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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 90
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heren bayrischen Herrscher bewahrt; letztere in die Gruft
der S. Bonifacius-Basilika neben den Sarg der Königin
Theresa. Eine der letzten Bestimmungen des verbli-
chenen Königs ging dahin, daß sein Ehering aufden Leich-
nam an die Stelle des Herzens gelcgt werden sollte. Ueber
die Eröffnung des im königl. Hausarchiv zu München
deponirten Testamentes wird ein Befehl des regierenden
Königs erwartet. Es sollen zu den schon in früherer
Zeit abgefaßten Verfügungen zehn bis zwölf Kodicille vor-
handen sein. Acht Kistchen wurden besonders versiegelt
gefunden, mit der Bestimmung, einen Theil derselben erst
nach 25 Jahren, den anderen nach 50 Jahren zu öffnen.
Man vermuthet darin wichtige Doknmente und Memoiren.
Mit besonderer Spannnng sieht man selbstverständlich den
Verfügungen des Entschlafenen über die von ihm geschaf-
fenen Kunstsammlungen, die ja zum großen Theil aus
seinen privaten Mitteln bestritten wnrden, und über seine
sonstige reiche künstlerische Hinterlassenschaft entgegen.
Wir zweifeln nicht daran, daß sie von demselben erhabe-
nen Geiste zengen werden, den der Verewigte bei ihrer
Gründung bethätigt hat.

, Ueber den inneren Zusammenhang dieser Thätigkeit,
über den Aufwand materieller Mittel, welcber so Großes
möglich machte, über die Ziele und die Folgen des um-
fassenden Strebens, das nun sein Ende gefunden hat,
liegen bisher außer den monumentalen Zeugnissen selbst
Nur ungcnügende Nachrichten vor. Die ruhige geschicht-
liche Betrachtung einer kommenden Zeit wird sich dieses
Königslebens zu beniächtigen haben. Und mag dieselbe
auch, wenn sie sich des politischen Richtmaßes der Jetzt-
zeit bedient, an dieser streng monarchischen, von einem ^
starken Eigenwillen beherrschten Natur Manches uneben i
und wenig behaglich sinden, die Größe der Erscheinung, j
die innere Konsequenz und weise Oekonomie des Schaffens, !
dem das Leben König Ludwig's galt, wird unverdunkelt j
bleiben bis auf die fernsten Geschlechter.

Korrcspondcnz.

Bcrlin, im Märs.

-j- Bei Sachse L Co. steht seit einigen Tagen ein
großes Altarbild von Adalbert Begas, Christi
Auferstchung. Mit dem Werkc ist es nicht leicht, in's
Reine zu kommen, weil, wie es scheint, dies dem Künstler
selber nicht mit seinem Gegenstande gelungen ist. Ein
gewisser kräftiger, lebenswarmer Nealismus läßt sich bis
zu einem gewissen Grade mit religiösen Vorwürfen ver-
einigen, aber nicht mit allen gleich gut. Die Anfer-
stehung scheint von allen möglichen Momenten für diese
Auffassung der allersprödeste zu sein. Sie verhält sich
zum Realismus wie zu den natürlichen Erklärungen: sie
kann sich mit beiden nicht vertragen. Jhr gegenüber heißt ^
es leugnen oder glauben, das heißt für die Malerei j

aufgeben oder als Wunder darstellen mit allem mythischen
und mystischen Reiz und Zauber. Aber eine herkulische
Gestalt mit fanatischem, himmelstürmendem Haupt, mit
über Nacht zu kaum sichtbaren rothen Strichen vernarbten
Wundenmalen, wie nach abgeschütteltem Starrkrampfe
aus der Grabeshöhle hervorstürmend, das ist kein Chri-
stus, auck kein Jesus, d. h. keine mögliche nnd berechtigte
Auffassung dieser historischen Erscheinung. Das Bild
hat aber wieder sehr viel bcstechende Eigenschaften, die es
der Technik seincs Urhebcrs dankt. Zwar in dem Nack-
ten verräth sich eine Schwäche der Zeichnung, der der
kolossale Maßstab jeden bergenden Schutz versagte. Aber
in der Farbe ist vieles schr schön; freilich nicht der un-
motivirt hochanfflatternde Mantel, der die Rnhc deö
Bildes nicht nnr im Aufbau, sondern auch im Kolorit
stört. Aber das Frühlicht, das durch dic Oeffnung der
Höhle bricht, die drei schlafenden Hüter und einzelne
«Theile des Christus sind sehr schön. Begas hat den Auf-
trag zu diesem Bilde im Wege einer Konkurrenz erhaltcn
(das Bild gehört cinor großen Kircke SchlesienS); wenn
wir aber dem Künstler, für den wir nicht ableugnen, eine
gewisse Vorliebo zu haben, rathen dürften, so würden wir
den Wunsch aussprechen, daß es ihm gefallen möge, bei
Porträts, znmal weiblichen, und bei poetischen, mehr
genrehaften Motiven zu bleiben, nnd seine Hand nicht
nach einem Kranze auszustrecken, der ihm nicht werden
wird und der ihm nicht steht.

Eine recht heitere Viertelstunde war nns neulich im
Lokale des preußischen Kunstvereins (nicht zu verwechseln
mit dem Verein der Kunstfreunde im preußischen Staate)
beschieden. Zum Besten der Ostpreußen hatte der ja wohl
in der ganzen Welt bekannte Königl. Kommissionsrath,
Hoflieferant, Ritter pp. Johann Hofs, der Malzcxtrakt be-
reitendeWohlthäter derMcnschheit, wie es in einer von ihm
unterzeichneten gedruckten Einladungsschrift lautet, „wine
Anzahl vorzüglichster Meisterwerke der Malerkunst, größ-
tentheils aus der holländischen und italienischen Schnle
vom l6. und 17. Jahrhundert", die es ihm gelungen in
Paris zn erwerben, öffentlich gegen Entrse ausgestcllt.
Die„Anzahl" belief sich, bei der pomphaften Ankündigulig
etwas befremdlich, auf neun; Mehr aber hätte man auch
nicht gut vcrtragcn, die vorhandenen wirkten schon zu
erheiternd. Mit Ausnahme eines „Albani" und eines
„SnyderS", die mit dcn beidcn Malern nie etwas zu
thnn gehabt haben, gehörtcn die übrigcn Nameu gelinde
gesagt zu den minder klangreichen, und die Bilder der-
selbcn boten ein so ergötzlichcs Bild von der Gcschmacks-
richtung des menschenfreundlichen Besitzers, daß man die
Mühe des Besuches rcichlich belohnt fand.

Nckrologe u»d Todcsnachrichtrii.

0. v. 8. Alcxander MichcliS, Landschaftsmaler,
Professor an der Großherzoglichen Kunstschule zu Weimar,
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