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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 97
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III. Zahrgang.

Seiträge

sindanOr. C. v. Liitzow
<Wjln, Theresianunig.
SS> od.andieVcrlagSH.
(Lejpzig, Königsstr. S)
zu richten.

27. Mär).

Nr. 12.
Insrratc

i> 2 Egr. siir die drei
Mal gespaltene Petit-
zeilc werden von jeder
Buch- llnd Kllnsthand-
lung angenommen.

1868.

Bciblatt zur Zeitsltirist sür bildendc Kunst.

Vcrlsg bon L. A. Lcemann in Lclpztg.

A»> zweiien nnd lchten Frcilage iedes Monais ersweinl eine Nummer von in der R-gel einem Onartbogen. Dik Adonnenten der „Zeüschrifi snr bildende
Ännli ' erdallcn dico Blal, pr»ti». Aoar, l-czogen koilc, dassclbe l> ^ Tblr. ganziädrliel'. Alle Bnch- nnd Knnslbandlungen wic allc Poslämlcr ncbmen
Besitllnngen an. Expcdilionen : in Bcrlin : L. Sachs, » T-., Hoftnnslbandlung I ,n Wicn : k>. Kaesir, virold» Lo.. i» Münchcn : L. /leischmann.

Inhalt: König Ludwistö Lcichcnbcgängnih nnd Todlcnfeicr. — .iiorrcspon-
dtnzen lBcrlin: Münchcn). — Nekrologc und Todcsnachrichlcn. —
Pcrsonalnachrichlcn. — Prcis-Bcwerbnnge». — Knnstvcrcine. Samm-
Iniigen. Ansftcllniigen. — Kunsllitcraiur uud Kunstbandcl. — Knnst-
nntcrricht. — Vcrmischte Knnstnachrichien. — Ncuigkeilcn dcr.«unst-
litcralur. — Ncnigkeilcn deö Kunstbandels. — Zeilschrislcn. — Bricf-
laslc». — Inscrate.

Aönig Lndwig's Leichcnbcgängniß nnd
Todtcnfeier.

» Es war nicht der übliche ceremonielle Pomp einer
königlichcn Leichenfeier, nicht der aus Neugier und Loya-
lität gemischte Drang der Masse, dem verstorbenen Fürsten
die letzte Huldigung darznbringen, was den jüngst in der
Hauptstadt Bayerns begangcncn Trauerfesten ihre Weihe
oerlieh: das Bewußtsein, daß dieser gekrwntc Leichenwagen
einen der größten dcutschen Männer unserer Zeit zu
Grabc trug, ließ den dumpfen Klang der Traucrglockcn
weithin wiedertönen in dcn deutschen Landen und ricf zu
dem glänzenden Gefolge fürstlicher Leidträger und Abge-
sandtcn auch die Vertretcr der deutschen Kunst von fern
nnd nah zusammen, um in crnster Stunde das Andcnkcn
ihres Beschützers und seiner hohcn Sendung zu feiern.
Wir glauben unsern Lesern cine kurze Schilderung diescr
bisher noch keinem deutschen Fürsten in gleicher Weise
dargebrachten Ehrenbezeugungen schuldig zu sein.

Der Bestimmung des Verewigten zufolge mußte sich
der Leichenzug an den Hauptschöpfungen des Königs vor-
über der Basilika zu bewegen. So ging er denn, in einer
Ausdehnung von mehr als eincr Stunde Länge, von der
Residenz aus am OdeonSplatz und der Ludwigsstraße
vorbci, dann die Briennerstraße cntlang, wo der König
nach seiner Abdankung im Wittelsbacher Palast wohnte,
über den Karolincnplatz mit dem Obelisken und über dcn
schönen Königsplatz mit der Glyptothek, dem Kunstaus-
stellungsgebäude und den Propyläen, durch deren rechtes
Seitenthor der Zug in die Luisenstraße einbog, um end-
lll.

lich vor den Säuleu dcr Bonifaciuskirche Halt zu machen.
Hier empfing die Geistlichkcit die Hülle des cntseelten
Königs, welcher der Erzbischof von München-Freising
den Segen ertheilte. Dann wurde der Sarg zu dem
Steinsarkophage hingetragcn, in diescn cingesenkt und ein
doppeltes Siegel darangelegt. Außer dem zahlreichen
fürstlichen Geleite, dem Militär, den Hofchargen und Be-
amten, hatten sich Deputationen aus mehreren Städten
des Landes, die Künstlerschaft, welche den Sarg reich
mit Kränzen schmückte, und eine dichtgedrängte Volks-
menge dem Trauerzuge angeschlossen.

Unter fast noch größerer Theilnahme der Bevölkerung
Münchens ging die am 12. d. M. vollzogene specielle
Todtcnfeicr der Künstlerschaft vor sich. Nicht bloß
Künstlcr und die Mitglieder der Münchener Gesangvereine,
sondern auch zahlreiche andere Theilnehmer aller Stände
bildeten den Zug, der sich zwischen zwei Reihen von
Spalier bildenden Fackelträgern von der Kunstakademie
zur Glyptothck hin bewegte. Voraus ein Herold zu Pferde,
dann das Musikkorps der Sänger und deren Fahne, dar-
auf die Münchener Sängervereine, dann wieder ein Musik-
korps und der Zug der Künstler; an deren Spitze unter
Vorantragung einer Trauerfahne, die von vier Künstlcrn
mit Palmzweigen umgeben war, die Münchener Akademie,
dann in entsprechendcn Abständcn die Dcputationen der
dcutschen Kunststädte: Düsseldorf (Professor Röting,
Historienmaler Albert Baur), Dresden (Maler Choulant),
Wien (Maler Selleny, Architekt Käiser), Weiinar (Profcs-
sor Plockhorst), Darmstadt (Galcrie-Jnspektor Hofmann),
Stuttgart (Oberbaurath v. Egle, Historicnmalcr Häber-
lin), Nürnberg (Professor Maycr, Maler Röhrig), Ham-
burg (Malcr Beckmann) und Kärlsruhe (Maler Roux)*).
Jeder Deputation, wclche von Mitgliedcrn der Münchener

") Berlin war nichl verlretcn, wohl aber, wie nachträg-
lich bekannt wurde, der Kiinstlervcrcin in Pest.
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