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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

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urtheilung vorlegcu, oder abcr, fulls das hohe k. Miuistcriuni
fich fiir fachmännisch koinstetcut HAt uud die große Bcraut-
wortlichkeit auf sich nchmcn will, selbst culscheiden, welcher der
vier Koukurrcuzpläne der rclaliv bestc sei uud in küustlerischer
Beziehung den ersteu Platz verdiene.

Wicn,ani t7. Decciuber 1867.

Kliroplj. Kanscn.

Nclllvlogc u»k> Todcsnachrichtcil.

Karl Ferdinand Sohn. Am 25. November starb
während eines Besuches in Köln Karl Sohn, einer der
Meister, welche in erster Linie zum Ruhme der Düsseldorser
Kunstschule beigetragen haben. Jm Hause seines Freundes
Ferdiuand Hiller traf ihn ein Gehirnschlag, der dem Le-
ben des rüstigen Mannes sofort ein Eude machte. Ganz
Düsseldorf betrauert den Berlnst dicses Künstlers, der
außer der Verehrung für sein Talent, auch als Mensch
einer allgemeinen hohen Achtung genoß und werth war.
Sohn gehörte zu der kleinen Zahl von reichbegabten
Künstlern, welche, mit Schadow als dessen erste Schüler
nach Düsseldorf gekommeu, in erstaunenswerther Frühreife
schon mit ihren ersten Werken den ganzen Beifaü des
deutschen Publikums erwarben und den Kern der ncueu
Schule bildeten. Als Schadow 1826 sein Amt als Direk-
tor der Düsseldorfer Kunstakademie antrat, war er bereits
seit mehreren Jahren von einigen Schülern umgeben, die,
in der für die Grnndlagen des künstlerischen llnterrichtes
vortrefslichen Berliner Akademie vorgehilvet, untcr des
Meisters tiebevoller Leitung in der konsequcntesten Weise
ihre Studien fortführten nnd nun auf ganz ncuem Boden
sich ungestört entwickcln konutcn. Es waren dics Julius
Hübner, E. Bendemann, C. F. Lessing, Theodor Hilde-
brandt, Kärl Sohn und H. Mücke. Sie lebten im in-
timsten Verhältnisse mit ihrem Meister und erhielten da-
durch eine höchst glückliche, nach allen Seiten harmonische
Ausbildung, ohne durch irgend welche fremde Einflüsse
abgelenkt zn werden. Schadow, damals in der Blüthe
der Jahre (1789 geboren) und noch nicht, wie in
seinem späteren Alter, durch religiösen Eifer bcschränkt,
genoß das unbedingte Bertrauen seiner Schülcr, deren
Studien er mit der ganzen Sicherheit eines von sich
selbst überzeugten Mannes leitete. Die Talente ent-
wickelten sich in verschiedener Weise, denn Schadow's Lehr-
methode wies immer auf Natnrheobachtnng und Natur-
nachahmung hin u»d gewährtc der Jndividualität freicn
Spielranm; wenn dcnnoch cine gcwisse llniformität in
den Werken dieser ersten Düsseldorfer Schule unverkennbar
ist, so cntstand diesc dnrch das enge Znsammenleben nnd
Zusammcnwirkcn der Künstler. Dic geistige Richtung
derselbcn ward dnrch dic damals allgemein hcrrschende
romantische Poesie bcstimmt, dcrcn Einfluß das jugendlich
frische, leicht empfängliche Knnstleben Düsscldorf's sich
nicht entziehen konnte.

Sohn's Werke, so sehr sie mit dem ganzcn Wesen
dieser romantischen Richtnng znsammcnhingen, hattcn
indeß gleich von Anfang an eincn cigenen Eharaktcr. Ein
besonderes technisches Talent überwog das seiner Mitschüler
wie das dcs Lehrcrs sclbst, und gleich in seinen crsten
Bildern zeigt er sich im Verhältniß zu den Genossen als
einen Virtuosen in derBehandlung. Mit der ihm eigencn
Mäßigung beschränktc cr sich anf cincn engcren Krcis von

