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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 155
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KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU



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über ein Bild gerichtet, je nachdem die Erzählung fromm
oder lästerlich ist, ob das Enkelkind niedlich ist und der
alte Herr sympathisch. n

□ Alle diese Wege der üblichen Kunstliteratur, können zu
keinen Resultaten führen, wenn anders im wahren Ver-
ständnis, in der seelischen Förderung, im innerlichen Genuß
die einzig erstrebenswerten Resultate gesehen werden.
Heute geben die meisten Bücher nur dem Intellekte etwas
mehr oder weniger Wichtiges, manchmal auch etwas ge-
radezu Verkehrtes. An ihre Stelle muß eine andere Lite-
ratur treten, die statt auf das Historische, das Kulturelle

und das Inhaltliche auf das speziell Künstlerische eingeht.
Es ist nicht zu verkennen, daß sich ein Umschwung schon
hier und da leise bemerkbar macht. Das Beste, was in
der erstrebenswerten Art bisher geschrieben ist, bleibt
Heinrich Wölfflins Klassische Kunst (Verlag von F. Bruck-
niann in München). Wilhelm Waetzoldts Einführung in
die bildenden Künste (Verlag von Ferdinand Hirth & Sohn
in Leipzig) vermag ebenfalls Gutes zu stiften. Jedes Buch
in gleicher Art ist herzlich zu begrüßen, sofern es nicht
einer Gefahr unterliegt, die von der Gegenseite her droht:
der hohlen, luftgeborenen ästhetischen Phrase! °



KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







LITERATUR

Monographien deutscher Reklamekünstler, im Auf-
trage des Deutschen Museums für Kunst in Handel und
Gewerbe herausgegeben von F. Meyer-Schönbrunn.
Hagen und Dortmund, 1911 und 12. — Erschienen sind
Heft I und II, III und IV. Heft I und II ist ein Doppel-
heft und enthält Arbeiten von F. H. Ehnicke und Klara
Ehmcke, Heft III ist den Arbeiten Klingers gewidmet,
Heft IV betrifft Gipkens. Weitere Hefte sind in Vor-
bereitung. Q
o Da die allgemeinen und prinzipiellen Erörterungen, die
sich an das Thema anschließen (Reklamekunst überhaupt
und den Kulturkomplex Osthaus betreffend), in besonderen
Aufsätzen hier behandelt werden, kann man gleich an die
Besprechung dessen herangehen, was vor uns liegt. o
□ Der Gedanke, die überallhin verstreuten Erzeugnisse
der modernen Reklamekunst (Plakate, Inserate, Packungen,
Drucksachen und ebenso Schaufensterdekorationen, Ge-
schäftswagen usw.) in zahlreichen Abbildungen und mit
kurzer Einführung versehen, nach Künstlern geordnet, in
Form von Monographien herauszugeben, ist gut. Die Aus-
führung wird nach verschiedener Richtung hin angenehm
und weiterhin auch günstig sein und wirken. Der Unbe-
fangene freut sich, die Dinge zusammen zu sehen, die ihm
vielleicht hier und da schon auffielen; der Kunstgewerbe
kann daran lernen; der Kritik wird eine Gedächtnisstütze

geboten, und schließlich sieht das große Publikum doch,
daß man diese Dinge wichtig nimmt. Was schon viel be-
deutet. Für eine spätere Zeit werden diese Ausgaben
quellengeschichtliche Bedeutung haben. n

n Ich kenne das Prinzip nicht, nach welchem die Niini-
mernfolge und das Anmaß der Hefte bestimmt wird, kann
mir aber vorstellen, daß es ein Akt der Pietät sein soll,
wenn man F. H. Ehmcke den ersten und dazu einen
Doppelband überläßt. Die reklamekünstlerischen Arbeiten
legitimieren das nicht, aber als Anreger auf dem Gebiet
des Schriftwesens ist man ihm Dank schuldig. Wenn man
heute wieder Schrift kann, so ist das ja wohl zu einem
nicht geringen Teil sein Verdienst. Der von ihm gestellte
Band präsentiert sich nicht ganz gut. Er leidet am Zuviel
(Ehmke scheint selbst ausgesucht zu haben) und hat keinen
Charakter. Die beiden andern Hefte sind straffer und
sehen sich gut an, aber man muß doch Handel anfangen.
Einmal mit dem Drucker: manche Reproduktionen sind
doch zu schlecht herausgekommen. Und das andere Mal
mit dem Herausgeber: warum bekommt man von Klinger
keine farbigen Reproduktionen zu sehen? Was den andern
recht ist, müßte einem Wert wie Klinger am ehesten
billig gewesen sein. Im übrigen wird man gerade diesem
Heft am liebsten ins Gesicht sehen. o

a Will man die drei vertretenen künstlerischen Physio-
gnomien am besten charakterisieren, so gehe man auf die
unterschiedliche Genesis des einzelnen Entwurfs bei jedem
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