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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 46
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Dem sei nun wie ihm wolle, so bleibt gewiß, daß erst
mit dem 15. Jahrhundert, als man in Jtalien anfing,
große Fayadenflächen mit Putzmörtel zu bekleiden, die
Sgraffitomalerei allgemeinere Anfnahme fand und fich
von Jtalien auch auf die nördlichen Länder verbreitete
(Prag, Augsbnrg, München)*).

Jn Jtalien hält sie sich bis gegen die Mitte des 17.
Jahrhunderts (verschiedene der Spätrenaissance angehörige
Paläste in Florenz nnd Pisa), in welcher Zeit sie aber
ihren Halt verliert und in Folge der allgemeinen Entar-
tung des Geschmacks zuerst in Schnörkel verfließt, zuletzt
ganz verschwindet, als zu nüchtern und allen den ange-
wandten Künsten znm Trotz zu wirknngslos. Auch im
Technischen zeigt sich ein rascher Bcrfall. Die späteren
Sgraffitoflächen sind mürbe und bröcklig, weil erdige
Farbstofse zur Bereitnng des dnnkeln Mvrtelgrnndes be-
nutzt wnrden.

Die Technik, um welche es sich handelt, ist ein Zeich-
nen nl lreseo, d. h. in den nassen Mörtel. Bon der Be-
reitung des letzteren nnd der Art seines Anftrages ist sowohl
das Gelingen der Zeichnung wie auch die Dauerhaftigkeit
des Wandschmuckes abhängig. Dabei kommen vor Allem
folgende zwei Punkte in Betracht: erstens daß der Mörtel
langsam trockne, um Zeit zur Ausführung größerer Bild-
flächen zu gewähren, während er noch einigermaßen weich
ist. Zweitens muß er in seinen verschiedenen Schichten
nach dem Trocknen zu einer homogenen, sehr festen Masse
erhärten.

Durch viele Bersnche bin ich anf rein empirischem
Wege dahin gelangt, einen Bewurf zu bereiten, der wie
zu Glas erhärtet, niemals blättert oder Risse bekommt,
jeder Witterung trotzt nnd jeden gewöhnlichen, ja selbst den
Cement-Mörtel an Dauer und Festigkeit übertrifft. Jch
bin nicht Chemiker genng, nm die Ursachen dieser Eigen-
schaften des mit Steinkohlenschlacke bereiteten Mörtels
erklären zu könneu, doch glaube ich, daß die glasartige
Beimischung der raschen Erzeugung von kieselsaurem Kalk
förderlich ist, der die glasartige Textnr des erhärteten
Mörtels veranlaßt.

Jch gebe hier in aller Kürze das Verfahren, das bei
der Bereitung der Mörtelflächen am eidgenöss. Polytech-
nikum zu Zürich seine Anwendung fand. Zuerst spritzt
man das rauhe Mauerwerk an, wie man es bei gewöhn-
lichem Verpntze macht (Berappnng). Um aber schon dieser
ersten rauhcn Unterlage mehr Fcstigkeit und ihren her-
vorragenden Nauhheiten mehr Schärfc zu geben, wird

*) Genau in der Art des italienischen Sgraffito finden
sich vortrefflich erhalten auch in Illm verschiedene Fa?aden und
der Hof des Kameralarnts. Quadereintheilung, die kleineu
Fenstcr uiit reichcn archilcktomschcn Rahliiungen nnd Anfsätzen,
Dclphinen, Kandelabern rc. verziert, reiche Gurtbänder. Erste
Hälfte des 16. Jahrhundcrts.

Anm. d. Prof. A. Gnauth.

etwa grob gestoßcuc Steinkohlensckilacke dem sonst
nach gewöhnlicher Weise mit grobem Kiessand bereiteten
Spritzmörtel hinzugefügt.

Diesen Untergrund läßt man anziehen und trockncu
und legt dann den ersten Auftrag anf. Dieser besteht ans
folgender Mischnng:

5 Theile pillverisirtenWetterkalks(langsam nnter Salid

abgelöscht).

6 „ schwarzen scharfen Flußsandes.

2 „ grob gestoßener Steinkohlenschlacken. (Hier

könncnKörnchcn dabci sein wie kleiueSchrote.)

Der Anftrag, der dick genug sein mnß, nm alle Unebcn-
heiten des Untergrnndes zu decken nud anszugleichen, wird
mit dem Streichbrett glatt gecbnet und festgedrückt. —
Anf ihn folgt, während er erst halb angezogen hat nnd
noch feucht ist, der zweite Anftrag ungefährün gleichcr
Dicke. Er ist folgenderweisc znsammcngesetzt:

4 Theile pnlverisirten (unter Sand langsam abgelösch-
tcu) Kalkes.

3 „ schwarzen Sandes.

4 „ Schlacken (jedoch so fein wie Sand gcstoßen).

1 „ Holzkohlenstaubes.

Frankfnrter Schwarz nach Befinden. Letzteres dient
nnr, um die Schwärze des Mörtels zn verstärken, trägt
aber nichts zur Festigkeit der Masse bei, ist daher nur vor-
sichtig anznwenden. Das Gleichc gilt von der Holzkohle.

Auch diese Schicht wird fest angedrückt und wohl ge-
ebnet. Auf sie folgt, noch ehe sie trocknet, die dritte
dünncre Oberschicht, die aus folgendem Auftragc besteht:

lU/j Theile Kalk (wie oben).

2 „ Sand.

4 „ Schlacken.

1 „ Holzkohlenstaub.

Vs » Frankfurter Schwarz.

Alles ist durch ein Haarsieb durchzusieben. Zmn Ab-
glätten der Fläche nimmt man zuletzt die gleiche Mischuug,
jedoch uur mit eiucm Theil Sand statt zweier.

So lange die sorgfältig abgeglättete Fläche noch nicht
trocken ist, folgt nnn zuletzt der dreimalige Anstrich mit
Kalkmilch, der unr soviel Dicke erhält, als uöthig ist, nm
den schwarzen Grund zudeckcu (etwa eine Linie Schwcizcr-
Maß). Man kann, um das grelle Weiß des Kalkan-
strichs zu vermeiden, etwas Erdfarbe hinznsctzeu, jedoch
ist dicses Mittel gefährlich, weil leicht Flecken cntstehen,
wic an dcr Fayade zn Hamburg wahrzunehmcn ist, wo
in meiner Abwesenheit zn viel Ocker oder dergleichen dcm
weißen Kalkanstrich beigefügt wurde, der in Folge dcssen
im Regcn dunkel und zwar verschiedentöuig dunkel wird.
Bei der eidgenössischen Sternwarte habe ich das Weißc
des Anstrichs dadnrch zn dämpfcn gesncht, daß ich nach
der Erhärtung das Ganze mit in Laugc aufgclLstcm
Asphalt (Judenpech) bestrich. Diescr sctzt sich in die
Porcn des Aiistrichs nnd giebt dcm Ganzcn eincn klaren
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