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Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 24.1913

Seite: 230
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DIE VEREDELUNG DES HOLZES

VON DR. HUGO KÜHL.

DIE Kunst, den Handelswert des Holzes durch Beizen
zu erhöhen, erhielt einen großen Aufschwung, als
man die Verfärbung durch Einwirkung von Oasen
und Dämpfen kennen lernte. Wohl suchte man früher
schon durch Auftragen von flüssigen Beizen dem in der
Innendekoration verwendeten Holz einen bestimmten Cha-
rakter zu verleihen, man erhielt auf diese Weise keine
echte Beizung, keine natürliche Holzfärbung. a

□ An der Luft verfärbt sich langsam jedes Holz unter der
Einwirkung von Sauerstoff, Licht und Wärme auf seine
leicht zersetzlichen Bestandteile. Der Einfluß des Lichtes
macht sich dem Beobachter auf Alpentouren geltend. Wie
wunderbar mutet uns die herrliche Braunfärbung der höl-
zernen Häuser in den Hochalpen an. Unnachahmbare
Farbentöne zeigt das alpine Holzhaus in der Nähe des
ewigen Schnees, der Gletscher und Firne, dort wo das
ultraviolette Licht der Sonnenstrahlen nur wenig geschwächt
zur Wirkung gelangt. Der Wiener Botaniker Wiesner vertrat
in einer Sitzung der k. k. Akademie der Wissenschaft Wien
auf Grund gelegentlicher Beobachtung die Ansicht, daß der
Feuchtigkeitsgehalt der Luft die Holzverfärbung in erster
Linie bedingt, weil er in der unmittelbaren Nähe von
Wasserflächen und in feuchten Waldtälern die merkwürdige
Erscheinung am meisten sah. Stichhaltig ist diese An-
nahme nicht, weil das charakteristische leuchtende Rot-
braun in feuchten Waldtälern oder an Wasserflächen in
der Tiefebene fehlt. — Die größte Bedeutung ist vielmehr
der Einwirkung des ultravioletten Lichtes auf gewisse
leicht oxydierende Bestandteile des Holzes zuzuschreiben,
n Am verarbeiteten Holze beobachten wir zwei Färbungs-
vorgänge, einmal eine nur nach großen Zeiträumen merkbar
auftretende Innen- oder Durchfärbung, sodann eine viel
früher bemerkbare Oberflächenfärbung, die in den ver-
schiedensten Tönen zutage tritt. °

□ Kunstgewerblich sind diese Erscheinungen deshalb von
so großer Bedeutung und verdienen noch weitere Beob-
achtung, weil die Aufgabe der Holzveredelung in erster
Linie in der Erzeugung natürlicher Altersfärbungen besteht,
die dem Material einen höheren Wert verleihen. Es macht
sich in unserer Zeit immer mehr der Zug nach dem Echten
bemerkbar, man will aufräumen mit der Tüncherei, welche
die Eigenheiten der Maserung edler Hölzer völlig verdeckt.

□ Es kommt aber noch ein wichtiges Moment dazu, das
die kunstgewerbliche Veredelung der Hölzer durch Natur-
beizen so bedeutungsvoll erscheinen läßt. Wir sind arm
an edlem Material im engeren Vaterland und wenn auch
nach den Forschungsergebnissen Kamerun reich an wert-
vollem Holz ist, so kommt eine Einfuhr für die nächsten
Jahre doch wenig in Betracht. Infolgedessen sind die
großen Möbeltischlereien gezwungen, weniger wertvolles
Holz zu verarbeiten. Um diesen nun ein feudaleres Aus-
sehen zu verleihen, wandte man bisher meistens charakte-
ristisch tönende, flüssige Beizen an. Es drängt sich uns
jetzt die Frage auf, ob es möglich ist, mit natürlichen
Mitteln diese eigenartig schönen natürlichen Verfärbungen
der Hölzer zu ergründen, welche wir an alten Möbeln so
sehr bewundern. u
a Die leicht zersetzbaren Bestandteile des Holzsaftes er-
leiden, wie schon erwähnt wurde, unter dem Einflüsse des
Lichtes, der Wärme und Feuchtigkeit durchgreifende, meist
auf Oxydationsprozesse beruhende Veränderungen. Manch-
mal werden aber auch feste Bestandteile aus der Atmo-
sphäre, namentlich kleine Eisenteilchen, ferner Pilze und
Bakterien die Verfärbung mit bedingen. Wislicenus und
Jost konnten beobachten, daß auf der Wetterseite das Holz
alter Häuser stets vergraut, auf der Sonnenseite dagegen
oft gebräunt ist. Dieselbe Beobachtung machte der Ver-

