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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

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O. STÜBER & CHR. KAY, HAMBURG







eignet. Wer Matthies »Sterne« liest, ein Gedichtbuch
von symphonischer Kraft, den erfüllt das Feste, Ein-
heitliche der Lyrik und der Schrift festlich. Solcher
Harmonie der Form und des Gehaltes zu begegnen
ist etwas so seltenes, daß einer, der halbwegs Sinn
hat für Form als Geistesreflex, so etwas nicht ver-
gessen kann. Was den meisten versagt ist, dem
Dichter-Drucker ist es vergönnt: das Buch zur tech-
nisch-künstlerischen Schöpfung zu erheben. Und ich
persönlich ziehe Matthies Buch »Sterne« jedem Ge-
dichtbuch des Dichter-Buchdruckers Morris vor, denn
Morris blieb sichtbar von dem Gedanken beherrscht,
die alte Form nachzuahmen. Die Matthies-Kursive
hat nichts von Nachfühlen, nichts auch von der lästi-
gen Künstelei vieler moderner Zierschriften. Die freien
Versalien machen die Schrift für dekorative Zwecke
aller Art hervorragend geeignet. Auch Kreise, die
nicht mit künstlerischen Erwägungen an Druck-
erzeugnisse von Handel und Werktag herangehen,
werden unbewußt von Matthiesschen Druckschriften
wie durch einen eleganten Brief gefesselt werden.

Haben doch auch die Ornamente von Matthies alle
einen handschriftlichen Charakter, der uns in Druck-
schriften ganz fremd geworden ist, der aber erst die
Drucksache doch zu etwas wie von Hand zu Hand
Gegebenem macht. Alles was unser Künstler ge-
schaffen, wirkt bei aller Zier fest, bestimmend, über-
zeugend. So wird die Matthies-Kursiv als Gebrauchs-
schrift nicht nur ihren praktischen Zweck erfüllen, sie
wird immer auch die Augen öffnen für die Werbe-
kraft alles Eindrucksvollen. o
d Schon viel hat Matthies geschaffen: Briefbogen,
Plakate, Anzeigen für weite und solche für eigen-
artig begrenzte Kreise, reizende Besuchskarten, auf der
eigenen Handpresse gedruckt, Signete von einprägen-
der Klarheit. Alles in allem: Wie ein Künstler jeder
Aufgabe dienen und doch alles meistern, mit dem
Schimmer des Idealen vergolden kann: das zeigt uns
Karl Matthies. o
n Möchte sein Schaffenskreis wachsen entsprechend
der Intensität seiner idealen Hingebung, seiner adeligen
Energie! Ein Künstler dieser Art wächst mit dem Weg.

O. STUBER UND CHR. KAY, GOLDSCHMIEDE IN HAMBURG

Seit drei Jahren besteht in Hamburg eine junge
Goldschmiedefirma, O. Stüber und Chr. Kay, die
sich in der kurzen Zeit schon eine beachtens-
werte Stellung errungen hat. Beide Teilhaber fanden
sich als Mitarbeiter Professor A. Schönauers zu dem
Plane, als Künstler sich zu verschmelzen und eine
gemeinsame Werkstatt zu eröffnen. Jeder hatte schon
eine lange und vielartige Tätigkeit hinter sich. Stüber
lernte ehemals bei dem Meister der Goldschmiede-
kunst, Fr. von Miller in München, aus dessen Lehre
so manche unserer tüchtigsten Goldschmiede, wie Karl
Groß in Dresden, Ernst Riegel in Köln und andere
hervorgegangen sind. Weitere Schulung empfing
Stüber in verschiedenen Werkstätten und Fabriken
Skandinaviens, um endlich mehrere Jahre von Schö-
nauers reifer Kunst zu profitieren. Kqy begann als
Handwerker in der großen Silberwarenfabrik von Koch

und Bergfeld in Bremen unter einem tüchtigen Lehr-
meister, arbeitete dann bei Bruckmann und Söhne in
Heilbronn, ferner in München, Wien, Frankfurt, Mainz,
Köln und Trier als Gehilfe, zumeist an erster Stelle
tätig und auch als Werkmeister. Außerdem bildete
Kay sich auf der Kunstgewerbeschule in Hamburg
und auf Reisen im Auslande, um endlich auch der
Leitung Schönauers sich einige Jahre zu unterstellen.
d Das Schwergewicht im künstlerischen Entwurf
scheint bei Stüber zu liegen, dem noch einige An-
klänge an seine Tätigkeit in Skandinavien im Blute
liegen,; man würde die auch hören, ohne von der
Laufbahn des Künstlers etwas zu wissen. Damit soll
aber keineswegs etwas gegen die freie künstlerische
Selbständigkeit der Firma gesagt sein. Endlich ist
auch die gute handwerkliche Arbeit aller Stücke lobend
zu erwähnen. F. H.

E

KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU

LITERATUR

d Zum Studium der Kunst. Vor dreißig bis vierzig
Jahren war man der Meinung, das Verständnis der Kunst
sei nur an historischer Kenntnis zu bilden. Damals gingen
Historiker und Künstler Hand in Hand und machten«
Kunst. Durch scheinbar bedeutsame Erfolge in der Unter-
suchung der historischen Stile glaubte man sich in ihren
unbeschrankten Besitz, sogar -als erfahrenere Nachkommen
- meinte man erst eigentlich das wahre Wesen der Stile

ohne die »Schlacken zeitlicher Zufälligkeiten und natürlicher
Umstände erkannt zu haben, gewissermaßen die Rein-
kultur des Stils zu besitzen. Die Erfüllung jener unvollen-
deten Stil-Ideen der verschiedenen historischen Epochen
fühlten Künstler und Historiker sich überlassen. Und so
begann jene schreckliche Zeit, da der Maler Historie stu-
dierte, um seine Bilder zu malen, und der Baumeister
historische Paläste kopierte und »vollendete«. a

a Das alles hat sich überlebt, oder ist in heftigen Kämpfen
zertrümmert worden. Den wirksamsten Schritt zur Er-
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