Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Konkurrenzen. — Personalnnchrichten.

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fang) ist mit unbehauenen, 60 ein ties eingearabenen
Steinen umgrenzt, iiber denen sich ein entsprechend großsr
Erdhügel wvlbte. (Vergl. iiber dis Bestattnng Jlias XXIIl.
V. 255 ff.). Jn einer Tiefe von 75 oin stieß man auf ein
Pflaster nus rohen Steinen auf dem sich Ileberreste eines
oerbrannten Streitwagens, Pferdegeschirr aus Bronze und
ähnliche Geräte vorsanden. Daneben und etwas tiefer fand
man zwei Brvnzekessel nüt verschiedenem Jnhalt, fünf bron-
zene. schmucklose Grabkandelaber, drei LrvnzeNe Cacabus
(Kessel nnt beweglichem Bügel), zwei silberne Vasen, eine
vergoldete Silbervass, zwölf bronzene Schüsseln, ein 40 em
langes gepochtes Silbcrband mit geflllgellen Sphinxen, sv-
wie eine Menge Fibeln und Terrakvtten. Als Waffenmit-
gabe fand man zwei vierkantige Jagdspieße, flache Lanzen-
spitzen, von Rost zerfresssne eiserne Schtvertteile, jedoch nur
eine bronzene Lanzenspitze, und Helm und Schild. Der
glockensörmige Helm von polirter Bronze ist aus einem Stück
qetrieben 2V oin hoch, 25 ein im Durchmesser, also sür einen
Langschädel berechnet. — Die merkwürdigste aller Beigaben
ist jedoch ein steuerloses Bronzsschiffchen, dessen eines Ende
in ein Hirschgeweih oder auch in einen Baumzweig ausläuft.
Das Jnnere desselben zeigt verschiedsne Haustiere u. a. auch
ein Paar Ochsen am Pfluge (mit eiserner Schar) und eine
abgebrochene, msnschliche Gestalt. Eine ebenso sonderbare,
wie rätselhafte Mitgabe, die sich neben der Aschenurne vor-
fand. Jn dieser Grabstätte ruhten in balsamgetränkten
Leinsnfetzen die vsrbrannten Gebeine eines sünfzigjährigsn
Mannes° Grab und Funde erinnern an die hbmerische
Leichenbsstattung, Jlias XXIV, V. 790 u. ff.

Aonkurrenzsn.

,, ^ « Bei der Entscheidung über die Entwürfe zu einem
Denkmal für Schneckenburger, dem Dichter der „Wacht am
Rhein", erkannte das in Stuttgart niedergesetzte Preisgericht
den ersten Preis dem Entwurfe des Bildhauers Adolf Jahn
in Berlin, denzweitsn demjenigen des Bildhauers Bernauer
in München zu. Ein dritter Entwurf, welcher von dem
Bildhauer Albertshofen und dem Architekten Beggel in
München herrührt, wurde angekauft.

Deutsches Volkstheatcr in Wien. Zur Beurteilung der
Konkurrenz-Skizzen für die Gemälde, welche den Hauptvor-
hang, die Decke des Zuschauerraumes und das Proscenium
des Deulschen Volkstheaters fchmücken sollen, traten kürzlich
die Preisrichteri Prosessor Julius Berger, Eugen Felix,
Professor vr. von Lützow, Professor Tilgner, Professor Hof-
rat von Weilen und Professor Weyr mit dem durch den
Kommerzialrat Gerhardus vertretenen Vorstand des Vereins
des Deutschen Volkstheaters und den Architekten des Hauses,
den Herren Fsllner und Helmer, znsammen. Die Skizzen
waren nicht in solcher Anzahl, wie vordem die Modelle sür
den plastischen Schmuck des nsuen Theaters, eingelaufen.
Dagegen wurden sast alle Entwürfe seitens der Preisrichter
als sehr schätzenswerte Leistungen anerkannt. Mit dem
ersten Preise wurde das Projekt mit dern Motto i „6aixs
ckieiv" prämiirt. Der Urheber desselben ist Herr Eduard
Veith, welcher auch sür das neue Dsutsche Theater in Prag
das Vorhanggemälde und die Deckenbilder ausgeführt hat*).
Diesen Skizzen nach wird das Vorhangbild die Einkehr der
auf der Fahrt vom Rhcin nach der Etzelburg begriffenen
Burgundsr aus Burg Baechelaren an der Donau (27. Aben-
tencr) darslellen. Das Deckenbild zeigt cine Huldigung, welche
der Vindobona von eiuer Gruppe typischer Volksfiguren Wiens
dargebracht wird, und das Proscenium ist die Krvnung
Schillers durch die Muse. — Den zweiten Preis erhielten
die Skizzen mit dem Motto: „Halb gethan ist nichts gethan",
welche von zwei Hoftheatermalern, den Hsrren Leopold
Burger und Franz Schallud, herrühren. Durch besvnders
rühmende Erwähnung wurden noch zwei Entwürfe ausge-
zeichnet, wovon der eine den Spruch Attinghäusers: „Ans
Vaterland, ans teure, schließ dich an" — der andere den
Namen „Ferdinand Raimund" als Motto führt. — Der Bau
des Deutschen Volkstheaters, wslcher bekanntlich im März
dieses Jahres begonnen wurde, ist nunmehr bis zur Dach-
gleiche vorgeschritten und die eisernen Dachstühle des Zu-
schauerraumes und des Foyers sind bereits aufgestellt. Der

Dachstuhl des lveit höheren Bühnenraumes wird noch im
Laufs dieses Monats an seine Stelle gebracht werden.

