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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 127
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Mcister unt Titel tes Biltes Kiitlfer Preis

Amerling, „Die Witwe" Plach 1,071 fl.

„ „Flamänder Bür-

germeister" Klinkosch 1,249 „

Bossuet, „Alcala in Spanien" Koosen, Dresden l,710 „

Bürkel, „Römische Campagne" Englischcr Käuser l,44» „
Calame, „Brienzer See" Bühlmayer 2,S0l „

„ „Gebirgslandschast" Lepke, Berlin 3,050 „

Rosa Bonheur, „Thierstück" „ 4,150,,

Ganermann, „Eber von Wölfen
überfallen" Springer 3,620 „

Ganermann, „Fuchsfamilie" Todesco 1,610 „

„ „Schimmel" Seelos 1,200 „

„ „Ackersmann" „ 130 „

de LehS, „Rembrandt's Atelier" Lepke, Berlin 10,000 „

Wilkie, „Toilctte des Braut" Lepke, Berlin 6,900 „

Waldmüller, „Bauernhochzeit" Plach (für Gscll) 5,221 „

Dannhauser, „Klostersuppe" Oetzelt 7,010 „

„ „Prasser" „ 4,710 „

„ „Johannes Mär-

tyrer" Dumba 461 „

Adam, „Schlacht an der Mos-
kowa" Wertheim 1,300 „

Fischbach, „Wildschützen" Oszwalt 455 „

de Keyser, „Columbus" Bermann 3,820 „

„ „Giaur" „, l,2I0 „

Kupelwicser, „Gebet Mosis" Artaria (für das

Belvedcre) 2,601 „

Schließlich wollen wir nicht versäumen, einige der
uns bekannt gewordencn Ankaufspreise der Arthaber'schen
Bilder zum Vergleich mit den obigen hier zusammenzu-
stellen. Für Lessing's „Huß auf dem Koncil" zahlte
Arthaber 840 Thaler, für Amerling's „Bürgermeister"
600 Gulden, für Führich's „Gang Mariä" 500 Gulden,
für desselben „Jacob und Rahel" 400 Gulden u. s. w.
Eines weiteren Kommentars bedürfen diese Zifsern nicht.

Korrespondenzen.

Bcrlin, Ostern.

-s- Jn unserein Ausstcllungsleben ist augenblicklich
Springfluth eingetrctcn. Nicht nur, daß die Sachse'sche
Permanente in jüngster Zeit so viel Neues und unter dem
Neuen so viel Gutes gebracht hat, wie seit langer Zeit
nicht; sondern auch eine vorübergehende Ausstellung.von
nicht geringer Bedeutung ist vor Kurzem eröfsnet worden
und hat sich soeben noch erweitert.

Bei Sachse ist vor Kurzem ein Bild eingetroffen,
das an dieser Stelle schon von anderer Feder eine aus-
führliche Würdigung erfahren hat, Dattoli's Rückkehr
des Dante nach Florenz nach der Schlacht bei Campoldiuo
(Vergl. Kunstchronik Nr. 8). Wir können uns dem früher
Ausgesprochenen im Allgemeinen anschließen und stehen
auch unserseits nicht an, das Bild als eine erfreuliche und
selbst bedeutende Schöpfung anzuerkennen. Jndefscn will
es uns doch bedünken, als sollte Leben und Bewegung
mehr Frische und Unmittelbarkeit haben. Wir habcn
früher und besonders bei Gelegenheit der Pariscr Aus-
stellung gesehcn, daß andere italienische Künstler darin
Besseres lcisten. Freilich verdicnt das Bild ein bei mo-
dernen Historienbildern leider selten zu spendendes Lob,
daß nämlich die Hauptfigur viclleicht die gclungenste von

allen ist; doch ist auch sie von dem Mangel an rechter
^ Belebung nicht frei zu sprechen. Das Bild sieht so heilig
still aus, daß man sich keinen Laut, als das Stampfen der
Rosse mit der nnS gegenübergestcllten Scenc verbnnden
denken kann, jedenfalls nichts von dem stürmischen Jubel
einer siegbegeisterten Kriegerschaar und Bevölkerung.

Das Bedeutendste, was sonst vorhanden, dürfte die
große Komposition „Vom Kaiser Heinrich dem Städteer-
bauer und der Prinzessin Jlse" von I. Naue, einem
Schüler Schwind's, sein. Die Sage ist in fünf Bildern
auf eincm Teppich dargestellt, der im Waldesgrün aufge-
hängt ist. Am Anfange des Cyklus, links vor dem Tep-
pich sitzen im Walde Märchen und Sage, den Beschluß
bildet rechts die Geschichte. Jn der ersten Abtheilnng
erscheint die Prinzessin dem jungen Heinrich und winkt
ihm, in ihre Höhle zu kommen. Die zweite Abtheilnng
umfaßt drei Darstellungen, Heinrich sitzt in der Höhle zu
den Füßen der Jlse, der zweiten Egeria, und lauscht
ihren Lehren; das folgende Hauptbild zeigt den Kaiser
als Städteerbauer, wie er die Bevölkerung in die neue
Stadt einführt; im vierten Felde schwebt Jlse segnend
über die Lande und die Schöpfungen des Kaisers. Die
letzte Abtheilnng enthält dasSchlußbild, Kaiscr Heinrich's
Tod im Kreise sciner Familie, währcnd die gütigc Fee
trauernd über seinem Stcrbelager schwebt. Die leicht
aquarellirte Komposition in viertellebensgroßen Figuren
hat im Ganzen viel Ansprechendes, im Einzelnen viel
Lobenswerthes. Wie es der Jllnstration znsteht, ist die
Gelegenheit zum Anbringen hübscher Details nnd Nebcn-
sachen gut benutzt, der Sinn des Hanptgegenstandes aber
spricht sich klar und verständlich aus. Bedauernd erwäh-
nen müssen wir die Gestalt der Prinzessin auf dcn beiden
! ersten Bildern. Wie sie den noch unreifen Jüngling zu
! sich lockt, hat sie etwas unangenehm Kokettes und eine
nnmögliche, jedenfalls geziertc Grazie in der Bewegung;
und wie sie anf hohem Sitz mit bauiiielndcn Beincn dem
künftigen Kaiser die Geheimnisse der Negiernngswcisheit
an den Fingern herzählt, das ist nicht mehr naiv, sondern
schon mehr komisch.

Die beiden Müuchener I. Haspcr und Joseph
Flüggen fllhren uns zwei Bildcr in jener Manicr vor,
die, wie eS scheint, bei ihnen für „Kolorit" gilt, aber
nur ein unsagbares wonnevolles Grausen über die Gegen-
stände breitet, deren Natur und Form dabei in'sUngewisse
und Unklare verwischt wird. Hasp er schildert „zwei
Freiindinnen", dieLeonorcn Sohn's ans dcm Nomantischen
in's abenteuerlich Unheimliche übersetzt; Flüggen malt
„Elisabeth von Thüringen, die mit ihren Kindern bei
Schnce und Kältc in eiuein Stalle übernachtet." Es
fehlt beiden Bildern, namentlich dem letzteren nicht an
manchem Guten in der Anlage, aber dies wird überwuchert
und todt gemacht durch die manieristische Ankränkelung
mit einer ungesunden Empfindungsweise.
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