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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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EIN BEBAUUNGSPLAN FÜR GROSS-DÜSSELDORF







des Kleides genau kennen, er muß die Praxis der
Konfektion besitzen, muß vor allem fest in der Kon-
fektion wurzeln. Er hat die Aufgabe, das Modell
eines Pariser Hauses so zu zeichnen, daß, falls die
Firma diesen Zweck wünscht, ein Kundiger danach
zu arbeiten versteht, oder, daß der richtige Eindruck,
nicht der outrierte des Reklamekünstlers, erfaßt werden
kann, wobei der Schnitt verschleiert werden muß. o
o Dieser Zeichner, der bis jetzt sich nur in dem
kleinen Rahmen des Werkzeichners bewegt, der also
der eigentliche Gewerbler der Mode ist, müßte künst-
lerische Aufgaben in seinen Arbeiten pflegen, müßte
sich zum Kunstgewerbler der Mode hinaufarbeiten. Es
gibt heute keinen Modezeichner dieser Art, der aus künst-
lerischen Absichten seine Zeichnungen arbeitet, ohne in
die Stilisierung des Plakats oder in Karikatur zu fallen,
n Sicherlich ist es nicht leicht, bei vollkommener Ab-
hängigkeit vom Schnitt und von der werkmäßigen
Klarheit, künstlerische Momente zu erzeugen. Dazu
gehört ein bedeutenderes Können als die Mode-
zeichner es bisher besitzen. Welche wundervollen
Resultate aber möglich sind, wenn ein echter Künstler
das Vorurteil gegen eine unstandesgemäße Arbeit des
Modezeichners aufgibt und seine Kraft in den Dienst
der Mode stellt, beweist jener Künstler, den man sich
nicht scheut, neben Daumier und Guys zu nennen:
Gavarni. °

d Seine Arbeiten, von denen einige hier (leider
monochrom) gezeigt werden, besitzen die »große, oft
bis zur Winzigkeit gehende Feinheit der Beobachtung«,
wie Baudelaire ihn rühmt. Sie zeigen absolut, ohne
Übertreibung und Karikatur, den Schnitt, auf den es
für den Fachmann ankommt, und bringen dieses hand-

gewerbliche Moment in einer derart künstlerischen
Form, daß seine Modebilder im Louvre würdig be-
wahrt werden! o
o In dem Maße, wie ein Modezeichner den Spuren
Gavarnis folgte, würde nun die Unterordnung und
Passivität des Standes in eine einflußreichere Aktivität
sich wenden; genau wie Gavarni keineswegs der Mode
nur mit dem Stifte diente, sondern sie schließlich in
der Form beherrschte. Gavarni kann man also, als
den ersten — und bis jetzt wohl einzigen Künstler
der Mode nennen. Er hat den Zusammenschluß der
Mode und Kunst zum Kunstgewerbe für einige Zeit
zustande gebracht. o
d Die Ausbildung des Werkzeichners der Mode zum
Kunstgewerbler der Mode ist also ein Ziel, das her-
beizuführen, mancher lehrende Künstler durch seine
Schüler, manches Konfektionshaus von Weltruf sich
bemüht. Wieweit diese Bemühungen mit Erfolgen
gekrönt sein werden, bleibt abzuwarten. Und ob der
Kunstgewerbler der Mode zu einem sehr tiefen Ein-
fluß kommt und ein direktes Zusammenschließen
zwischen Mode und Kunstgewerbe erzielt, ist natürlich
sehr fraglich! Denn die Mode ist ein schwankendes
Gebiet unseres kulturellen Lebens, und es ist nicht
vorherzusagen, ob gerade unsere Zeit einen gesetz-
mäßigeren Wandel in ihrem turbulenten Wirrwarr
schaffen wird, einen klareren Rhythmus, wie ihn ein
direkter künstlerischer Einfluß verlangen müßte. Aber
man könnte schon zufrieden sein, und — Mode und
Kunstgewerbe haben beide ein nicht nur ideelles In-
teresse daran, wenn die gegenseitige Emanzipierung
einem toleranteren, verwandtschaftlicheren Entgegen-
kommen Platz machte. □

DAS STÄDTEBAULICHE ERGEBNIS DES WETTBEWERBES ZUR ER-
LANGUNO EINES BEBAUUNGSPLANES FÜR GROSS-DÜSSELDORF

Von Paul Mahlberq

ENDLICH hatte sich Düsseldorf entschlossen, das
Vorhandensein städtebaulicher Probleme zuzugeben,
indem die Verwaltung einen Wettbewerb zur Er-
langung von General-Bebauungsplänen für diese
Stadt von riesigem Wachstum ausschrieb. Die natürliche
Gelegenheit dazu wären wohl die vor ein paar Jahren er-
folgten großen Eingemeindungen gewesen, aber man sah
damals noch nicht so weit. — Das alte Düsseldorf, der
Grundstock des heutigen Gemeinwesens mit 485000 Ein-
wohnern, bildet einen in städtebaulicher Hinsicht guten
Kern, wie ihn Städte, die einmal Residenz waren, meistens
darstellen. An diese Tradition baute nun ein neues Volk
nicht seine Waben, sondern fügte nach Tagesbedarf und
Unternehmerwillen Häuserblock an Häuserblock. Eine
systematische Trennung von Industrie- und Wohnvierteln,
eine Rubrizierung der letzteren nach Bauklassen und -zonen
fand nicht statt. Mancherorts scheint es einem, als ob
man in das Fernrohr hineingebaut hätte, das zum Weit-
blick bestellt war.

o Die alten schönen Straßen in der innern Stadt sind
längst dem starken Verkehr zu eng geworden, und auch
in neueren Teilen geht es nicht immer mehr glatt; an
einer Stelle hat sich ein Wespenleib gebildet, und vor
allem sind die Bahnanlagen in verkehrstechnischer und
wirtschaftlicher Hinsicht ein Übelstand. Der Hauptbahnhof
ist unzulänglich, liegt schlecht, da er mit der City keine
direkte Verbindung hat, und ist außerdem nur von einer
Seite aus zugänglich, so daß ein neuer und großer Stadt-
teil, Oberbilk, schon dadurch, noch mehr aber durch die
Bahnkörperanlage nach beiden eben genannten Hinsichten
leidet und entwertet wird. Dasselbe ist der Fall bei
einem andern Stadtteil infolge des Vorhandenseins eines
Rangier- und Güterbahnhofs innerhalb der Stadt. Die
Bahnkörper sind hoch und breit (der Güterverkehr wird
teilweise über den Hauptbahnhof durch die Stadt geleitet),
und was »hinterm Damm liegt, hat halben Wert. o

o Die Aufhebung all dieser Übelstände ist stadtpolitisch
von so hoher Bedeutung, daß das Preisgericht bei der
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