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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 30
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Wissens kein einziger. Und doch wäre gerade im
Inseratenwesen einer großen Firma in Anbetracht
der propagandistischen und kunstpädagogischen Wir-
kung eine künstlerische Ordnung besonders von-
nöten. Die Zusammenstellung verschiedener Klischees
zu einer Inseratseite wird bei den Zeitungen und
Zeitschriften auch noch viel zu unordentlich geübt.
Einen vielversprechenden Anfang machte »Licht und
Schatten«, indem es die Überwachung des Inseraten-
teils dem famosen Emil Preetorius übertrug. Etwas

ähnliches soll übrigens in Hagen geschehen. Auf
Anregung des Besitzers und Direktors des Folkwang-
Museums, Ernst Osthaus, sollen die Plakate für die
Reklameflächen auf den Gängen des neuen Bahnhofs
in Hinsicht auf Auswahl und Zusammenstellung einer
künstlerischen Kommission unterstellt werden. Wenn
die künstlerische Organisation von Inseraten und
Plakaten erst allgemein wird, haben wir mit unseren
Zeitschriften und Reklameflächen die besten Bilder-
bücher zur Erziehung des Kunstsinns. o

VEREINFACHUNG DER KUNST?

Von Alexander Elster, Jena

ES wäre erfreulich, wenn wir feststellen könnten,
daß gegenwärtig die Kunst eine Tendenz zur
Vereinfachung erkennen läßt. Die Kunst! —
nicht das Amüsement, nicht die Technik, nicht das
Leben. Und da es erfreulich ist, wenn wir dies
feststellen könnten, so wollen wir es wenigstens ver-
suchen und die nicht uninteressante Frage näher an-
sehen. Gegen die sinneraubende Kompliziertheit der
Technik des Lebens, des Amüsements suchen wir
— wie immer - in der Kunst eine Retterin; und
deshalb ist es sehr wohl möglich, daß wir gegen-
wartig Vereinfachung der Kunst suchen. Merkwürdig
daran wäre höchstens der Umstand, daß die Kunst,
die doch in inniger Verknüpfung mit dem Leben
steht, solche gegensätzliche Stellung zu dem kom-
plizierter werdenden Leben einnehmen kann. Das
erklart sich aber sofort, wenn wir uns vergegen-

wärtigen, daß der Gegensatz kein innerer, sondern
nur ein äußerer ist: wir wollen die ganze Kompliziert-
heit des Lebens in der Kynst wiederfinden, aber wir
wollen sie auf die letzten Konsequenzen zurückgeführt
sehen, also in der Einfachheit des schließlichen Dinges
an sich, das übrig bleibt. o

a Für die Malerei, die Dichtung (namentlich das
Drama), das Kunstgewerbe scheint mir das jedenfalls
zu gelten. Die großen Schlachtenbilder vergangener
Epochen, die Genre- und minutiös ausgeführten
Landschaftsbilder sind einer Beschränkung auf größere
Gesamtwirkungen gewichen. Die Zeiten, da ein
Schwind noch eine Unmenge von Kleinigkeiten in
ein Bild einfügte, da ein Achenbach mit erlesener
Technik Einzelheiten der Natur auf sein Gemälde
liebevoll zauberte, sind dahin. Heute drückt der
bildende Künstler, der etwas zu sagen hat, seinen
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