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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







dieser Anforderungen aber auch bei der Abnahme streng
festgehalten werden. Auch, bei der Abnahme kann in ge-
wissen Fällen die Zuziehung außerhalb der Verwaltung
stehender Sachverständiger in dem oben unter IV. und VIII.
erörterten Sinne in Frage kommen. o

o Ich vertraue, daß die Unternehmer die gegenüber ihren
Interessen durchaus wohlwollende Haltung, die ich in
allen diesen Fragen einnehme, erkennen werden. Un-
tüchtige Arbeiten oder Lieferungen für meine Verwaltung
sind freilich niemals zu dulden. a

a Ich vertraue aber auch, daß die mir unterstellten Be-
hörden der Durchführung der Vorschriften über das Ver-

dingungswesen und namentlich auch den vorstehenden
Ausführungen besondere Aufmerksamkeit widmen werden.
Die Art der Durchführung der allgemeinen Bestimmungen
von 1905 habe ich bisher schon an Ort und Stelle durch
besondere Kommissare prüfen lassen. In betreff der Aus-
dehnung dieser Kontrolle, insbesondere durch regelmäßige
Vorlage einer Statistik über die erteilten Zuschläge wird
demnächst Anordnung ergehen. □

Der Minister der öffentlichen Arbeiten.

v. Breitenbach.
V. D. 9922 — III. 1269. C.



KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







□ Der 12. Deutsche Fortbildungsschultag über Lehr-
werkstätten. Die Handwerker- und Kunstgewerbeschulen
haben im ganzen Lande die notwendige Ergänzung des
Zeichenunterrichts in der Einrichtung von Lehrwerkstätten
gefunden. Auch für die Fortbildungsschulen ist diese Frage
nun aktuell geworden und sie ist in Bayern, vor allen
Dingen in München, in zustimmendem Sinne beantwortet
worden. Ja, man ist hier und da an Kunstgewerbcschulen
und Fortbildungsschulen schon so weit gegangen, daß
man von einem Ersatz der Meisterlehre gesprochen hat.
Da war es nun eine dankenswerte Aufgabe für den
12. Deutschen Fortbildungsschultag, der am 3., 4. und
5. Oktober in Krefeld tagte, zur Klärung dieser Frage bei-
zutragen. Als Referent war Herr Direktor Sandtroch aus
Hildesheim gewonnen worden. o

□ Der Herr Referent führte aus, daß die Arbeit in hand-
werklichen Betrieben sich immer mehr spezialisiere und
daß dadurch für die Lehrlingsausbildung große Nachteile
entständen, wenn auch zugegeben werden müsse, daß die
spezielle Tätigkeit große Übung vermittle und auch der
Wirtschaftlichkeit entspräche. Es liege eben in den wirt-
schaftlichen Verhältnissen unserer Tage, daß die Meister
dem Lehrling, der nicht nur Reparaturen machen und eine
einseitige Tätigkeit ausüben möchte, nicht mehr voll und
ganz gerecht zu werden vermögen. Es sei daher eine
Ergänzung der Meisterlehre auch in der Pflichtfortbildungs-
schule notwendig geworden. Der Vortragende legte be-
sonderes Gewicht auf das Wort Ergänzung, ein Ersatz
der Meisterlehre könne diese Einrichtung niemals sein,
denn das Wirklichkeitsprogramm lasse sich nicht ersetzen.
Der Wert der Ergänzungswerkstätte soll darin liegen, daß
der Schüler ganze Arbeiten ausführen lernt und zwar in
einem lückenlosen Lehrgang vom Leichten zum Schweren.
Der Zeichenunterricht und die Berufskunde müßten natür-
lich mit dem Werkstattunterricht in eine innige Beziehung
gebracht werden; auch der bürgerkundliche Unterricht
würde indirekt eine Unterstützung erfahren, denn, so be-
merkte der Vortragende sehr richtig, die berufliche Tüch-
tigkeit ist die beste Stütze der staatsbürgerlichen Erziehung.

