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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU

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Qottfried Schadow, Einladungskarte. Aus: Zur Westen, Berlins graphische Gelegenheitskunst



KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







NEUE BÜCHER

Walter von Zur Westen, Berlins graphische Gelegenheits-
kunst. 2 Bände mit 108 Beilagen und 310 Textbildern.
Berlin, Otto von Holten, 1912. □

° Ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Werk. Zwei
große Bände, auf Bütten zweifarbig gedruckt, in Ganzleder
gebunden, durchweg mit ausgezeichnetem Geschmack. Der
Inhalt die umfassende Darstellung eines Kunst- und Sammel-
gebietes, das eine unendliche Fülle unbekannten Stoffes
birgt. Der Verfasser nicht von der Zunft, sondern ein
Kunstfreund und Forscher, der zwei Jahrzehnte lang un-
ermüdlich gesammelt, beobachtet und diesen Kunstgattungen
alle seine Muße und Energie gewidmet hat. Das alles
findet sich in Deutschland selten beisammen und ist als
ein Denkmal persönlichster Kunstliebe dankbar zu begrüßen.
Diese Festkarten, Besuchs- und Glückwunschkarten, Noten-
htel, Reklameblätter und Bücherzeichen sind vergängliches
Material, das nur geduldige Hingabe retten kann. Meist
m kleiner Auflage für Privatzwecke gedruckt, von den
Empfängern wenig geachtet, verlieren sie sich schnell.
Und noch rascher vergißt sich das, was sie darstellen,
die augenblicklichen und persönlichen Beziehungen, denen
sie ihr Leben verdanken; wer kannte die Festgenossen,
die einst Menzel auf seinen Tischkarten feierte oder ver-
ulkte, wer die Paare, denen Hosemann Hochzeitsblätter
auf die Tafel legte? In diese bunte Welt des Kleinen,
das durch Künstlerkraft groß wird, führt das Werk durch
Wort und Bild ein. In den 400 Nachbildungen erscheinen,
oft in Farben und fast in Faksimile, Beispiele aller Gattungen
KunstgewerbeMatt. N. F. XXIV. H. 2

vom 18. Jahrhundert an bis in unsere Tage, Meister wie
Chodowiecki, Gottfried Schadow, Menzel, Max Klinger
und die ganze Reihe der launigen, gewissenhaften Stein-
zeichner, die sich bei ernstem und heiterem Anlaß in den
Dienst der Geselligkeit gestellt haben, die Ludwig Burger,
Th. Hosemann und so viele andere. Berlin ist in den
dreißiger bis sechziger Jahren die klassische Stätte der
Gelegenheitsblätter. Allen diesen Werken, ihren Erfindern,
den äußeren Zusammenhängen geht der Verfasser mit
Geduld und Umsicht nach. Um den großen Stoff zu be-
herrschen, hat er ihn sachlich gegliedert, so daß allerdings
der einzelne Künstler an verschiedensten Stellen auftritt;
aber ein vorzügliches Register faßt auch die Persönlich-
keiten zusammen. Die Originale der abgebildeten Blätter
finden sich großenteils in der eigenen, vielseitigen und
wertvollen Sammlung des Autors, der auch als Regierungs-
rat in einem unserer Reichsämter für die heimische Kunst
tätigstes Interesse bewahrt hat. Das reichhaltige Werk,
für das der Verfasser und der Verleger gleiche Opfer
bringen, gehört überall dorthin, wo das künstlerische und
literarische Berlin, wo geistreiche Erfindung und anmutige
Darstellung, wo echt deutsche Arbeit geschätzt und ge-
sucht werden. Peter Jessen.

Dansk Architektur gennem 20 Aar 1892-1912. Samlet
og udgivet ved K. Varming, med Tekst af Vilhelm
Lorenzen. Köbenhavn, Erslev & Hasselbaich. °

□ Die dänische Architektur in den letzten zwanzig Jahren
ist so eng mit dem frisch erblühenden Kunstgewerbe ver-
bunden, daß ein knappes Bilderwerk auch den kunst-

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