Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

Seite: 627
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627 Kunstlitt. u. Kunsthandel. — Todesfälle. — Personalnachr. — Konknrrenzen. — Samml. u. Ausstellungen. 628

der eigenen Vergangenheit, die Kämpfenden von heute
aufzurichten. (Schluß folgt).

Aunstlitteratur und Aunsthandel.

x. Dic Kunstverlagsanstalt von Ad. Braun L Coinp. in
Dornach i. Els. gab soeben einen Gesamtkatalog ihrer Photo-
graphien nnd Heliogravüren heraus. Dsrselbe, ein 581 Seiten
umfassender Band, enthält die nach Städten und Galerien
geordneten Reproduktionen, fünf treffliche Jllustrationen und
ein sorgfältig gearbeitetes Negister der Künstlernamen. Der
Preis des Katalogs in Kalikoband beträgt 5 Franken.

x. Nenaissancc nnd Barock. iinter diesem Titel erschien
soeben bei Theodvr Ackermann in München eine (1Z5 Seiten
nmfassende) Schrift von vr. Heinrich Wölfslin, die, wie
der Verfasser selbst hervorhebt, ein Beitrag zur Stilgeschichte
sein soll. Er sucht darzuthun, wie der Barockstil der not-
wendige Nachsvlger der Renaissance wurde und werden mußte,
um sür dis „Verwilderung und Willkür" der gewissermaszsn
zum Barock „herabgesunkenen" Renaissance Grund und Ge-
setze zu erkennen. Rom, das die Wiege der Renaissance
war, kann man auch als Geburtsstätte des Barocks be-
zeichnen. Der Verfasser nimmt das Jahr 1520 als den
Zeitpunkt an, nach welchem kein einziges im Bramante'schen
Geiste geschaffenes Werk mehr entstanden sei. — Der erste Ab-
schnitt sucht die Wandlnngen des Stiles anschaulich zu
machen, der zweite zählt dw Gründe für diese auf und der
dritte giebt eine Uebersicht über die Entwickelung der ein-
zslnen Typen, den Kirchenbau, den Palastbau und zum
Schlusse die Villa nebst Gartcnanlagen. Der fleißigen Ar-
beit sind 22 Abbildungen in zinkographischer Darstellnng
beigegeben.

x. — Ludwig Richters bekannte zwöls Kompositionen
zum „Reineke Fuchs", die schon längere Zeit im Bnchhandel
vergriffen waren, sind kürzlich von C. F. Amelangs Verlag
in Leipzig von neuem herausgcgeben worden. Die Aus-
stattnng der beliebten Blätter ist eine würdige, und es geht
ihnen ein Vorwort von Professor P. Mohn'vvrauf.

x. — Von Nobert Schirmcr beginnt soeben im Verlnge
von E. A. Seemann in Lcipzig eine Sanimlung von fa'r-
Ligen Entwürfen im Barock- und Rokokostile zu er-
scheinen, die auf fiinf Lieferungen 2.5V) berechnet ist. —
So schwierig es sür den inodernen Kiiiistler auch sein mag, sich in
den Geist der Kunst des l8. Jahrhunderts einzuleben, so ist
dies Schirmer doch in seltenem Maße gelungen, ohne daß
er sich als trockener Abschreiber erwiese. — Die erste Liefe-
rung enthttlt acht sehr sauber ausgesührte Blätter mit Decken,
Wandvsrziernngen, einem Porze'llanofen, in guten Farben-
drucken, deren Studium allen Kunstgewerbetreibenden, die
dem Zuge der Zeit zum Rokvko nachzugeben veranlaßt sind,
von gröfztem Nutzen sein mnß.

x. — Nudolf Mengc's Einsührung in die antike Knnst
ist kürzlich ins Englische übersetzt und' bei Mansell <L Co. in
London erschienen.

Todesfälle.

— Ili. F. v. Portheiin, Direktorial-Assistent am könig l.
Kupferstichkabinet zu Berlin, ist Anfang Juni in Meran
einem längeren Leiden erlegen.

Personalnachrichten.

— Dr. Paul Seidel, Direktorial-Assistent am königl.
Kupferstichkabinet zu Berlin ist zuin Koinmissar-Kustos der
Kunstsammlungen des königl. Hanses ernannt worden.

