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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 53
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III. Iahrgang.

Nr. 7 n. 8.

Äeitrnge

find an vr. C. v. Liiyow
Iwiin, Theresianuniji
S5> od.andieBcrlngöir
Mpzig, Königsstr. »>
zn richten.

Insrrate

i> 2 Egr. siir die drej
Mal gespaltene Petit-
zeile wcrden von jeder
Buch- nnd Kunsthand
lung angenoinmen.

:;i. Iaiiuar.

IttKtt.

Bcililsttt z»r Zcilschrist siir bitdciidc Kuiist.

Vcrlag von L. A. Leemann in Tetpztg.

Am zweiten und letzten Freitage jedes Monats erscheint eine Nununer ron iu der Ne.sel emein Qnartt'Usieu. Oie'.'Il'nniieiiten de> ..^eilül'iisl l'iidende
Knnst ' erdalten dies Blatt Apart bezogen kostct dasselbe l'/z Tblr. ganzjahrlich. Alle Buch- nnd .Nnnstl,andlnnqen wie alle Pvstäniter nelnnen

Bcstellnngen an. Expcditionen : in Berlin: L. Sachse » Lo., Hofkilnsthandlnng; in Wien: P. Aaeser, Gerold^ Lo. . in München : L. A. Fleischmann.

Inalt: Uebcr das Sgrafssto (Nachtrag). — Die Aufhebnng der k. Por-
zellanfabrik zu Berlin. — Aus dem Wiener Belvedcre. — Korrespon-
denzen (Berlin; Dnsscldorf; New-Aork; Florenz; Bamberg). —
Nekrologe nnd Todesnachrichten. — Preis-Bcwerbnngen. — Knnstrereine.
Sammlnngen. Ansstcllnngen. — .ünnstlitcratnr imd Kunftbandel. —
Bermischtc Knnftnachrichten. — Neuigkeiten der Knnstliteratnr. — Ncnig-
keitcn des Knnsthandcls. — Zeitschriften. — Erklarung. — Bricfkasten.
— Jnserate.

Ats Machtrag

zu meinem Aufsatz über bas Sgraffito habe ich noch
zu bemerken. daß diese Dekoration in der südlichen Schweiz
nnd bei Como selbst in einfachen Bauernhäusern häufig
vorkommt. Der ganz gewöhnliche. mit grobem, grünem
Kiessand zubereitete Putz wird mit Kalkweiße überzogen
und bildet die Grnndlage eines sehr geschmackvollen
Musters, das wie Damastmuster wirkt und besser ans-
sieht als der gcwöhnliche Kontrast zwischen Schwarz nnd
Weiß. Jch bemerke dies, um zn zeigen, daß auch mit
den einfachsten Mitteln in dieser Manier viel erreicht
werden kann. Das Dessin muß bei dieser Art von
Sgraffito natürlich großblumig, breit, damastartig sein.
Jch glaube übrigens, daß in Prag ähnliche einfache, anf
grauem Kalkgrunde ausgeführte historiirte Sgraffito-
Nachahmnngen vorkommen, nämlick Zwickelfignrcn (die
nrtos lidLi'nIos u. A.) über ciner Bogensa^ade im Sckloß-
garten. Gottfried Semper.

Die Äufhcluittg der k. porMliilfalirik )U
Lerlin.

Mit einiger Ueberraschung, wir gestehen es, lasen
wir in der Kunstchronik von der Aufhebung der könig-
lichen Porzellanfabrik zu Berlin als eincr dnrch Beschlnß
des Landtages bcreits feststehenden Sache, geradezu be-
fremdcnd aber war uns dic hinzugefügte Bemerkung des
Referenten, welche diescn Beschluß höchlich billigte. Wir,
die wir hier dieselbe Angelegenheit schon einmal durchge-
niacht habcn, sind andercr Ansicht gcwordcn nnd erkennen
in dcrsclben auch eine traurige und bedauernswürdige
III.

Seitc. Möge uns die Redaktion freundlichst gcstatten,
dieser anderen Seite der Bctrachtung einigcn Ausdruck
zu geben *).

Vielleicht ist der Vorgang dcr österreichischen Landes-
vertreter auf den Entschlnß und Beschlnß des preußischen
Landtages nicht ohne Einfluß gewesen. Die Jnitiative
unseres Reichsraths hat die alte Wicncr Porzellanfabrik,
die zweite in Europa dem Alter nach, zu Falle gebracht;
nicht ungern hat damals die Regierung, sehr ungern der
Hof seine Zustimmung dazu gegeben. Der Beschluß ist
zur Ausführung gekommen und das Resultat ist jedermann
bekannt. Nicht allgcmein bekannt aber ist, daß sich als-
bald nach gefaßtem Bcschluß bei Viclen, die dazu mitge-
wirkt hatten, Reue und Bedauern einstellte, und daß ein
Versuch, durch Widerruf des Neichsrathsbeschlusses die
Fabrik zu retten, vielleicht nur daran scheiterte, daß das
einflußrcichste Mitglicd des Hauses cs für nnvcreinbar
mit der Würde des Reichsraths erklärte, cinen einnial gc-
faßten Beschluß zurückzunehmcn. So ist die Porzellan-
fabrik gefallen als ein Opfer für die Würde der Landes-
vertretung, bedanert von jedermann, der an ihrcm edlen
und nützlichen Kunstzweigc Jnteressc nimmt, bcdaucrt selbst
von den Konkurrenten, die das ideale Vorbild, das sie
vor dem Bcrsinken in das Gewöhnliche und Schlechte be-
wahrte, fallen sahen. Die bessere Einsicht ist zu spät ge-
konimen.

Der Fall der Wiener Porzcllanfabrik läßt sich aber
begreifen. Der Bcschluß wurde in einer Zeit gefaßt, alS
die Bestrebnngen zur Hebung des Geschmacks und der
Kunstindustrie bei uns noch nicht bcgonnen hatten. DaS

ch Wir geben diesem Ausdruck um so bereitwilliger an
dieser Slelle Raum, als auch wir der Ansicht unseres oben
crwähnten Berlincr Korrespondenten, welcher dcn Beschluß des
I Landtags billigte, nicht bcipflichten können. A. d. R.
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