Lüders, Heinrich [Hrsg.]; Kumāralāta [Hrsg.]
Bruchstücke der Kalpanāmaṇḍitikā des Kumaralāta — Leipzig, 1926

Seite: 46
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Auch mit Hilfe dieser Übersetzung ist es mir nicht möglich, die letzten
in der Handschrift erhaltenen Worte der zweiten Strophe befriedigend zu
deuten; sogar die Abtrennung der Worte kann nicht als sicher gelten.
Die Sprache der beiden Strophen ist ein Alt-Prakrit. Nirgends zeigt
sich Erweichung oder Ausfall von Konsonanten. Zerebralisierung des 72 läßt
sich nicht fesstellen; von dem ungedeuteten -42277222/2272^7/2/22- müssen wir hier
zunächst absehen. Das 7* ist erhalten. Von den Zischlauten ist 4 zu 4 geworden
in -427*27*22772 und wahrscheinlich in -42/Z22, das doch wohl auf Sk. 42VZ<2 zurück-
geht. Auslautendes -224 ist 2? geworden in Z27. Die Sprache stimmt also in
allem Wesentlichen mit dem Dialekte überein, dessen sich in den buddhisti-
schen Dramen die meisten der Prakrit redenden Personen bedienen und den
ich als Alt-Saurasenl bezeichnet habeh Das 7* erscheint als 22 in Z22/22//Z22-. In
den Dramen findet sich allerdings 22/2/22727222, aber auch in der späteren Saura-
seni wechseln Z222/22 und Z2V22. Merkwürdig ist -42/27*27772, das vielleicht einfach
Schreibfehler ist; ich wüßte jedenfalls nicht, daß 4227*27*22 in irgendeinem Dialekte
zu .5-27*27*22 geworden wäre. Langer Vokal ist vor Doppelkonsonanz verkürzt in
-/22727222/ 22//22772 und Z22/22//Z22-. Dem -4 2277222/277227772 /22-, vorausgesetzt, daß es
wirklich in 42277227/227222 -f- 227/2/22 zu zerlegen ist, steht in den Dramen allerdings
mit Kürzung ^27722272/227*22-, 722/ZZ2272/27, 22772^22-, 322772M227222- usw. gegenüber, doch
ist zu beachten, daß sich dort auch /Z222W/2,3/227W72 2V227227/2 findet. Wie das aus-
lautende 722 in Pausa hier in -42/27*22772 erhalten ist, so in den Dramen in gtf/22772,
Z2Z2. Die Assimilierungen der Konsonanten in /27^ 22727222/22777222/ 22//22772, Z22/27//Z2Z-,
272//'/22/22*22- für sind die gewöhnlichen.
So unbedeutend diese Reste von Prakritstrophen auch zunächst erscheinen
mögen, so sind sie doch von nicht zu unterschätzender literargeschichtlicher
Bedeutung. Es ist möglich, daß die beiden Strophen an der betreffenden Stelle
Zitate sindS und sie rühren daher vielleicht gar nicht von Kumäraläta selbst
her. Das macht für ihre Beurteilung keinen großen Unterschied. Die wenigen
Worte, die uns von ihnen erhalten sind, verraten deutlich, daß diese Strophen
im Kävyastil abgefaßt waren, und so bestätigen sie aufs neue, daß im 2. Jahr-
hundert n. Chr. neben der Kunstdichtung im Sanskrit eine als gleichwertig an-
gesehene Kunstdichtung in Altprakrit bestand, deren Fortsetzung das in Mittel-
prakrit abgefaßte Kävya ist.

DIE ÄUSSERE FORM DES WERKES.
Die Kalpanämanditikä enthält nach einer kurzen Einleitung in Versen
80 Erzählungen und 10 Parabeln, für die je eine feste äußere Form besteht.
Zu Beginn jeder Erzählung wird ein Leitsatz aufgestellt, den die darauffolgende
Geschichte zu beweisen bestimmt ist. In der chinesischen Übersetzung scheint
die einleitende These allerdings in der ersten Erzählung zu fehlen, es beruht

1 Bruchstücke buddhistischer Dramen, S. 42 ff.
2 Siehe S. $0.
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