— Mit einem Preisausschreibcn für ein Kaiser- und
Kriegerdenkmal in Stettin wendet sich der Ausschuß für dieses
Denkmal an alle deutschen Künstler. Die Aufgabe besteht
in der Herstellung des Modelles für ein Neiterbild Kaiser
Wilhelms I. in Berbindung mit einem Kriegerdenkmal,
welches in Stettin an dem Platze, wo der Paradeplatz, der
Königsplatz und die Kaiser Wilhelmstraße zusammentreffen,
errichtet werden soll. Wenn in erster Linie die Bildhaucr
zur Lösung der Aufgabe berufen sind, so wird doch gerade
in einem Falle wie der vorliegende ein Bündnis zwischen
Bildhauerkunst und Architektur zum erwllnschten Ziele führen,
und wir möchten deshalb nicht verfehlen, an dieser Stelle
auf die Preisbewerbung hinzuweisen. Die ausgesetzten Preise
sür die drei in erster Linie ansrkannten Entwürse betragen
5000, Z00V und 2000 Mark, von deren Erteilung aber die
Entscheidung über die Aussührung unabhängig bleibt. Die
Kosten des in Bronzeguß auszuführenden Denkmals sollen sich
auf etwa 220 000 Mark belaufen; als Einlieferungstag ist
der 22. Marz 1889 bestimmt. Das Preisgericht wird durch
den Denkmalausschuß gebildet, in welchem die Namen von
Künstlern freilich vollständig fehlen. (Vergl. die Anzeige im
Jnseratenteil.)

j)ersonalnachrichten.

X. — Eduard v. Gcbhardt wird während der akademi-
schen Ferien seine Arbeit an dem von ihm begonnenen Cyklus
religiöser Wandgemälde im Kollegiensaal des Klosters Loccum
(jetzt protestantisches Predigerseminar) wieder aufnehmen.

x.— Pctcr Jansscn hat sich nach Berlin begeben, um
in der Ruhmeshalle das ihm aufgetragene Wandgemälde,
die Schlacht bei Torgau darstellend, zur Ausführung zu
bringen.

^ Ehrenmitglicdcr dcr Wiencr Akademie. Das Pro-
sessoren-Kollegium der k. k. Akademie der bildenden Künste
in Wien hat die nachbenannten Persönlichkeiten zu Ehren-
mitgliedern gewählt und die Wahlen erhielten unlängst die
kaiserliche Bestätigung. I. Die Kunstfreunde: Karl Graf
Lanckoronski-Brzezie, Mitglied des Herrenhauses in
Wien; Adalbert Ritter v. Lanna in Prag und Ludwig
Lobmeyr, Mitglied des Herrenhauses, in Wien. 2. Die
Maler: Eugen Ritter v. Blaas, Professor, derzeit in Ve-
uedig; Eduard Charl emont, derzeit in Paris; Robert Ruß
iu Wien; Emil Jacob Schindler in Wien; Gyula Ben-
czur, Professor in Pest; Hermann Baisch, Professor an der
Kunstschule in Karlsruhe; Christian Ludwig Bockelmann
in Düsseldorf; Wilhelm Diez, Professor an der Akademie
in München; Fritz August Kaulbach, Direktor der Aka-
deinie in München; Wilhelm Lindenschmit, Professor an
der Akademie in München; Ludwig Löfszt, Prosessor an
der Akademie in München; Arnold Böcklin in Basel;
Edouard Jean Baptist Detaille in Paris; Sir Frederick
Leighton, Prttsident der Akademie in London; Joss
Villegas aus Sevilla, derzeit in Rom. 3. Die Kupfer-
stecher: Karl Koepping aus Dresden, derzeit in Paris;
Charles Alberl Waltner in Paris. 4. Die Bildhauer:
Joseph Edgar Böhm, derzeit in Londou; Anton Scharfs,
k k. Kammer- und Münzmedailleur in Wien; Victor Oskar
Tilgner, Professor in Wien; Rudolph Weyr, Professor
an der technischen Hochschule in Wien; Fritz Schaper,
Professor an der Akademie in Berlin. 5. Die Architekten:
Karl König, Professor an der technischen Hochschule in
Wien; Joseph Mo cker, Dombaumeister in Prag; Alexander
Wielemans Edler v. Monteforte in Wien; Georg
Hauberrisser, Professor in München; August Orth in
Berlin und Ed. G. H. Cuypers in Amsterdam.

» Dic Ceiitraldirektion des Archäologischen Jnstituts
hat vr. Hermann Winnefeld aus Ueberlingen, zur Zeit
in Athen, vr. Alfred Brückner aus Magdeburg, zur Zeit
in Berlin, Or. Alfred Gercke aus Berlm und vr. Erich
Bethe aus Stettin zu Stipendiaten des Jnstituts in der
Abteilung für klassische Archäologie, und den Herrn
vr. Albert Ehrhard aus Herbitzheim im Elsaß zum Stipen-
diaten des Jnstituts in der Abteilung für christliche Ar-
chäologie für das Jahr 1888 gewählt Dieje Wahlen sind
seitens des Auswärtigen Amts bestätigt wordep.

"1 S. Kunstchronik d. I. Sp. sss.
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