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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 81
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III. Iahrgang.

Nr. 10.

Seitriige

Insrrate

sindanvr.C. v. Lützow
(Witn, Theresianumg.
25) od.andieBerlagi'h.
(teipzig, Königsstr. 3)
zu richten.

k 2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

28. Frliniar.

1868.

Bcililatt zur Zcitsllirist sür llildendc Kunst.

Verlsg von L. A. Leemann !n Leivztg.

A»I jlvcitt» »ud lkiur» Fici,,i>>c jcdcs L>!o»,>is cciä'ci», ci»c^>»i»nicl >'v» m kcr Rc.,cl cincni Quarti'ogk», Dic Al'omicutk» dc, „ijcilschris, für l'ildcndc
Kunsl" crliallt» dics Blatt ucutii. Auarl l'czogrn kostc, kasscli'e l'sz Tlilr. gaiizjalirlich. Allc Buch- Iiiid Kiii,ftl>a»t>iii,gkii wik allc Pvstämlrr nclimc»
Bkslcllnngcn an. lLxr'cd i I i o n cn : IN Bcrlin: s. »achsc » L°., Hofklinslbaiidlnng; in Wicn : p. Aacser, Scrald» Lo.; i» Münchc» : s. A. Flcischmann.

Inhalt: .kiorresvondknzcn sWicn lSchln«): Bcrlin; lircskld). — Nekrologe
„nd Todesnachrichtcn. — PrciS-Bcn'crl'imgcn. — Knnstocrcine. Samin-
lnngen, Ausstcllnngcn. — Runsllitcratlir und Knnltliandel. — Kunst-
unterricht. — VcrmischtcKnnstnachrichtcn. — Zeitschriflen. — Warnnng.
— Znscrate.

Korrespondenzen.

Wicn, Anfang Februar. (Schluh.)

?. ?. Auch bei der plastischen Ausstattung der neuen
Aspernbrücke und der Elisabethbrückc ist nicht alles ge-
gangen, wie es die Wichtigkeit der Aufgaben erfordert
hätte. FürdieAspernbrückehatdcr BildhauerMelnitzky
vier allegvrische Kolossalfiguren komponirt, welche schon
vor Jahr und Tag in den Gypsmodellen auf der Brücke
probcweise aufgestellt wnrden. Dabei ergab sich — was
man freilich vorhersehen konnte — daß der wahre Platz
für die Figuren nicht auf den niedrigen sogenannten
Kettenkammern der Brücke, sondern auf den Pfeilern der-
selben zu suchen sci, nnd cs wird nnn nicbts übrig bleiben,
als die Figuren an diese Stelle zu übertragen, obwohl sie
für dieselbe ursprünglick nicht komponirl sind. Auf den
Kettenkammern dagegen sollen, anstaU der Allegorien,
ruhende Löwengestalten mit Jnschrifttafeln angebracht
werden. Bei der Elisabethbrücke liegt die Ursache des
Mißerfolgs, über den sich nach der Enthüllung der Statuen
wohl Niemand mehr täuscht, vor Allem in der Wahl der
Stofse selbst. Acht PortrLtstatuen auf einer Brücke, zu
vier und vier einander gcgenüber, das ist zuviel, um jeder
einzelnen eine monumcntale Wirkung möglich zu mackcn.
Und nun vollends acht Porträtstatuen von Männern ans ^
den verschiedensten Zeitaltern, vom Harnisch bis znm
Frack, vom Herzogshut bis zur Allongenperrücke! Wie ^
sollte da wohl Harmonie in das Ganze zn bringen sein?
Aber auch damit waren die Schwierigkeiten noch lange
nicht erschöpft. Die Hauptschwierigkeit für die KLnstler
lag darin, uns diese acht berühmten Männer — vom
III.

Herzog Heinrich Jasomirgott bis auf Sonnenfels —
Männer, deren Verdienste, Leistungen und Heldenthaten
uns aus der Geschichte bekannt sind, nun auch menschlich
so interessant zn machen, daß wir nns an ihrem bloßen
Anblick erfrenen, uns dadurch begeistert und erwärmt
fühlen. Oder vielmehr das war keinc Schwierigkeit,
das war ihre Aufgabe, eine Anfgabe, die aber nur dem
Genius gelingt; und wir müssen leider gleich hinzufügen:
die keiner der acht Künstler anch nnr von fern gelöst hat.
Die meisten der Figuren sind Werke von höchstens deko-
rativcm Werth, anch Pilz's Bischof Kolonitsch, der in
der Skizze mehr versprach, kam zu kciner glücklichen Wir-
knng, und Leistungen wie der Sonnenfels von Hans
Gasser müssen geradezu kümmerlich genannt werden.
Zn bedanern ist freilich, daß dicse erstc künstlerische
Schöpfung, welche in Wien auf dem Wege der Association,
nämlich durch den sogenannten älteren Kunstverein, zu
Stande gebracht worden ist, keine bcsseren Früchte getragen
hat. Aber an rechtzeitigen Warnnngen hat es nicht ge-
fehlt; der Verein hat den Mißerfolg nur seiner cigencn
Wahl zuzuschreiben.

Vor Knrzem ist denn eudlich auch die Angelegenheit
des Schnbert-Monnments ciner Entscheidung zugeführt
worden. Der oben erwähnte Kundtmann erhielt nach
der ersten fruchtlos gebliebenen Konkurrenz den Auftrag,
eine nene Skizze anzufertigen. Er hat gleich mehrere
zur Wahl vorgelegt, und von diesen ist jetzt eine durch Be-
schluß des MLnnergesangvereins zur Ausführung bestimmt.
Sie stellt Schubert sitzend dar auf einem mit Rcliefs
verzierten Postament. Jn letzteren schildert der Künst-
ler die Mnsik des Meisters in ihren Hauptgattungen
und deren Wirkung anf das Volk. Das Ganze baut
sich ansprechend auf und dürfte namentlich, wenn dem
Künstler die plastische Bewältigung der Porträtgestalt
selbst gelingt, einen würdigen monumentalen Eindruck
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