Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 179
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Sanskrit 7?mAfä, wM%2äpAaki, pAa^a

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cum intendit cutem, missiles. Ora urgentium figit canum et paulo
longius iaculatur^).' Ähnliche Angaben macht Oppian, Cyn. III, 391 If., und
auch er hebt hervor, wie gefährlich das Tier deshalb für die Hunde sei
(V. 402ff.):
cb^dxr A gxrgtrer xwa ^dp^apor* xg
at^or ro^or dgda^xora ro^gdgcrdca.
rowgxgr oyryrdrg /77,r Gyryjo'cwTm,
xwa? pe^mu^, doAor A gyrgTrgxT/Ä^^^-

Sanskrit rr/?/7.fo'^77^7ct, ^?7i^7c?.
Sk. WMRü, "Perle", wird im PW. als "die von der Perlenmuschel Ab-
gelöste, Befreite" erklärt, und diese Etymologie hat Uhlenbeck in seinem
Wörterbuch wiederholt. In lautlicher Beziehung läßt sich gegen die Ab-
leitung des Wortes von 7%%c allerdings nicht das geringste einwenden, in-
haltlich aber befriedigt sie keineswegs. Daß sie sich von naturwissen-
schaftlichem Standpunkte aus kaum rechtfertigen läßt, würde freilich
nichts ausmachen; sie verstößt aber gegen den Grundsatz, daß indische
Wörter, die erst im Sonderleben des Indischen entstanden sind, aus indischen
Anschauungen heraus erklärt werden müssen.
Die Ansicht, die der Inder in nachvedischer Zeit über die Entstehung
der Perlen hegte, ist durch Herders Gedicht "Verschiedener Umgang'3),
das auf der nachher angeführten Strophe Bhartrharis beruht, allgemein
bekannt geworden. Man glaubte, daß sich ein Regentropfen in der Muschel
zur Perle verdichte. Belegebieten Mälavikägnimitra I, 6; Mrcchakatika
V, 45; Bhartrhari II, 67; Räjatarangini III, 202; Karpüramanjarl III, 3;
Särngadharap. 477. Nach einigen tritt der Vorgang nur bei günstigem
Sternbilde ein. Nach Bhartrhari muß die Sonne in Sväti stehen, eine An-
schauung, die auch in dem von Lanman angeführten Maräthi Sprichworte**)
hervortritt. Räjasekhara nennt anstatt dessen Citrä. Der letztere be-
schreibt auch ausführlich, wie die Muscheln aus dem Meere emportauchen
und die Regentropfen trinken. Die Perle heißt deshalb geradezu
(Hemacandra, Abhidhänac. 1068 nach PW.; Kommentar zu Kädambarl,
N.S.P., S.10).

i) Liebrecht a. a. O., wo auch andere Belege für diese Sage angeführt werden
3) Sämtliche Werke, herausg. von Suphan, Bd. XXVI, 406. Vgl. auch die
beiden Gedichte 'Die Perle", ebd. S. 400, und Bd. XXIX, 88.
b Die Stellen aus der indischen Literatur ebenso wie die Angaben griechischer,
römischer und arabischer Schriftsteller sind zuletzt gesammelt von Pischel, ZDMG.
XXXVI, 136. Eine Ergänzung dazu bietet Lanman in seiner Übersetzung der Kar -
püramanjari, S. 264, und in seinen Noten zu Whitneys Übersetzung des Atharva-
veda I, 161.
b Manwaring, Maräthi Proverbs, Nr. 1291.

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