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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 186
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dem Namen „ Albrecht - Dürer - Stistung " in An-
regung.

Die beiden nächsten Jahre brachten die Künstlerver-
sammlungen zu Braunschweig (1859) und Düsselvorf
(1860), und mit der letztercn wieder einige wichtige Ent-
scheidungen. Für den historisch denkwürdigen Düsseldorfer
Künstlerverein „Malkasteu" wurde der dortige Jacobi'sche
Garten — dessen Name die Erinnerungen an die Blüthe
deutscher Philosophie und Dichtkunst in uns wach ruft
— nebst deni neu erbauten Künstlerhause durch eine Vcr-
loosung von geschenkten Kunstwerken deutscher Meister er-
worben und seiner nenen Bestimmung zugeführt. Sodanu
wurde dem großen Bahnbrecher deutscher Kunst, Asmus
Carstens, ein in Kiel zn errichtendes Denkmal znerkannt;
und endlich der Beschluß gefaßt, im folgenden Jahre
(1861) eine zweite allgemeine deutsche Kunstausstellung,
und zwar in dem gleichzeitig zu eröffnenden Wallraf'sckien
Museum zu Köln zn veranstalten.

Auch diese AuSstellung fiel glänzend aus, wenn auch
ihr materieller Ertrag weit geringer war als der in Mün-
chen. Ein besonders erfreuliches Ereigniß anf der gleich-
zeitigen Künstlerversammlung war der Anschluß eines
Theiles der belgischen Schule an die deutsche Kunst, ge-
fördert namentlich durch die Maler Guffens und
Swerts, welche die Propaganda für die Berbrüderung
der beiden Nachbarschulen in Wort und Werk seit Jahren
auf ihre Fahne geschrieben haben. Ein Gesammtausflug
nach Autwerpen besiegelte diese Verbrüdernng in festlicher
Weise.

Die Künstlerversammlung des Jahres 1862, den
Thdilnehmern durch den herzlichen Empfang in dem wun-
dervollen Salzburg unvergeßlich, erledigte vor Allem die
Organisation der „Albrecht-Dürer-Stiftung." Das
gegenwärtig bis auf ca. 10,000 Thlr. angewachsene Kapi-
tal dieser Stiftung soll nach dem damals gefaßten Be-
schlusse bis zum 400jährigen Gebnrtsfeste Dürer's (20.
Mai 1871) mit Zins und Zinseszins aufbewahrt uud
an jenem Tage über die Art seiner Verwendung zum
Besten des Künstler-Pensionsfonds weiter beschlossen
werden.

1863 folgte Weimar als Versammlnngsort, ausge-
zeichnet durch das herrliche Wartburgfest. Beschlüsse: die
allgemeinen Künstlertage finden sortan nur alle zwei Jahre
statt, die Delegirten der Lokalgenofsenschaften treten da-
gegen alljährlich zusammen, erledigen die dringenden Ge-
schäfte und bereiten die wichtigcn Angelegenheiten für die
allgcmeinen Versammlungen vor; außerdem Förderung
des Baues einer Protestantischen Kirche in Salzburg dnrch
eineBerloosnngvonhiezugespendetenKunstwerken; inWei-
mar bildete sich zu diesem Zweck ein besondcres Komitö;
das Ergebniß belief sich auf 31,148 Thlr., die Kirche ist
bereits vollendet.

An die Delegirten-Versammlung d. I. 1864 in Wei-

mar reihte sich 1865 der allgemeine Künstlertag in Kiel,
denkwürdig wegen der damals erfolgten Enthüllung des
Carstens-Denkmals. Dann im Oktober 1866 die Dele-
girten-Versammlung in Cassel. Auf dieser wurde, trotz
der Ereignisse des Kriegssommers, der schon früher mehr-
fach angeregtc Gedanke, die dritte allgemeine deutsche
Ausstellung iu Wien zu veranstalten, unter lebhafter Akkla-
mation und auf besonders reges Betreiben der bedeutend-
sten norddeutschen GenossenschaftenzumBeschluß erhoben.

Möge der Geist dieses Beschlusses, als Zeuguiß für
die geistige Zusammengehörigkeit aller Stämme Deutsch-
lands, der Künstlerversammlung an den Ufern der Donau
ihre friedliche Weihe geben und möge der Erfolg der
dritten Ausstellung der deutschen Knnstgenossenschaft den
stüheren ebenbürtig sein!

Der Dom zn Röln.*)

* Die unten in ihrem vollständigen Titel verzeichnete
neue Publikation des berühmten Meisterwerkes deutscker
Gothik, zu welcher sich zwei der bernfensten Kräfte, der
frühere Domwerkmeister Franz Schmitz und der durch
seine trefflichen Forschuugen rühmlich bekanntc Stadtarchi-
var I)r. L. Enncn zn Köln vereinigt haben, erscheint
unter so eigenthümlichen Verhältnisscn, daß wir zunächst
einigeu darauf bezüglicken Mittheiluugen, welche uns von
kompetenter Seite zugehen, an dieser Stelle Ranm gcben
wollen, bevor wir znr Betrachtung des bisjetzt in dem
Werke Geboteuen selbst schreiten. Unser Gewährsmann, ein
anf dem Gebiete der gothischen Bankunst hervorragender
Meister, schreibt uns:

„Allcn denjenigen, welche mit den Vcrhältnissen einer
so großartigen Bauführung nicht näher vertraut sind,
mußtc es schon längst geradezu nnerklärlich sein, daß
der künstlerische Schatz, welcher in der reichen Formen-
welt des Domes zu Köln enthalten ist, nicht in um-
fassender Weise gehoben und zum Gemeingut erklärt
wurde.

Es liegt der Gedanke nahe, daß die Vollendung dieses
Riesenwerkes aus den Opfergaben der deutschen Nation,
zum nicht geringsten Theile auch darin ihre Berechtigung
finden müsse, daß der Bau eben durch seine Ausführnng
belebend und fördernd auf die Kuustthätigkeit unserer Tage
wirke. Nur zum Theil und in ciner gewissen Hinsicht
wurde bis jetzt diese Aufgabe des Baues erfüllt; in der
Bauhütte des Domes sind eine Neihe von Meistern, Par-
lirern und Gesellen herangebildet worden, welche ihre er-
langtcn Kenntnisse an so manch' anderem deutschen Bau-

') Der Dom zu Köln, seinc Konstruktion und Ausstat-
tung. Gezeichuet und herausgegeben von Franz Schmitz,
Architekt. Historischer Text vou l)r. L. Eunen, Stadtarchi-
var. Köln und Ncuss, Schwann'sche Verlagshandlung. Jmp.
Folio. 1868.
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