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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 115
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HOLZLEUCHTER



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Fritz Schulz, Erbach

Lampe aus poliertem Nußbaumholz,

durchbrochen mit Opaleszentglas,

blaugrün, hinterlegt

HOLZLEUCHTER

Von Carl Zeolien

VON alters her bis fast in die Gegenwart
konnten für die Herstellung von Leucht-
gerät nur unverbrennbareStoffe — Metall,
Glas und Tonware — verwendet wer-
den, weil Licht sich ausschließlich durch die
offen brennende Flamme erzeugen ließ. Das
galt, wie für den Kienspan, das Öl und das
Talglicht, auch für Gaslicht und die älteste
Form des elektrischen Lichts, das Bogenlicht.
Erst die vor annähernd 20 Jahren erschienene
elektrische Glühlampe war berufen, hier neue
Möglichkeiten zu erschließen und dem Kunst-
gewerbe damit reiche Anregungen zu bieten,
n Wir finden heute bekanntlich die feuer-
empfindlichsten Gewebe und Papierfabrikate
in unmittelbarer Nähe des leuchtenden Glüh-
körpers, o
o Dazu gestattet das Fehlen von Vorrats-
behältern, wie sie Ol und Petroleum ver-
langten, oder von dichten Zuleitungsröhren,
wie die der Gaslampe, die Ausbildung der
elektrischen Leuchter in freiester Manier. □
n So sind eine große Zahl vollkommen neu-
artiger Lampenformen geschaffen worden seit
den ersten Schöpfungen dieser Art in den
Vereinigten Staaten und in England Anfang
der neunziger Jahre. n
o Überblicken wir nun die Entwicklung,
welche die Beleuchtungskunst inzwischen ge-
nommen hat, so muß es eigentlich wunder-
nehmen, daß dabei ein Material so gut wie
gar keine Berücksichtigung gefunden hat, ob-

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Fritz Schultz, Erbach, Beleuchtungs-
körper aus Nußbaumholz in durch-
brochener Schnitzerei, Opalglaskugeln
mit Schirmen aus Seidengaze, kupfer-
rot, Metallfassungen gebräunt

wohl es nach seiner Eigenart dem entwerfenden Künstler
ehestens den Übergang von den alten schweren Formen der
historischen Stile zu den neuzeitlichen Schöpfungen hätte
weisen sollen — das Holz. n

□ In den vergangenen Epochen wurde nach dem eingangs
Gesagten Holz als Baustoff für Leuchter nicht verwendet,
es sei denn, daß es bloß schmückendes Beiwerk des Licht-
trägers war, z. B. an den Leuchterweibchen, oder höchstens
diente es einmal in Verlegenheitsfällen als Surrogat, wenn
es galt, Edelmetall vorzutäuschen. So die Standleuchter
im Berliner Schloß, die Friedrich der Große als Ersatz für
die eingeschmolzenen silbernen fertigen ließ. In solchem
Fall war es natürlich die Absicht, den Charakter des Holzes
nach Möglichkeit zu verdecken, eine Behandlung des Ma-
terials, die unserer Auffassung von den Aufgaben des
Kunstgewerbes widerspricht. □

□ Heute treffen wir in den Magazinen für Erzeugnisse
der Raumkunst wohl Beleuchtungskörper, die mit Holzwerk
ausgestattet sind. Allein auch bei diesen spielt das Holz
noch fast immer eine untergeordnete Rolle; es wird als
Perlenbehang oder -schnür verwendet oder in Gestalt von
gedrechselten Säulen, die lediglich das Gerüst für den Stoff-
behang einer Lampe und ähnliches abgeben. Vor allem
sind Kronen, bei denen das Holz ausgesprochen dominiert,
wie etwa sonst Metall, vorerst nur ganz vereinzelt zu finden.
Immerhin läßt sich schon an diesem spärlichen Material
feststellen, daß die Verarbeitung von Holz zu den struktiven
und gleichzeitig auch den dekorativen Teilen eines Decken-
leuchters demselben eine äußerst dezente Wirkung verleiht.
d Beispielsweise bieten solche Holzkronen, die in freier

Nachahmung alter Ringkronen und holländischer Messing-
leuchter ausgeführt sind, einen intimen Reiz, wie ihn den
Originalen nur ein ehrwürdiges Alter geben konnte. □

o Jedoch sind die reichen Möglichkeiten in der Behandlung
des Holzes viel mehr auszubeuten, wenn der von den großen
Innenarchitekten der Gegenwart gebotene Formenschatz den
Holzleuchtern dienstbar gemacht wird. Man denke an die
wunderbaren Wirkungen, die etwa ein Bruno Paul allein
durch einfache Zusammensetzung verschiedener Hölzer
bei Verzicht auf jedes überflüssige Beiwerk erzielt. Die
schön gewählten und sorgfältigst bearbeiteten Flächen
bei einfach edler Kontur geben alles. □

o Und nun sei nur noch daran erinnert, welch mannig-
fache Hölzer unserer und der heißen Zonen das Tischler-
handwerk unserer Tage so prachtvoll zu verarbeiten und
miteinander zu verbinden weiß, welch wunderbare Effekte
sich gerade mit den verschiedenen Arten der Holzbearbei-
tung gewinnen lassen, der Bildhauerei, der Beizung in allen
erdenklichen Nuancen, der Polierung, vor allem auch der
Marketerie sowie der Malerei. n

o Ein hoher Reiz des Holzleuchters liegt schließlich darin,
daß bei ihm keine Spesen für Gießmodelle und ähnliches
entstellen und deshalb eine künsterische Originalarbeit mit
erheblich geringeren Kosten zu schaffen ist als in Metall
oder anderem Gußmaterial. □

□ Wir dürfen somit wohl die Erwartung aussprechen, daß
diese für unsere Beleuchtungskunst so wertvollen Eigen-
schaften des Holzes bald auch in den weiteren Kreisen
der Kunstgewerbler und des Publikums beachtet und nach
Gebühr gewürdigt werden möchten. o
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