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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 188
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werksmäßige Trockenheit zu verfallen, an welche gewisse
Details aus den vorliegenden Tafeln, insbesondere die
in der Wirklichkeit so anmuthig belebten Skulpturen der
Chorbaldachine, schon in bedenklicker Weise heranstreifen.

Von vr. Ennen's Text liegt bisher nichts vor. Wir
sehen ihm im weiteren Berlaufe der Publikation mit be-
sonderer Spannnng entgegen und hoffen, daß er nns
außer einer queüenmäßigen Gesckiichte des alten Domes
auck manchen werthvollen Beitrag zur Beurtheilung der
Restauration und des Ausbanes desselbcn bringen werde.
Bis dahin wird es dann auch an der Zeit sein, auf das
großartig angclegte Unternehmen eingehender zurückzu-
kommen.

Nckrolog.

Emanuel Leutze, der berühmte deutsch-amerikaniscke
Historienmaler, starb, wie schon gemeldet, am Abend des
18. Juli in Washington ganz nnerwartet am Gehirnschlage,
nachdem ernoch den ganzen Tag fleißig an dem Karton zu
einem neuen großen Wandbilde für das dortige Kapitol,
die Aufhebung der Sklaverei darstellend, gearbeitct hatte.

Den 24.Mai 1816 in Gmünd im Königreich Würt-
temberg geboren, kam Leutze schon als Kind mit seinen
Eltern nack' Philadelphia. wo er seine Erziehnng genoß
und die crste künstlerische Anleitnng durch den cngliscken
Portraitmaler I. A. Smith erhielt, die er dann durch
vieles Portraitiren vervollständigte. Er war in Amerika
sckwn ziemlich berühmt, als er 1841 nach Deutschland zu-
rückkehrte, um, von dem Ruf der Düsseldorfer Malerschule
angezogen, seine Studicn nnter Lessing's Einfluß dort
fortzusetzen. Jm Frühling traf er in DLsscldorf ein nnd
sckcn im Herbst hatte er daselbst ein Bild „Columbns vor
dem hohen Rath zu Salamanca" vollendet, welches durch
die ganz neue Art der Anfsassuug nnd Behandlnng nnge-
wöhnliches Aufsehen erregte. (Es ist jetzt Eigenthum des
Herrn vom Rath in Köln). DaS folgende Gemälde
„Columbus' dritte Rückkehr aus Amcrika" (1842) war
mindcr glücklich nnd fand herben Tadel. Des Künstlers
freie Originalität kämpfte mit den akademischen Regeln,
die drückcnd auf ihn wirkten, weshalb er die Akademie
verließ und sich ein eigenes Atelier einrichtete, sich nur
noch auf den Rath Lessing's stützend. Die nun entstande-
nen Bilder „Sir Walter Naleighs Abschied von seiner
Gattin" (gestocken von Burt) und „Cromwell am Sterbe-
bette seiner Tochter" zeigten erfreuliche Fortschritte. Um
sich aber gänzlich durch neue Eindrücke und das Stndium
älterer Kunstwerke aufzufrischen, trat er 1842 eine Reise
nack München, Venedig und Rom an. Jn der erstgenannten
Stadt malte er einen „Columbus, dem König Ferdinand
die Ketten abnimmt" nnd in Rom „Die erste Landung der
Normannen in Amerika,"eines seiner besten Bilder, und
„Columbus an derPforte des Klosters La Nahida." 1845
kehrte er nach Düsieldorf zurück und entwickelte nun als
sertig gebildeter Meister cine wahrhaft staunenswerthe
Produktivität. Ein größeres Werk „John Knox, der
Maria Stuart eine Strafprcdigt haltend" nnd eine, auch
in Rücksicht auf die Landschaft, höchst gelungene Darstellung
ausdem Hofleben „Sir Walter Raleigh breitet der Köni-
gin Elisabeth scinen Mantel zu Füßen, um eine feuchte
Stclle des Weges zu bedecken" vollendete er nock 1845.

Ein kleines lebendiges Bild „EnglischeBilderstürmer ver-
wüsten eine Kirche" nnd daS große, dramatisch bewegte
Gemälde „Der spanische Jnquisitionsgeneral Torque-
mada bestimmt König Ferdinand, die Gcsandtsckaft der
Juden abzuweisen" stammen aus dem folgenden Jahre.