Darstellungen. Während Schadow sich immer ausschließ-
licher der kirchlichen Kunst widmctc, Lessing gewisser-
maßen lyrische Gcdichte malte, Hübncr nnd mit mchr
Erfolg Beudcmaun nach großcm Stile strcbtc, Hildcbrandt
sich der gcnancstcn dcatnrnachahmnng crgab, snchte Svhn
die schöne Erscheinnng festznhalten, Aienschcii im schönstcu
Moment ihres Daseins darzustellcn. Schöne Mädcben und
Jünglinge, reizende Weiber iu aller Pracht eines üppigcn
Daseins, in ruhigen Situatiouen, siud die Gegcnstände
seiuer Gemälde, es ist eine glückscligc Welt, worin seine
Phantasic sich crgeht, die vou keincr böscn Leidenschaft
bewegt, höchstens durch elcgisches Liebcsleid getrübt wird.
Schon iu seinen crsten Bildcrn überwand Sohn dic größten
Schwierigkeiten dcr Malerei, er bewährte sich als Meister
in der Darstellnng des Nacktcn, als Fleischmaler ersten
Ranges. Sohn war vor Allcm Kolorist, Kolorist im
Sinne Tizian'S, sedoch kein Nachahmcr dieses Mcisters,
wie mancher spätere dentschc Künstter; seine Darstellnngs-
weise ist ihm ganz eigcnthümlich. Sohu's Farbe ist stets
harmonisch, der Ton des Fleisches bedingt die übrigen
Farben, bei welchen der Lokaltou nur bewahrt ist,
aber niemals im Bilde vorklingt. Seine Bchandlung
ist von unnachahmlicher Eleganz; cr besaß eine Leichtig-
keit und Sicherheit der Hand, wclche sie die größten
Schwierigkeiten scheinbar spielcnd überwindeu licß nnd
seiner Farbe eine außerordentliche Zartheit und eineu
Glanz giebt, den wir bei wenig anderen Künstlern findcn.
Dennoch macht die Eleganz der Behandlnng sich niemals
für sich allein geltend, wenn auch mitnnter die Zeichnung
dcr einzelnen Form nicht mit aller Strenge dnrchgeführt ist.
Es ist in allen seinen Bildern eine schöne Mäßigung,
cine sanfleHarmonic: sic erscheincnkoloristisch immcr vollen-
det uud iu ihrcr Wcise vollkommen. Sohn war z» allen
Zeiten vielfach mit Bildnissen beschäftigt und deshalb sind
seine cigcnen Kompositivncn nicht zahlreich. Sein crstes
Bild war „Rinaldo nnd Armida", zivei lebcnSgroße Fig-
guren in zärtlichcr llmarmung (1827 vollendet, im Besitze
des Prinzen Friedrich von Prcußcn nnd lithographisch
uachgebildct von Kehr und Nicßcn) dann folgten: „der
Raub des Hylas"(1829, in der Sammlnng des Königs
von Preußen, ebenfalls lithographisch verviclfältigt) „die
HimmelSkönigin" (1829, auch lithographirt) „Diana
im Bade" (1833, im Besitze des Königs von Prcußen)
„die beiden Leonorcn" nach Göthe's Tasso (! 834), wieder-
holt für die Raczynskische Sammlung in Berlin; „italic-
nischc Lautenspielerin" (1835, cbenfalls bei Raczynski)
„das Urthcil des Paris" (1846, in der von Spiegel'schcn
Sammlnng in Halberstadt) „Romeo und Julia" (1836,
in Berlin, gestochen von Lüderitz, zweimal wiederholt in
Halb'erstadt und in Köln) „Tasso und die beiden Leonoren,"
angeregt durch Gocthe's Drama, doch kcine Scene daraus
(1838 in dcr akademischcn Galerie in Düsseldorf; wicdcr-
holt in kleinercm Maßstabc 1843 nnd lithographirt von
Wildt) „Donna Diana" (1839, im städtischcn Vinsenm
iu Leipzig) „die Schwcstcrn" (1840, im Bcsitz des Prinzen
Augnst von Prenßen, lithographirt von Wildt) „Vanitas"
(1844) „der Lantenspieler" (1848, im Musenm zn Chri-
stiauia), „dic vicr Jahrcszeiteu" (1851, vier Aiedaillon-
bilvcr bei Hcrrn Joest in Köln) „Diana im Badc", das
größtc und crst spätcr vollendctc Werk des lNeistcrs, nnd
endlich „Loreley" (1853, gcstochen von Felsing und viel-
fach auf alle Weise nachgebildct). Nach diesem Werke hat
Sohn nur noch Bildnisse gemalt Seine Frauenporträts
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