Aonkurrenzen.

k. Stuttgart. Von den dreihig eingelaufenenKonkurrenz-
Skizzen sür das Schneckenbiirger-Denkmal in Tutt-
lingen, welche zur Zeit hier ausgestellt sind, wnrde diejcnige
voii Bildhaner Jahn in Berlin mit dem l. Preise bedacht
und zur Aussühruiig bestimmt. Der 2. gekrönte Entwurf
stainmt von dem Bildhauer Franz Bernauer in München.
Deni Antrag des Preisgerichts entsprechend ivurde noch cine
Z. Skizze, von Albert'shofer L Beggel in München, an-

gekauft. — Das Gesamtergebnis dieser Konkurrenz muß
leider als ein wenig erfreuliches bezeichnet wsrden, da von
den dreißig eingegangenen Entwürfen nur wenige von künst-
lerischem Geschinack zeugen, außerdeni noch die für die Aus-
sührung dispvniblen Mittel von 26vov M. weit überschreiten.
Der zur Ausführung Vvrgesehene Entwurf stellt eine ans
Schwert greifende Germania dar, die noch sehr der Durch-
fiihrung bedarfz an dem einfachen und nicht gerade geschmack-
vollen Sockel ist das Portrüt-Nelief Schneckenburgers an-
gebracht. Der mit dem II. Preis bedachte Entwnrf zeigt
einen auf sein Steinbeil sich stützenden Germanen, eine Arbeit,
die vom künstlerischem Standpunkt betrachtet, der erstge-
iiannten entschieden Vvrzuziehen wäre. — Noch möchten wir
ein im Kunstverein ausgestelltes Porträt-Medaillon in Mar-
mor von Meister Doiindorf, nennen, eine vortreffliche
Schöpsung, die uns wiedermn beweist, welch' ein feinbeobach-
tender Künstler Donndorf ist.

5ammlungen und Ausstellungen.

Aus Fiaiikfuit a. M. schreibt man dsr Berliner Ztg: Die
wertvolls Sammlung eines Franksnrter Kunstfreundes, bis-
her nur von wenigeii gekannt, ist seit hente der allgemeinen
Besichtigniig zugänglich gemacht. Der verstorbene Baron
Moritz v. Bethmann, derErwerber vonDanneckers Ariadne,
hatte anch seine Frende an schönen, kunstvoll ausgesührten
alten Schristen nnd Handzeichnungen und brachte so allmah-
lich eine Saminlung Vvn Jnitialen, Miniaturen und
Wappen zusammen, welche an Ivüv Stück umfaßt. Der
jetzige Besitzer, Freiherr Simon Moritz v. Bethmann, ließ
dieselbe von der kundigen Hand seines Bibliothekars vi. Pall-
mann vrdnen und überließ sie dem Mitteldentschen Kunstge-
werbeverein sür einige Zeit zur Ausstellung, ähnlich wie dies
friiher mit der ostasiatischen Sammlung des Herrn v. Roth-
schild geschehen war. Sie besteht teils aus Büchern, zwei
sogenannten löivies ä'lleures, welche zur größern Bequem-
lichkeit der Beschauer auseinander genommen sind, teils ans
Blättern verschiedener Ritualbücher, teils aus einzelnen Jni-
tialen, welche seinerzeit von Händlern, welche die Liebhaberei
des Barons kannten, aus den Blättern von Büchern heraus-
geschnitien und ihm angeboten wurden. An der Hand der
Sammlung läßt sich jetzt die Entwicklung der Zierschrift und
Kleinmalerei in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden
nnd Jtalien Vvm Ende des 12. bis ins 17. Jahrhundert hin-
eiiv verfolgen. Den einfach in der Farbe gehaltenen Band-
verschlingnngen des romanischen Stils mit abenteuerlichen
Tiergestalten folgcn die in leuchtenden Farben prangenden
Aiisangsbuchstaben und Randverzierungen der gotischen Zeit
mit seinen Linien oder Blattornamenten, und daran reihen
sich farbenprächtige italienische oder schlichtere dentsche Prvben
der Kunstschrift aus der Renaissancezeit. Vom zierlichen Da-
mengebeibuch bis zum größten Missale, bei welchem zu jedem
einzelnen Pergamentblatt eine ganze Kalbshant ersorderlich
war, sind kirchliche Bücher vertreten. Dazu konimen gemalte
Wappen nuf Papier nnd Pergament, namentlich von Nürn-
berger Geschlechtern, ferner von fünf Bamberger Bischöfen
aus den Jahren 1577—1633 (Zobel v. Giebelstadt, v. Geb-
sattel, v. Aschhauscn, Fnchs v. Dornheim und v. Mengers-
dorf). Auch drei Adelsbriefe mit fein gemalten Wappen sind
hervorzuheben. Der erste ist von König Ferdinand I., der
zweite von Kaiser Nudolf II. zu Prag unter dem 18. März
1592 ausgestellt und verrät mit sciner reizenden Randver-
zierung das Werk eines italienischen Küiistlers. Der dritte,
vou dem päpstlichen Protonotarius und kaiserlichen Hof- und
Pfalzgrafen Peter Antonins Beisch am 24. Juni 1635 zu
München ausgestellt, zeigt reiche, aber wenig künstlerische Um-
rahmung. Faksimilcs oder Drucke befinden sich nicht in der
Saiuinlung, der Beschaner hat lauter Originalproben vor sich.

Neuigkeiten des Buch- und Aunsthandels.

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