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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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NEUE ARBEITEN VON GEORG SCHREYÖGG



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Georg Schreyögg, Karlsruhe

Mutter und Kind

GEORG SCHREYÖGG

Von Karl Widmer, Karlsruhe

GEORG SCHREYÖGG hat seine Ausbildung zum Künstler
zuerst an der Kunstgewerbeschule und dann an der Akademie
der bildenden Künste in München empfangen. Während seiner
Studienzeit arbeitete er, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, auch
schon praktisch in Bildhauerateliers. Da es sich dabei hauptsächlich
um die Ausführung von Entwürfen, darunter auch von vielen bau-
plastischen Arbeiten, im Material handelte, so wurde ihm diese Neben-
beschäftigung auch für seine eigene Entwicklung wertvoll. Er hat sich
frühzeitig in die verschiedenen, vom Material abhängigen Techniken
der Bildhauerei eingearbeitet und mit allen Aufgaben der plastischen
Formbehandlung, vor allem auch mit der dekorativen Plastik vertraut
gemacht. So ist ihm seine praktische Tätigkeit als eine gründliche
Schule des Stilgefühls eine wichtige Ergänzung seiner akademischen
Studien geworden. D

° In München, wo er studierte, hat Schreyögg auch seine Haupt-
entwicklungszeit als selbständiger Künstler zugebracht. Nicht bloß seine
Abstammung als Bayer, sondern auch die Vorzüge, die das Münchner
Kunstleben gerade dem Bildhauer bietet, haben ihn noch viele Jahre
dorthin gefesselt. In München hat ja die moderne Bildhauerei so
günstige Lebensbedingungen wie in keiner anderen deutschen Stadt.
Dadurch, daß die Architekten mit den Bildhauern zusammenarbeiten,
ist sie aus dem künstlerischen Dasein einer zwecklosen Kunst in den
Dienst des Lebens getreten. Hunderte von Künstlerhänden sind hier
mit der Ausführung der plastischen Aufgaben der Architektur, dem
bildhauerischen Schmuck der Gebäude, Brücken, Brunnen und dergl.
beschäftigt. So hat sich hier wieder eine feste Tradition des dekorativen
und monumentalen Stils gebildet, durch die München für ganz Deutsch-
land die Schule des plastischen Stils geworden ist. °
n Auch Georg Schreyögg hat den fördernden Einfluß dieses Zusammen-
arbeitens der Künste in reichem Maße an sich selbst erfahren. Das

erste große Werk, mit dem er an die
Öffentlichkeit getreten ist, war die
Bildhauerarbeit für einen Monumen-
talbau: das Meraner Stadttheater, das
Martin Dülfer gebaut hat (iqoo).
Hier hat er fast den ganzen Fas-
sadenschmuck, die Reliefs, einen
Puttenreigen usw. ausgeführt. So
hat er die Erfahrungen, die er in
der Lehre seiner praktischen Tätigkeit
gewonnen hatte, frühzeitig an einer
eigenen Arbeit erproben können,
die gerade an das Verständnis für
die Gesetze einer übersetzenden, de-
korativen Kunst große Ansprüche
stellt. Wir sehen, wie sich im Lauf
seiner weiteren Entwicklung sein
Stilgefühl immer mehr befestigt. Seine
Formbehandlung wird immer ein-
facher, geht immer mehr auf das
Wesentliche. Es wird im besten
Sinne des Wortes immer moderner,
o Seine nächste größere Arbeit
ist das Grabrelief »Abschied«, das
er für die Brüsseler Ausstellung von
1903 in belgischem Marmor ausge-
führt hat. Er bekam dafür 1904 auf
der Münchner Internationalen Aus-
stellung die goldene Medaille. Im
folgenden Jahr erhielt er in einem
Wettbewerb um das Artillerie-
Brunnendenkmal in Koblenz den
ersten Preis und die Ausführung.
Ihm folgte schon 1906 ein ähn-
licher Auftrag: die Kreuzigungsgruppe
für den Waldfriedhof von der Stadt
München. Diese Werke brachten
ihn rasch auf die Höhe des äußeren
Erfolgs. Sie bedeuten aber auch
wichtige Etappen seiner inneren
Entwicklung. Seine Kunst ist an
ihnen zur vollen Reife gelangt. Das
Gesetzmäßige dringt durch. Gerade
das Brunnendenkmal ist dafür der
eigentliche Wendepunkt. Als ein
selbständiges Monumentalwerk von
reichem Figurenschmuck stellt es
ebenso wichtige architektonische wie
rein plastische Aufgaben. Vor allem
galt es bei dem Aufbau, zwischen
dem gartenartig angelegten Platze
und dem Denkmal zu vermitteln:
also eine architektonische Grundlage
zu schaffen, aus der sich die Statue
organisch entwickelt. Besonders
schön sind auch die beiden Seiten-
figuren in ihrer breiten, in Flächen
zusammenfassenden Behandlung, wie
es der Natur des Materials (Muschel-
kalkstein) und dem architektonischen
Charakter der Bestimmung entspricht.
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