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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 48
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Welcke HülfSunttel uud Freiheiteu iu dieser und iu
auderen Beziehuugen die geduchte Sgruffitemuuicr ge-
stattet, das habe ich bei der eigenhäudig ausgeführten
Arabcskeudckoration uutcr der Kuppel der hiesigcn Stern-
warte crprobt. Diesc Arabeskeu sind sozusagcn auS freier
Hand cntstandcn. Die Aufpausung der Zcichnnngen auf
die Wandflächen geschah nur in den allgemeinsten Mas-
senpartien ohne Dctaillirung, alles Eiuzelwerk wurde
iniprovisirt, was mitunter mißgliicktc und llipeiitimoiiti
znr Folgc hatte. Dcsscnungeachtct ist dicse ArabcSke
ineincö Erachtens iin Stile besscr, als der allerdiugs vicl
knustvollere Schninck an dcr nördlichen Fayadc dcs Polu
technikunis.

Die Kostcn dcr Sgrafsitodekoration des Polptechnikuinö
i» Zürich bclicfcn sich, Alleö gcrcchnct, auf ca. 800<t Fr.
Der Onadratinhalt der mit Zeichuuugen bcdecktcn Flächc
beträgt ctwa 0000 Quadratfust. Die Künstler erhieltcn
für ihre Leistungen liOOO Fr. *).

Kottiugen, deu 5. Oktober I8t>7.

Nclirologc »nd Todrsilachlichtrii.

8—t. Ludwig Fvltz, Professor ain Polytechnikniu
in München, Architekt und Bildhauer, dessen ani 10.
Noveinber 1867 erfolgten Tod wir gemeldet haben, war
zu Bingen iiu Jahre 1809 geboren. Er erhielt seine
Vorbildung unter Arnold in Straßburg, v. Lasaulx und
Scholl in Mainz und kam dann 1830 nach Miinchen.
Hier besuchte er zwei Jahre die Akadeniie und trat dann
in Ludwig Sckiwanthaler's Atelier als dcssen Gehiilfe bei
seincn zahlreichcn Aufgabcu ein. Jnzwischen hatte Foltz
aber anch seine architcktonischrn Studien fortgesetzt und
fand bald Gelegeuheit, seine Kräfte anf diesem Gebiete
gleichfalls zn prüfe». Nach fünfjährigeui Verweilen in
Schwanthaler's Werkstatt erhielt er von deni Minister
Arniansperg den Auftrag, sein Stainnischlost Egg bei
Deggendorf auszubaueu. Die Arbeit nahni fünf Jahre
in Ansprucb. Hierauf sicdclte er, inzwischen glücklich
verheirathet, nach 9regeuSbnrg über, wo er zuni Lehrer
der Gewerbeschule ernanut war. Jn die Zeit seiner
dvrtigen Austellung fällt der Ausbau der Villa König
Ntax's II. anf der Ostenbastei bei Negensbnrg. Die
Arbeit erfreute sich in deui Grade der Anerkeniiung des
Biviiarchen, dast cr auf dessen speciellen Wunsch nach
München zurückberufen nnd mit seiner dortigen Pro
fessnr betraut wurde. Auch eine Rcise uach Jtalie» nnd
seine Betheiliguug an der Restauratiou des Münchener
Residenztheatcr hatte er der Gnust des KLnigs zu daukcn.
Jn Folge der letzteren, hvchst gelnngencn Leistuug wnrde

Aiideiituiigcn über die Tcchnik des Sgrasfito, sowohl
uach Basari, als «ach dcu iieueren Erfahruugcu vou Profcssor
de Fabris in Florenz, nebst Abbildungeu der Justruuicnte
siildeu sich auch in dem Werke vou Lange uud Bühlmauu,
welchcs wir iu der Kuust- Lhronik v. I. 1867, Nr. 2l, S. >77
angczeigt haben. Man vergl. fcrucr den Text der Publikatiou
von Max Lohde's Sgrasfitobilderu im Trcppeuhause des
Sophiengymnasiums zu Bcrliu. Berlin, Spriugcr'sche Buchh.
1868. A. d. R.