- Diese Ausführungen wurden von den anwesenden Ver-
tretern der Handwerkskammern sehr beifällig aufgenommen
und es wurde mehrfach der Wille betont, mit den Ge-
werbelehrern zum Segen der handwerklich arbeitenden
Jugend zusammenzuarbeiten. Freudige Zustimmung fand
auch besonders bei diesen Teilnehmern die Erklärung des
Geh. Oberregierungsrats Dr. v. Seefeld, daß bei der bevor-
stehenden Einrichtung von Seminarien ebenso wie Berufs-
lehrer auch Praktiker zur Ausbildung zugelassen werden
sollen.

o Wenn nun auch die Regierung in Zukunft der Ein-
richtung von Schulwerkstätten an Pflichtfortbildungsschulen
erhöhte Aufmerksamkeit und Förderung schenken wird,
so ist es doch zu begrüßen, daß sie bisher eine abwartende
Stellung eingenommen hat. Es war doch noch manches
zu klären, viele Irrtümer waren zu beseitigen und es galt
zuvor die Zustimmung und Unterstützung der Handwerker
zu erlangen, die man nun gefunden glaubt. Bei der Ein-
richtung solcher Werkstätten ist größte Vorsicht geboten
und es werden zunächst die Berufe in Frage kommen, für
die eine höhere Stundenzahl als sechs zur Verfügung steht
und vor allen Dingen die Berufe, für die zeichnerische
Fertigkeit von geringerem Wert ist, wie z. B. Buch- und
Steindrucker. Aber auch bei diesen Schülern wird man
sich in der Hauptsache auf Versuche beschränken können,
denn was den Lehrling heute in der Meisterlehre nicht
mehr gelehrt werden kann, sind in erster Linie nicht tech-
nische Fertigkeiten, sondern ein tiefgehendes Verständnis
und soweit es Kunsthandwerker sind, der gute Geschmack.
Darin wird aber jedermann beistimmen müssen, daß eine
innigere Verbindung mit der Praxis gefunden werden muß,
wozu es auch noch andere Wege gibt, wenn die Ein-
richtung von Werkstätten nicht möglich ist. Dazu wurde
in den Ausführungen des Herrn Direktors Sandtrock eben-
falls eine Anregung gegeben, indem der Vortragende er-
klärte, daß an einigen Schulen dadurch gute Resultate er-
zielt worden wären, daß Arbeiten nach den in der Schule
angefertigten Werkzeichnungen in der Werkstatt des
Meisters ausgeführt wurden. Dazu gehört freilich ein
großes Entgegenkommen der Meister, das aber umsomehr
zu erwarten ist, je ernster und sachlicher die Fortbildungs-
schulmänner ihre Aufgabe erfassen. K

PREISAUSSCHREIBEN

c Berlin. Der Verein für Deutsches Kunstgewerbe zu
Berlin erläßt ein Preisausschreiben zu Entwürfen für Möbel.
Sie sollen in eine Vierzimmerwohnung passen, deren
Mobiliar den Anschaffungspreis von 5000 Mark nicht über-
schreitet. Verlangt werden Entwürfe zu einem Büfett und
einer Kredenz, oder zu einem Herrenbücherschrank und
einem Herrenschreibtisch, oder zu einem Damenschreib-
tisch und einem Damenzimmerschrank, oder zu einem
Schlafzimmerschrank und einem Bett. Je ein Preis von
600, 400 und 200 Mark, sowie 20 Ankäufe zu je 75 Mark
sind vorgesehen. Das Preisgericht bilden Professor Alfr.
Grenander, Adolf Gustävel (Direktor derStädtischenTischler-
schule in Berlin), Möbelfabrikant Wilhelm Kümmel, Möbel-
fabrikant Otto Lademann-Berlin, Architekt Karl Richard
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