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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 129
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NEUE ARBEITEN VON PAUL LANG IN STUTTGART

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Paul Lang, Stuttgart: Spitzenhaiis Tiefenthal & Halle, Stuttgart. Der weiße Salon aus den Ausstellungs- und Verkaufsräumen.
Farbsthnmung: Weiß mit Schwarz, Violett und Grau. Ausführung: Friedrich Mayer, Stuttgart

wünsch da hatte. Die Schnebelschen Schriftzeilen für
die Ullsteinschen Zeitungen, die kalligraphische Or-
namentik des Züricher Seifert, der aus Metallgravie-
rungen entwickelte Duktus Heinrich Laudahns, Ar-
beiten von Hempel, Grimm-Sachsenberg oder die
höchst kultivierten Plakate, Buchdeckel und Einladungs-
karten des Wiener Dr. funk beweisen, daß diejenigen,
die sich neuerdings der Kalligraphie als einem auf-
strebenden Gewerbe zugewandt haben, über ein
schätzenswerten Niveau verfügen. Die Fähigkeit, einen
persönlichen, ausdrucks- und charaktervollen Duktus
zu schreiben, sie wie das Zeichnen zu einer Sache
der allgemeinen Bildung zu machen, ist das Ziel, das
durch solche Veranstaltungen vor der Schule aufge-
richtet wird. Wie weit diese Anregungen aufge-
griffen und wie schnell sie in pädagogische Taten
umgesetzt werden, ist die Frage von morgen. o

o Das Schreiben ganzer Satzgruppen macht das Auge für
Färb- und Formkontraste empfänglich. Das Beobachten ge-
schlossener Reihenwirkung, die Verschiedenheit der Resultate
bei großen und kleinen Abständen der Reihen, das Abwägen
der Papierränder im Verhältnis zum Schriftbild, all diese Ver-
suche, die — ohne eine Änderung der einzelnen Buchstabenform
— eine Reihe mannigfaltiger Ergebnisse ermöglichen, rühren
schließlich an die Griindproblcme künstlerischen Schaffens.

F. H. Ehmclic, Aus „Ziele des Schriftunterrichtes".
(Verlegt bei Eugen Diederichs, Jena 1911.)

Kunstgewerbeblatt. N. F. XXIV. H. 7

PAUL LANG, STUTTGART

SEHR schnell erkennt man, wo Paul Längs Vorzüge
liegen: er ist ein Meister des Holzes. Das ist sein
Material, was er auch sonst auf vielen anderen Ge-
bieten Vorzügliches geleistet haben mag. Er ist darin
Bruno Paul ähnlich. Beiden geben die ungezählten Holz-
arten ebensoviele Anregungen zu Farbenstimmungen und
zur Verwendung von Maserung und Struktur in der Flächen-
wirkung. Das haben viele andere von ihnen gelernt; aber
was sich kaum lernen läßt und was man beim Entwurf
instinktiv empfinden muß, das sind die plastischen Mög-
lichkeiten der "Hölzer. Man vergleiche die drei Arbeiten
auf S. 131 dieses Heftes. Das mächtige Büfett ist nicht zeich-
nerisch, sondern aus der Empfindung des Holzkörpers ge-
boren. Wohl ist die Masse flächenhaft gegliedert, aber
nur, um das Plastische in ihr noch zu verstärken; der
Kontrast ist noch gehoben durch die eingelassene Marmor-
platte, die bei einer weniger körperhaften Gestaltung der
Holzteile des Möbels jene zum Rahmen erniedrigen und
alle kubischen Werte paralysieren würde. Bei dem Schrank
darunter ist dagegen im oberen Teil des Stückes dem Holz
diese Aufgabe des Rahmens der stark facettierten Glas-
scheiben bewußt zugeteilt. Dem so erzielten Flächencharakter
ist im Unterteil durch die schöne Profilierung mit reinem
Rhythmus entgegengewirkt. Bei der Mahagoni-Anrichte ist
ein linearer Ausdruck, ein Zusammengehen mit der Wand-
fläche beabsichtigt. So spricht durch den Künstler das
Holz stets als vollwertiges Material zum Beschauer, r. k.

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