Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 2.1891

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KLEINE MITTEILUNGEN.

fördern. So kommt denn auch die Mehrzahl der neuerwor-
benen Objekte auf die Abteilungen der Möbel, Bild- und Kerb-
schnitzereien, also die Holzarbeit, welche ja die Hauptthätig-
keit des Landes ausmachte. Die reiche Gruppe gerade dieser
Arbeiten wird erst in ihrer vollen Bedeutung erkannt wer-
den, wenn sie der am 1. Oktober v. J., mit Unterstützung
der königl. Staatsregierung neuerrichteten Lehrwerkstätte
und Meisterschule für Kunsttischler und Bildschnitzer das ge-
eignete Studien- und Vorbildermaterial zur Verfügung stel-
len kann.

— st. Krefeld. — Der Jahresbericht für 1890 über die
Thätigkeit des Muscumsvercins zeigt, dass die vielen mühe-
vollen Anstrengungen desselben vielfach von Erfolg gekrönt
waren. Über die Platzfrage für den Neubau des Kaiser-
Wilhelm - Museums ist an dieser Stelle kürzlich berichtet
worden. Auch der Verein betont, dass das Museum ohne
centrale Lage keine Bedeutung erlangen könne. Außer
durch eine Menge Geschenke wurden die Sammlungen auch
durch Ankäufe erheblich vermehrt, die namentlich der kunst-
gewerblichen Abteilung zu gute gekommen sind. Für die
städtische Galerie wurde ein Gemälde erworben, ein anderes
sowie ein Aquarell geschenkt. Die permanente Gemälde-
ausstellung war mit 487 Kunstwerken beschickt, wovon 24
Bilder im Werte von 16300 M. verkauft wurden. Seit Er-
öffnung der Ausstellung im Jahre 1885 wurden insgesamt
156 Gemälde für 97 776 M. verkauft. Die Bilanz schließt mit
netto 28853 M. ab; das Vermögen beträgt n. 79740 M.

H. A. L. Nach dem Jahresbericht der Kunsthütte zu
Clicmnitz für das Jahr 1890 belief sich die Mitgliederzahl
des Vereins am Schlüsse des Berichtes auf 775 Personen.
Die Ausstellungen der „Kunsthütte" wurden von 19495 Per-
sonen besucht. Ausgestellt waren zusammen 549 Kunst-
werke , darunter 327 Ölgemälde und 109 Aquarelle. An-
gekauft wurden 50 Kunstwerke für 8134 M. 50 Pf. Davon
kamen zur Verlosung 36 Kunstwerke für 5189 M. 50 Pf. Für
die Sammlung des Vereins wurden 2 Kunstwerke für 255 M.
erworben. 12 Kunstwerke für 2690 M. gingen in den Besitz
von Privaten über. Der Verein beabsichtigt, sein Vereins-
haus einem durchgreifenden Ergänzungs- und Erweiterungs-
bau zu unterziehen. Er hat zu diesem Zweck ein Preisaus-
schreiben veranstaltet und zehn Entwürfe erhalten, von denen
die beiden mit dem ersten und zweiten Preis gekrönten sich
als die Arbeiten des Architekten Hugo Duderstädt aus
Chemnitz erwiesen. An der Spitze des Vereins steht der
Architekt Robert Ileusinger, als dessen Stellvertreter der
Gymnasialoberlehrer Dr. Ludwig Buschkiel fungirt.

P. Grax. — Auch in diesem Jahr versendet der Landcs-
Muscumsvercin Joanneum mit dem achten Thätigkeitsbericht
eine schöne Vereinsgabe, die mit kurzem Text von dem un-
ermüdlichen Karl Lachner über das „Tischlergewerbe in
Steiermark" auf drei Tafeln eine Anzahl hübscher einfacher

Stühle und eine Intarsie bietet. Dem Bericht ist zu entneh-
men, dass der Verein, nachdem er sein Hauptziel — den
Neubau des Museums und die Vereinigung der verschiedenen
Sammlungen der steierischen Hauptstadt erreicht hat, mit
allen Mitteln an der Erweiterung dieser Sammlungen arbeitet.
Ein ausführliches Verzeichnis der Ankäufe, Geschenke und
Leihgaben ist dem Bericht angehängt.

Rd. Brunn. In bekannter eingehender Form mit mehr
als zwanzig Tabellen ausgestattet giebt das Mährische Qe-
u-erbemuscum einen Überblick über seine Thätigkeit während
des Jahres 1889/90. Der außerordentliche Aufschwung, den
diese Anstalt gewonnen hat, spricht in deutlicher Weise aus
den Zahlen, soweit diese maßgebend sein können. Denn die
Durchschnittsziffern bei Ankäufen sind eine bedenkliche
Sache: es giebt Museen, denen ihre Objekte im Durchschnitt
20 Mark pro Stück kosten und andere, bei denen der Durch-
schnittspreis 100 M. beträgt: letztere dürften wohl besser
gefahren sein. Der Wert der im Besitz des Museums heute
befindlichen Objekte beträgt wohl 96000 Fl. wozu noch mit
19000 Fl. für die Bibliothek kommen. Bedenkt man, dass
dies von einem Privatinstitut in der Zeit von 16 Jahren be-
schafft ist, dass die gesamte Verwaltung aus eigenen Mitteln
bezahlt, ein Palast erbaut ist, so dass der aktive Besitz zur
Zeit ca. 260000 Fl. beträgt, so kann man nur die größte
Hochachtung vor dem haben, was hier geleistet ist. Das
Hauptverdienst dabei gebührt ohne Frage dem jetzigen Di-
rektor Prof. Procop. Er hat es in seltener Weise verstanden,
Gelder zu beschaffen, das Interesse zu erwecken und das
Museum zu heben. Denn der Besuch des Museums ist gegen
den anderer Provinzialmuseen gehalten ein ganz kolossaler:
im letzten Jahre über 61000 Personen. Dazu trat eine
Reihe günstiger Umstände, namentlich die Stiftung von
gröfieren Geldsummen, die über 37000 Fl. ausmachten. Dass
auf derartige außerordentliche Stiftungen nicht immer zu
rechnen ist, liegt auf der Hand; nötig aber ist, wie der Be-
richt ausführt, dass die Verwaltung auf die regelmäßig er-
forderliche Summe von 54000 Fl. mit Sicherheit jährlich
rechnen kann. Der Direktor richtet daher einen energischen
Appell an die betreffenden Behörden um Erhöhung der Sub-
ventionen, dem wir den besten Erfolg wünschen.

x. — Der Preis des Aluminiums ist durch beständige
Vervollkommung in der Fabrikation auf 8 Mark pro Kilo-
gramm gesunken, dürfte also bald zu weitgehender Verwen-
dung kommen, da es von schöner Farbe, haltbar gegen
äußere Einflüsse und äußerst leicht ist. Sein spezifisches Ge-
wicht ist nur 2,6 d. h. ein Kilogramm. Aluminium nimmt
etwa viermal so viel Raum ein, als ein Kilo Silber. Für
Gegenstände, welche nicht zu schwer sein dürfen, z. B.
Leuchter, Tafelaufsätze, Lichtkronen ist dies Metall vortreff-
lich geeignet.

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