit Sicherheit und künstlerischem Gefühle
behandelt. Die Stimmung ist überall eine friedlich idyl-
lische und streift in dem letzten Blatte „Auf der Höhe"
an das Sentimentale. Vielleicht wird dieses Blatt der
einfach aber nobel erscheinenden Mappe vor Allem die
Gunst der Leserinnen d. Bl. gewinnen. Daran möchten
wir noch den Wunsch knüpfen, daß der Erfolg der schönen
Publikation etwas dazu beitragen helfe, die edle Radir-
kunst wieder zu allgemeinerer llebung und Werthschätzung
zu bringen. E. A. S.

Korrespondenzen.

Neapel, im Oktober (Schluß).

Ein zweiter Punkt, der das allgemeinste Mißfallen
immer von neuem erregt, ist das Eintrittsgeld, welches
der Besucher des Museums — mit Ausnahme des
Donnerstags und Sonntags — entrichten muß. Es be-
trägt hier freilich nur einen Frank; in Pompeji dagegen
muß mau bei jedem Besuch zwei Franken bezahlen, und
hat dort nur am Sonntag freien Eintritt, ja die um
den Preis dieser zwei Franken zu lösende Karte hat nicht
einmal für den ganzen Tag Gültigkeit. Will ich z. B.
nach drei- bis vierstüudiger Wanderung zu Mittag die
ausgegrabene Stadt verlafsen, um in einer benachbarten
Locanda den gerechten Anforderungen des Magens nach-
zukommen, am Nachmittag aber meine Studien in Pom-
peji fortsetzen, so bleibt mir nichts übrig, als noch einmal
zwei Franken zu erlegen. Und wie wenig sieht man in
einem einzigen Tage! DerBesuch muß drei bis vier Mal
wiederholt werden, wenn er auch nur ein übersichtliches
Bild gewähren soll. Nun sind freilich für wiederholten
Besuch Abonnementskarten eingeführt. Aber die dadurch
erzielte Ersparniß ist eine sehr geringe. Der Gelehrte,
der Künstler und überhaupt Jeder, der sich in Pompeji

gründlich umsehen.will, muß auf völlig freien Eintritt
Anspruch erheben können. Sonst bleibt dem Studium
dieser nierkwürdigsten Denkmälerstätte Jtaliens ewig ein
Riegel vorgeschoben. Und wir wissen bestimmt, daß es
selbst Specialforschern, welche Monate lang in Pompeji
zu arbeiteu hattcn, uicht möglich gewesen ist, dieses Hin-
derniß zu beseitigen.

Die Resultate der Ausgrabungeu im Einzelnen zu
verzeichneu, ist hier nicht der Ort. Dies muß den archäo-
logischen Fachblätteru überlassen bleiben. Jn der Zeit-
schrift des preußischen Jnstituts iu Rom haben Helbig,
Kekuls, R. Schöne, Heydemann u. A. über die wichtig-
steu der in letzterer Zeit gefundenen Bilder bcrichtct.
Viele derselben sind noch an Ort uud Stelle, was
leider nie zu ihrem Vortheil gereicht; andere wurden
gleich in's Museum transferirt und finden hier dauern-
den Schutz vor Wind und Wetter. Obwohl Pompeji
selbst durch diese nachträgliche Beraubung einen gro-
ßen Theil seines ReizeS verliert, möchte man dennoch
wünschen, daß die zur Erhaltung der Bilder unerläßliche
Maßregel in noch 'ausgedehnterem Maße angewendet
würde, als es bisher geschehen ist. Dasselbe gilt natür-
lich von den Mosaiken der Fußböden. Es machte mir
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