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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 89
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III. Iahrgang.

Sritrüge

sind an vr, C. v. Liitzow
llvirn, Theresianumg,
->S) od.andieLerlagctz,
iLkipjig, KönigSstr, 3)
zu rickten.



!1. März.

Nr. 11.

Insrrate

ä 2 Sgr. sür die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

ittktt.

Beililatt zur Zeitiltirist sür liitdeudc Kunst.

Verlag von L. A. Leemann in Lelpztg.

Am zweilen n»d lctzien Freilaae jedeS Monats ersckeinl eine Nummce von in dcr Rkgcl cinem Qnartdogen, Die Abonncntc» der „Zeitschrisl fnr bildende
,llnns," crliallcn dicö Blal, nratl«. Aoarl bezogcn kostel dalZclbc I' z Tblr, ganzialnllch, Allc Bnch- nnd Knnstdandlnngen wie alle Postämler nclimen
Bcslcllnngen an. Lrpedili oncn : III Bcrlin I k. Sachsc » c°.< Hofknnstdandlnng; IN Wicn: p, Kacser, V-rold» L°.. in Münchcn : s, -, /l-ischmann.

Jnbalt: König Lndwig ch. — .ltorresvondcnj (Bcrlin). — Rekrologe nnd
Todesnachrichten. — Pcrsonalnachrichten. — Preis-Bewcrbungen. —
Knnftvercine, Sammlnngen. Ansstellnngen. Knnstbandel. — Kunst-
nnterricht. — Vermischtc Knnstnachrichten. — Zeitsckriften. — Be-
richtigung. — Inserate.


König Ludwig f.

0. v. Ia. Der gekrönte Genosse des deutschen Künst-
lerfürsten, der im vorigen Jahr um die nämlickc Zeit aus
dem Leben schied, ist nun ebenfalls dahingegangen: König
Ludwig I. von Bayern starb zu Nizza am 29. Februar,
81 Jahre alt. Als Monarch der Bertreter einer über-
wundenen Epoche, und seit nahezu zwei Decennien des
Thrones verlustig, auf dem ihm zwei erlauchte Nachkommen
folgten, blieb er gleichwohl bis an seinen Tod an geistigem
Ansehen der erste Mann seines Volks. Dieses und vor-
nehmlich seine Hanptstadt München verdankt ihm das
beste Theil seines europäischen Ruhmes. Die gesammte
Knnstwelt Deutschlands trauert an seinem Grabe als an
dem ihres hochsinnigsten nnd freigebigsten königlichen
Beschützers.

Man nennt es wohl mit Recht ein eigenes Geschick,
daß dieser Mann, defsen Herz und Sinn so durchaus
deutsch war, auf französisch gewordenem Boden (zu
Straßburg am 25. August 1786) geboren werden und
auch sterben mußte. Wie schon wiederholt in den letzten
Jahren, hatte sich König Ludwig im vorigen Spätherbst
nach Nizza begeben, um dort den Winter zuzubringcn.
Aber seine Reise ging diesmal nicht direkt, sondern über
Paris, wo er die letzten Tage der Weltausstellung benutzen
wollte, um einiges früher Versäumte nachzuholen. Eine
nachhaltige Ermüdung war die Folge der außerordent-
lichen Strapazen, denen er sich, von ungestilltem Wissens-
drang angctrieben, bei seinen Wanderungen durch die
Hallen des Weltpalastes unterzog. Aber obwohl dadurck
die gewohnte Rüstigkeit seiner Natnr eine Störung erlitt

und bald auch bestimmte Krankheitserscheinungen ein
tieferes Leiven ankündigten, mochte doch der König selbst
und wer ihn sah, an eine ernstliche Gefahr nicht glauben.
Er setzte iinnnkerbrochen seine täglichen Spazierfahrten,
kurze Spaziergänge und selbst Besuche von Abendgesell-
schaftcn fort, bis ihn die Krankheit, etwa seit Mitte des
Februar, dauernd an das Lager fesselte. Da zeigte es
sich, daß der sehnige, hochgewachseneKörperdem Greisen-
alter seinen Tribnt gezollt habe. Die schon früher wieder-
holt angeschwollenen Füße und Unterschenkel des Kranken
waren einer bereits weit vvrgeschrittenen Wassersuckt
anheimgefallen. Mehrere schmerzliche Operationen, wel-
chen sich der König unterziehen mnßte und die er mit
Standhaftigkeit ertrng, konnten das kostbare Leben wohl
um einige Tage fristen. Aber eine dauernde Heilnng war
bei dem hohen Alter des Kranken trotz der nngewöhnlicken
Stärke seines Organismus nicht zu hofsen. So hauchte
er denn, umgeben von seinen beiden Söhnen, den Prinzen
Luitpold und Adalbert, und einer Anzahl treuer Freunde
nnd Diener, bei klarem Bewußtsein und nnter Dankes-
grüßen an sein Volk, die edle Seete aus.

Der Leichnam des Vcrewigten wurde durch eine
vom KLnige Ludwig II. abgesandte Hofkommission nnter
Führung des Oberhofmeisters Grafen Castell von
Nizza nach München überbracht, nni hier am Montag
den 9. März mit allen königlichen Ehren, unter Ausfüh-
rung der von dem Verblichenen selbst getroffenen Anord-
nungen beigesetzt zu werden. Die Beisetzung geschah'
demgemäß in dcr von Ludwig I. gegründcten S. Bonifa-
cius-Basilika, in deren eineni Seitenscbiffe schonseit langen
Jahren ein einfacher kolossaler Steinsarkophag seines nuu-
mehrigen Jnwohners harrte. Jn diesen Sarkophag wur-
den jedoch das Herz nnd die Eingcweide der Königsleiche
nicht mit ausgenommen. Ersteres kommt nach Alt-Oet-
ting in die Wallfahrtskirche, die anch die Herzen der frll-
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