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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 195
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1ILKMANN IIOSAUS, JUBILAUMSMLDAILLL 1 yo

innere nur an die Glasgemälde im Bahnhofsgebäude
zu Hagen —, gerade für diese Vorzüge der Intarsien-
kunst wie prädestiniert erscheinen muß. □
o Es wäre nun mehr als Unrecht, Thorn-Prikkers
Verdienst allein zu nennen. Denn ebenso eindring-
lich als des Künstlers Schaffen neuer Dekorations-
werte und sein hohes Gefühl für die Wahl des
Gegenständlichen und der Farben in demselben, spricht
die exakte Ausführung, die von A. Schulze-Hannover
stammt, zu uns. Schulze, ein Autodidakt im Intarsien-
schneiden, hat Thorn-Prikkers Entwurf durch seine
Ausführung erst zu einem lebendigen Kunstwerk ge-
staltet. Denn er hat seine Arbeit mit großer Ge-
rechtigkeit gegen des Künstlers Vorlage und dabei mit
handwerklich souveränster Freiheit geschaffen, somit

eine Arbeit geleistet, die in der Tat mehr als lokale
Beachtung verdient. o

□ Zum Gegenständlichen sei noch bemerkt, daß die
inneren Türflächen, die Schiebladen und die Böden
aus Ebenholz verfertigt sind. Letztere sind aus drei
Dickten verleimt. Das sonstige Innere ist mit ge-
streiftem Ebenholz furniert. Die Laufböden sind aus
Ahorn gefertigt. Die Blindhölzer sind wite wood
(richtiger Tulpenbaum) und mit Mahagoni abgesperrt.
Die Maße sind: Breite 4g,5, Höhe 49,5, Tiefe 20 cm.
Das Stück konnte für das Kestner-Museum-Hannover
erworben werden, das damit nicht allein eine Zierde
der heimatlichen Kunst, sondern auch ein Glanzstück
in dem für seinen Neubau vorgesehenen Saal mo-
dernen Kunstgewerbes besitzen wird. d



KUNSTGEWERBLICHE RUNDSCHAU







Karlsruher Architektur. Über der neueren Ent-
wicklung der Karlsruher Momunentalbaukunst hat ein eigen-
tümliches Verhängnis gewaltet. Eine lange Periode großer
staatlicher und städtischer Aufgaben, die vor etwa vierzig
Jahren begonnen hatte, fiel gerade in die künstlerisch
denkbar ungünstigste Bauperiode. Und als gegen Ende
der neunziger Jahre der künstlerische Aufschwung einsetzte,
da waren die öffentlichen Aufträge entweder erschöpft oder
sie gerieten durch die Schwerfälligkeit der entscheidenden
bureaukratischen Instanzen zu guter Letzt noch in die un-
richtigen Hände. So hat denn in Karlsruhe die moderne
Baukunst fast ausschließlich in dem Boden der Privat-
architektur Wurzel geschlagen; ihre wichtigsten Zeugen
sind bis auf den heutigen Tag Werke der bürgerlichen
Baukunst geblieben: Villen, Wohnhäuser, Geschäftshäuser
und dergl. Zu dem, was unsere einheimischen Architekten,
Hermann Billing, Curjel und Moser, Pfeifer und Oroßmann
U. a. hierin geleistet haben, reiht sich nun in allerneuester
Zeit auch das Werk eines auswärtigen Architekten: der
Neubau des Kaufhauses von Geschwister Knopf, das

WilhelmKreis — der eigentlicheSchöpf er des künstlerischen
Entwurfs — zusammen mit der hiesigen Architektenfirma
Frey ausführt. Von dem Gesamtbau, der nach seiner Voll-
endung einen ganzen Häuserblock umfassen wird, ist nun
ein in sich geschlossener Teil fertig, der ein abgerundetes
Bild von der künstlerischen Bedeutung des Kreisschen
Werkes gibt. Die Zweckform der modernen Kaufhaus-
architektur mit ihrem senkrecht gegliederten Pfeilersystem
war natürlich gegeben. Kreis hat aber für dieses Thema
künstlerisch eine durchaus neue und selbständige Gestaltung
gefunden und daraus eines der bedeutendsten Kunstwerke
unserer modernen Architektur geschaffen. Die edle Wirkung
des Baues liegt vor allem in der einfachen Eleganz seiner
rhythmischen Gliederung im ganzen wie im einzelnen.
Auch das Material — grau-weißer Sandstein — und seine
feine Behandlung spricht dabei ein wichtiges Wort mit.
Der Durchbildung der Einzelheiten sind diesmal Motive der
Renaissancearchitektur zugrunde gelegt — durchausfrei und
selbständig verarbeitet. Die Hauptfront schließt ein Fries mit
ornamental behandelten Rundfenstern und dekorativen Reliefs
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