fasser an alten Bauernhäusern im Artlande (Provinz Han-
nover). Während die der Wetterseite abgewendete Sonnen-
front das oft reiche Schnitzwerk in wundervoller tiefbrauner
Färbung zeigte, war das ebenfalls reich ausgestattete Fach-
werk der Wetterseite vergraut. □
o Die Graufärbung des vor Nässe geschützt lagernden
Holzes an der Luft, die wir z. B. an alten hölzernen Zäunen
beobachten können, hat Schramm aufgeklärt; Spuren von
Eisen im Holz selbst, besonders im Splint — oder im Staub
der Luft bilden mit Saftstoffen, die an der Luft oxydiert
werden, eine anfangs grünliche oder violettgraue, schließ-
lich schmutzig-graue Oberflächenfarbe. □
o Zum Schluß müssen wir noch die Einwirkung gas-
förmiger Körper auf die Tönung des Holzes berühren.
Die nahe bei Jauche oder Dünggruben befindlichen Holz-
teile von Stallungen, z. B. Türen, zeigen nicht selten eine
weißgraue Farbe, welche durch die Ammoniakdünste in
Verbindung mit Licht und Luft erzeugt wurde. Wislicenus
führt die Entfärbung der ursprünglich braunen Oberflächen
auf eine Wirkung der Ammoniakdünste zurück, welche die
leicht zerstörbaren Inkrustationsstoffe bei gleichzeitiger Ein-
wirkung von Licht, Luft und Wasser zerstören. o
o Trotzdem diese Wirkung gegen eine kunstgewerbliche
Verwendung des Ammoniak spricht, benutzt man das Gas
mit schönem Erfolge zum Räuchern gerbstoffreicher Holz-
arten. Die Beizung gerbstofffreier ist auf diese Weise
nicht möglich; — man hat versucht, nach vorhergehender
Behandlung mit 5 °/0iger Pyrogallussäure und Metallsalz-
lösungen dieAmmoniakräucherung vorzunehmen, konnte aber
nur eine Oberflächenbeizung erzielen, weil die Pyrogallus-
säure und die Metallsalze nicht tief in das Holz eindringen,
o Viel bedeutungsvoller als die Ammoniakbeize wird die
Behandlung des Holzes mit Bodengasen werden, sie beruht
darauf, daß die in dem Boden natürlich zur Entwicklung
gelangenden, bezw. vorhandenen Gase bei Verwendung
fast aller Holzarten angenehme, stumpfe Altfarbentöne er-
zeugen, weil die leicht zersetzbaren organischen Verbin-
dungen oxydiert werden. Die Ausführung in der Praxis
gestaltet sich nach Wislicenus derart, daß man flache
Gruben von etwa 50 cm Tiefe mit wasserdurchlässigem
Untergrund anlegt und die zu beizenden Bretter dicht
nebeneinander mit Pflöcken als Zwischenlagen auf der
hohen Kante liegend einsetzt. o
d Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß bekanntlich
höhere Tempaturen eine Bräunung des Holzes verursachen,
weil gegen sie die leicht zersetzlichen Holzbestandteile sehr
empfindlich sind. °
d Nachdem wir die natürlichen Veränderungen des Holzes
und ihre Beziehungen zur kunstgewerblichen Veredelung
kurz würdigten, kann ich auf meine eigenen Versuche
eingehen. Zunächst gilt es zu ergründen, ob und in-
wieweit es möglich ist, durch künstliche Herbeiführung
natürlicher Bedingungen wirklich schöne Altersfarben zu
erzeugen, sodann wollte ich den Einfluß des Lichtes,
speziell der ultravioletten Strahlen feststellen. Ich benutzte
allseits glattgehobelte Bretter von Buchenholz wie auch
Fichtenholz und verfuhr in der Weise, daß ich sie luft-
trocken drei Tage in je 0,5 "/„ige Lösungen von Gerbstoff-
beizen legte. Verwendung fanden Gerbsäure, Pyrogallus-
säure, Gallussäure und Resorzin. Die wieder lufttrockenen
Hölzer wurden dann durch Ammoniakgas in geschlossenen
Kästen gebeizt mit folgendem Resultat: °
D 1. Das mit Pyrogallussäure gebeizte Buchenholz nahm
nach zweistündiger Behandlung mit Ammomakdampfen bei
etwa 60°C. oberflächlich einen dunklen Eicheton an. Nach
fünfstündiger Einwirkung war die Färbung bis zu einer
Tiefe von 2 mm wahrnehmbar. □
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