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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 3.1868

Seite: 203
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tekt m Hamburg, I. Strack, Hofbaurath uud Professor
iu Berlm, iu ihrem Amte und tratcu ucu eiu: die Hcrrcu
Prof. N- Baumeistcr in Karlsruhe, Architckt W. Böck-
mcmu in Berlin, Architekt Joseph Durm in Karlsruhe,
Oberbaurath I. von Egle iu Stuttgart, Oberbaurath
A. Fuuk in Osnabrück, Oberbaurath Rob. Gering in
Karlsruhe und Architekt I)r. H. von Ritgen m Gießen.

Durch eiu Festmahl am Abcnd dcssclbcu Tages und
emc Abschicdsfcier auf dcm Festpavillon iumitteu dcs
fccuhaft crleuchtetcn Alsterbeckcns tvurde dic vou nahczu
tauscnd Mitglicdcru besuchte Versammlung auf das fröh-
lichste bcschlossen.

Oie X. licrsammlnng der deutschen Lunst-
gcnlistenschlift

und die Eröffnung dcr 111. allgcmcinen dentschcn
Knnstausstcllung in Wien.

(Schlutz.)

-d- Dic Küustlerhäuser warcn bekanntlich lange Zeit
die Ziclscheibcu des allgcmemcn Spottcs. Bian meinte,
die Künstlcr hätteu für Andere, nicht für sich selbst, Häuser
zu bauen uud auszuschmücken; die Kunst werde nur durch
dasjeuigc wahrhaft gefördert, was jeder Einzelue iu der
stillcu Werkstatt „erfinde uud bcschlicße", die Künstler-
häuser aber würden zu wciter uichts als zu Brutstättcn
dcr Faulleuzerei und des ewigen Künstlerfestschwindels
nützc sciu. In dcn lctzten Jahren hat sich die ösfcntliche
dlicinung dicscn cigcnthümlichcn Erschcinungcn gegeuüber
etwas günstigcr, nm nicht zu sagcn, nachgiebiger gezcigt.
llnd es ist zu erwarten, daß mit der Vollendung deS
Wiener Küustlerhauses bei Vielcn, welche durch dcn Er-
folg sich bclehrcn lassen, das Gcgentheil der frühercn Ab- !
ncigung cintrcten wcrdc.

Bctrachten wir die Sache mit ruhigem Auge, so läßt
sich zunächst nicht längnen, daß dcm Strcben der Künstler, ^
sich cinen danerndcn Bcsitz und in demsclben cin stchcndes
Repräsentations- u»r Ausstellungslokal zu gründen, die-
selbcu sehr wohlbcrechtigten Gedankcn der Selbstbefrciung
und Selbsthülfe zu Grunde liegen, welche überhaupt die
Wurzclu dcs modcrncn Associationswesens sind. Die Jdee
dcr KLustlcrhäuscr ist cbcnso alt wie die Künstlergenossen-
schaft sclbst. Die beredtesteu Führer der Genossenschaft, cin
F. Dietz, E. Grefc u. A. sind zugleich dierührigstenBe-
förderer dcr Künstlcrhausbauten gewesen. Letzterer hat spe-
cicll sür Wien den ersten Jmpuls dazu gegeben und zwar — '
was charaktcristisch für dic Tcndenz dieser Bestrebungcn ist
— in scincr Eigcnschaft als Vorstand dcs früheren Wiencr
Künstlcrvcreins „Eintracht", wclcherdicVerschmclzung dcr
cinstmals arg zerklüfteten Wiencr Künstlerschaft auf seine
Fahnc geschriebcn hattc. Mit dcr Eiuigkeit kommt dic
Selbstäudigkeit. Die Künstlcr könuen in ihrem eigencn

Hause, das sie sich ganz nach künstlerischen GesichtSpiinkten
erbaut, sich cin würdiges imd schönes Ausstellimgslokal
verschafsen. Sie sind in dieser Hinsicht nicht immcr als
Bittsteller an den Staat oder an sonstige äußere Jnstanzen
verwiesen und brauchen sich nicht mehr in elenden, dunkeln
Winkeln hernmzudrncken, wie dies in so manchen dentschen
StLdten, n. A. in Wien bisher der Fall war. Endlich
bedarf die Kunst auch als sociale Macht in unserer Zeit
eine dcr Bcdeutung des Künstlerstandes entsprechende Ne-
präsentation.

„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,

Bcwahret sie!"

Wic andcrs klangcn uns dic Worte dcr Künstlcrweihe
in dcn edlen Näumen des Wiencr Künstlerhauses ncnlich
entgegen, wo Alles um uns her Zeugniß ablegte von dem
einhcitlichcn, ernsten Streben eiucr kimstbegeisterten Kör-
perschaft, wie anders als wenn wir sie an fremder, nur
flüchtig für den Dienst der Kunst zugcrichteter Stätte hätten
vcrnehinen müssen! Und liegt nicht sclbst dcm Wunsche,
auch das Künstlerfestwesen an eine feste Stätte zu bannen,
auch die täglichen Mußestnnden lieber im eigenen Hause
als m einer gemietheten Kneipe zuzubringen, ein sinniger
und fruchtbarer Gedanke zu Grunde? Das Festwesen an
sich ist mit dem Künstlerthum innig verknüpft. Die mo-
dernen dcutschcn Kunststädte, vor allen Düsseldorf und
München, könneu davon crzählen; in den Zeiten des
rüstigsten Schafsens blühtcn auch Fcstspiel uud Aiummen-
schanz dort iu frischester Farbenpracht. 2n ihrcn Festen
crfülltcn die Künstlcr ciuen Theil ihrer Aiission, das Lc-
bcn mit Schönheit und Glanz zn schmücken. Seicn wir
deßhalb froh, daß diesem bunten Treiben, dem die Ge-
fahr iuhaltlvscr Ausgelasscnheit ohnehin stcts nahe bleibt,
in den Künstlerhäusern gewisse familiäre Grenzen gesetzt
sind. Mit Geschmack eingerichtet und rationell verwaltet,
könncn dicselbcu zu dcn angenehmftcn Mittelpunktcn ernster
und heiterer Geseltigkeit wcrden. Daß insbesondere Wien
für atlc kimstverwandten Krcise bisher cincs dcrartigen
Vercinignugspuuktes cntbehrte, hat Jeder, dcr die Kaiscr-
stadt kennt, schmerzlich genng empfundcn. Wir könncn
daher nur dringeud wünschen, daß mit der Eröffnung des
Wicuer KüustlerhauseS der gcscUigen Zerfahrenheit, an
welcher dic dortige Knnstwelt zu leiden hatte, cndlich ein
Damm cntgcgengcsctzt wurde.

Hier sei nun aber auch der Männer gedacht, welchen
wir das gelungcnc Wcrk in crstcr Liuic zu danken
haben. Der Grefe'schenJdee, welche schon vben erwähnt
ward, stand ein ersterBauplan von L. Schönu zur Seite.
Aber der Krieg von 1859 und die innere Unreifc der
Sache vcrzögerte dessen Verwirklichung. Erst die Grün-
dung der Wieuer Kunstgenosscnschaft durch Vereinigung
der beiden älteren Künstlergenossenschafteu und die große
Umwälzung, wclchc mit dcm Nicderrcißcn dcr Festungs-
wälle Wiens eintrat, gaben dem Gedanken greifbare Ge-
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