Foltz durch den Orden des h. Michael ausgezeickmet.
llnter seiuen sonstigcn Arbeiten erwähnen wir den Ban
cincs SchlosseS für deu Barou Künsbcrg in Obcrfraukeii,
den Ausban des SchlosseS Taxis in Schwaben, den nicht
vollcndeten Bau des Schlosses Brannenburg, die Grab-
kapclle der Kurfürstiu Leopoldiue iu Steppcrg, ein Mo
numeiit für Baron Closen, die Ergänzungcn des Nech
berg'schen Schlosses Donzdorf, die Restauration der Neu-
pfarrkirche m Regensburg, endlich eine Auzahl getriebencr
Metallsärge fiir Schwerin nnd Regeusburg. Für das
Kunsthaudwerk war Foltz ganz außerordeutlich thätig:
Möbel, Gefäße jeder Art, Oefen, Elfenbeinschnltzereien
u. dgl. sind iu groster Zahl nach seincn Entwürfen
ausgeführt. Vicles davon publicirte die Müncheuer
Zeitschrift deö „Vereins für Ausbildung der Gewerke".
Jn den letzten Jahrcn findcn wir Foltz alö praktischen
Steinmetz (wie er sich selbst zu ueunen liebte), Bildhauer
und Architekten fast ausschließlich für die Frauenkirche in
München beschäftigt. Zwölf lebensgroße Apostel, drcißig
audere Statuen, vicrzig kleinere Holzfiguren, fünf
Altäre, im Ganzen weit über 200 Stücke rühren von
ihm her. Ein UntcrleibSleidcn, zu desseu Heilung cr
im lctzten Somnier vergcbeus nach Marieubad gegaugen
war, machtc dem Lebeu des rüstigen Maunes eiu Ende.

Sophie Rudc, geb. Fremiet, Wittwe dcs 1855 vcrstvr
bcucn Bildhauers Fraucvis Rudc, eine Schüleriu vvn David
und sehr fruchtbarc Histvricn- uud Bilduikmaleriu, starb iu
Paris am -1. December iu ihreu 71 Lcbeusjahre.

Frnuz Xavcr Dvbiaschofskh, cincr der gcachtcstcn Histv
rienmaler Wiens uud akadcmischer Rath, starb dortselbst am
7. December ini 1!>. LcbeuSjahre. Eiucu ausführlichen Ne
krolog bringen wir uach.

Rudolf vou Arthaber, der Bcsitzer dcr berühmteu Ga
lerie uivdcrucr Mcistcr iu Dvbliug bei Wien, eiu als Bürger
uud Mcusch gleich ausgezeichuetcr Manu, erlag am !>. Dcccm
ber ciuein laugcu schmerzlichen Leiden im 76. LebeuSjahre.

Arthur Olrottger, cin juuger pvluisch vstcrrcichischcr Ma
ler, desseu phvtographisch vcrvielfältigte Kartous, Sccueu
aus der letzteu pvlnischcu Erhebung darstelleud, rhm iu weiteu
Kreisen eineu Nanieu machtcn, starb am l3. Decembcr in
dem Pyreuäeubade Am6lic-les-BaiuS, wohiu er sich zur Her-
stcllung scincr crschülterteu Gesuudhcit begebeu hatle. Schvuc
Hvfsuuugen gingen mit ihm zu Grabe.

I)r. Joachim Sighart, Dvmkapitular in Müucheu, der
verdieustvvlle Vcrsasser der auf Bcraulassuug König Max's 11.
geschricbeuen bayerischcu Kuustgeschichtc nud zählrcicher kleiuerer
ärchäolvgischer und kuusthistorischer Abhalidlliugcu, starb zn
Müuchen am 26. Decembcr v. I.

Baron Marochctti, der gcwisscr Maßcu als euglischer
Hvfbildhauer betrachtet werden kauu, da vou seiuer Haud die
mcisieu iii ucuester Zeit iu Englaud au vffcutlichcn Plätzeu
crrichtcteu Bilduißstatueu, uanieutlich die Prinz-Albcrt-Staud-
bilder, herrühreu, ist am 28. Dceember in Paris gestvrben.

Thcvdor Rousseau, der berühmte frauzvsische Laudschasts-
maler, eiuer der feiiisten Naturalistcu der iieueren Schule,
starb iu den lctzten Tagen des verflvsscneu Jahres au dcn
Fvlgcn eiuer Gchiruerweichung zu Barbizvn, der bekanutcn
Mälerkvlvuie bci Fvulaiucblcail, wclche durch ihu zuerst uiil
begründet war und seiuem letzteu Willcu gcmäß auch seiue
Grabstätte werden svllte. Th. Nvnsscau war Ofsizier der
Ehrenlegivu uud hattc aus dcr Wcltausstellung vvn >855 dic
erste goidene uud anf dcr vvn 1867 die grvße Ehrenmcdaille
erhalten.

prris-örwklbiinlsr».

Für dcu i» Brauuschwcig auf dcm Kohlmarktc zu cr-
richtcuden Brnuucn ist iu Fvlgc cincr öffemlichen Kvulurrenz
dcr Preis vvu 16» Thaleru dcm Hosbildhauer Strümpell
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