1847 malte Leutze „Heinrich VIII. mit Anna Bolevn im
Park" (an Shakespeare anknüpfeud), „Columbus' festlichen
Empfang bei Hofe nach seiner Rückkehr aus Amerika,"
ein Bild, das durch viele Figuren und interesiante Einzel-
heiten einen glänzenden Eindruck machtc, nnd den „Puri-
taner, der seine Tochter vor einem Madonnenbild über-
rascht" (als Knpferstich vervielfältigt). Hieran reihte sich

1848 ein großes Scklachtenbild „Die Erstürmnng des
letzten Tempels bei der Eroberung von Mexico durch
Ferdinand Cortez," dem eiue wilde Lebcndigkcit und wirk-
sameGegensätze nachzurühmenwaren, und 1849 „Carll.,
das Todesurtheil des Grafen Strafsord unterzeichnend."
So tresslich diese Bilder anch warcn, so wnrden sie dock
alle dnrch das nnn folgende „Washington's Uebcrgang
über denDelaware, den 25. Dezember 1776" (1850 und
51) übertrosfen. Dieses Werk, gleich hervorragend in
Komposition, Charakteristik und Ausführung, ist wol das
bcrühmtcste des Meisters, wozu anch dcr schöne Stick von
Girardet beigetragen hat; Leutze hat es zweimal nachein-
andergemalt. DieersteDarstellnngwnrdebei eincmBrande
in seinemAtelier besckädigt, später aber wiederhergestellt und
vielfach versandt; sic errang ihm anf der BerlinerAusstellnng
die „große goldeneMedaille für Kunst". Die zweite ging
gleich nach Amerika und ist dort durch unzählige Nachbil-
dnngen (selbst anf Theatervorhäugcn) sehr populär ge-
worden. Hatte Lentze nnn dnrch seine Bilder eine der
ersten Stnfen unter den Düsieldorfcr Künstlern einge-
nommen, so war dies auch in ihrem geselligcn Leben der
Fall; nicht nnr, daß cr ein überauS thätigeS Mitglied des
„Bereins Düsielvorfer Künstler zu gegenseitiger Unter-
stützung und Hülfe" war, (der ihn später zum Präsidenten
erwählte,) sondern seinenBemühuugen istauch hanptsächlich
das Entstehen des Künstlervcreins „Malkasten" (1848)
zu vcrdanken, der Allen einen gesellschaftlichen Mittel-
pnnkt sckuf nnd eine frisckerc geistige Strömung sowol in
die Düsieldorfer wic in die gesammte dentschc Malcrwelt
gebracht hat. Leutze's Antrieb ist ferner znm größten
Theil die Berufung der ersten „ deutschen Künstler-
versammlung" in Bingen 1856 und die Stiftung der
„deutschen Kunstgenosienschaft" zuzuschreiben, welche cin
gemeinsames Band um die Künstler des Gesammtvater-
landes schlingt und durch jährliche Versammlungen und
große geschichtliche Ausstellungen segensreich auf die
allscitige Entwickelung wirkt. Seine Verdienste um diese
sozialen Verhältnisse sind wahrlich nickt gering zu ackten,
mögen sie auch noch so vielfach bemäkclt und angefeindet
worden sein.

Von ciner Reise nach Amerika, die cr 1851 nnter-
nommen, zurückgekehrt, malte Leutze sein umfangreichftes
Bild: „Die Schlacht bei Monmouth" (1852 bis 54),
welches in trefflicher Komposition das weichende ameri-
kanische Hcer zeigt, wic cs von Washington zum Stehen
gebracht nnd durch feurige Ansprache zum Siege entflammt
wird. Dic „Abfahrt des Columbus aus dem Hafen von
Palos" in zwei verschiedenen Darstcllungen, cine „Wald-
nymphe" nnd „die Rosc dcr Alhambra" nack Washington
Jrving's diovelle, ein seltsam phantastisckes Bilv von
pracktiger Wirkung, bilketen dcn Uebergang zu einem Ge-
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