Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 73
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Arya-Süras Jatakamälä und die Fresken von Ajantä

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Nähere Angaben über sie finden sich in dem mir hier nicht zugänglichen
Gazetteer of the North-Western Provinces und bei Elliot-Beames, Memoirs
ontheHistory, etc., of the Races of the North-Western Provinces oflndia,
Vol. I, p.331f. An der letzteren Stelle wird der gehörnte Weise ^Singhi'
oder "Siringhf Rish' als ihr Ahnherr bezeichnet. Dies "Siringhi Rish' beruht
natürlich auf einem Mißverständnis der verderbten Namensform Rsisrnga,
die z. B. im Sivapuräna erscheint. In der für die ältere Stammesgeschichte
der Srngivaras wichtigen Einleitung zum NItimayükha') werden Kasyapa,
Vibhändaka, Rsyasrnga als die Begründer des Geschlechtes genannt.

Arya-Suras Jatakamala und die Fresken von Ajanta.
Die achtundzwanzigste Erzählung der Jätakamälä, das Ksäntijätaka,
ist eine Bearbeitung der Legende von Ksäntivädin, die sich schon in der
Pali-Sammlung der Jätakas (Nr. 313) und im Mahävastu (III, 357ff.) vor-
findet. Der Inhalt des Jätaka ist nach der Darstellung Arya-Süras kurz
folgender:
Der Bodhisattva lebt als frommer Asket in einem Walde. Da er mit
Vorliebe die Geduld zum Thema seiner Predigten zu machen pflegt, so
nennen ihn die Leute Ksäntivädin, den Geduldslehrer. Nun ergeht sich
einmal an einem heißen Sommertage der König des Landes mit seinem
Harem in jenem Walde. Von dem Spaziergang und reichlichem Wein-
genusse müde geworden, legt er sich zum Schlummer nieder. Als die Frauen
sehen, daß ihr Gebieter eingeschlafen ist, schweifen sie nach eigenem Ge-
fallen im Walde umher und gelangen so zur Einsiedelei des Ksäntivädin,
der sofort die Gelegenheit benutzt, ihnen eine erbauliche Predigt über die
Geduld zu halten. Inzwischen erwacht der König; er sucht die Frauen,
und als er sie findet, wie sie im Kreise um den Einsiedler herumsitzen und
seiner Rede lauschen, gerät er in furchtbare Wut. Die Frauen suchen ihn
zu beruhigen, aber ihre Bitten sind vergebens, und angsterfüllt ziehen sie
sich zurück. Ksäntivädin bleibt indessen ganz ruhig; er warnt den König
vor übereilter Tat und ermahnt ihn zur Geduld. Da zieht der König in
rasendem Zorne sein Schwert und schlägt ihm die rechte Hand ab, aber
seine Geduld wird dadurch nicht erschüttert; selbst als ihm der König ein
Glied nach dem anderen abhackt, hat er nur das Gefühl des Mitleids mit
dem Wüterich. Diesen ereilt die verdiente Strafe; als er im Begriffe steht,
den Wald zu verlassen, tut sich die Erde auf und verschlingt ihn. Die Be-
wohner des Landes fürchten ein ähnliches Schicksal für sich selber, allein
Ksäntivädin zerstreut ihre Besorgnisse und, seinem Grundsätze bis in den
Tod getreu, segnet er noch sterbend seinen Mörder.
') Eggeling, Catalogue of the Sanskrit MSS. in the India Office, Part. III,
p. 429, wo weitere Literatur verzeichnet steht; vgl. auch Jollys Bemerkungen in
Trübner's Record, III. Series, Vol. I, p. 53.
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