Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 255
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Die Pranidhi-Bilder im neunten Tempel von Bäzäklik

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Verhältnissen erklären lassen. Wie man auch über die genaue Zeitbestim-
mung der nördlichen Ksatrapas denken mag, sicher ist, daß sämtliche In-
schriften aus ihrer Zeit, in Brahml wie in Kharosthi, älter sind als die In-
schriften aus der Zeit des Kaniska und seiner Nachfolger. Wenn also die
Paläographie in chronologischen Fragen überhaupt mitzusprechen hat,
waren die nördlichen Ksatrapas die Vorgänger der Kusanas im nordwest-
lichen Indien. Dann aber steht nichts der Annahme im Wege, daß sie die
Titel der Sprache ihrer Vorgänger entlehnten und im Zusammenhänge da-
mit auch die Namen nach Art dieser Sprache flektierten, so wie sie sie in
den griechischen Münzlegenden mit griechischen Endungen versahen.
Es wird niemand einfallen, über die Fragen, die hier behandelt sind,
schon jetzt ein definitives Urteil zu fällen. Die Hypothese, die übrigens
schon A. von Le Coq angedeutet haU), daß das 'Nordarische' die Sprache
der Sakas sei, scheint mir indessen so gute Gründe für sich zu haben, daß
ich mich für berechtigt hielt, sie dem Urteil der Iranisten zu unterbreiten.
Es freut mich auch, mitteilen zu können, daß wenigstens der Punkt, von
dem ich bei der Untersuchung ausging, jetzt völlig sicher steht. Von Herrn
D. R. Bhandarkar erhalte ich soeben Abklatsche der vor einigen Jahren
in Andhau gefundenen Inschriften des RudradämarU). In allen diesen ist
der Name des Vaters des Oastana vollkommen deutlich ge-
schrieben, nicht
Die Pranidhi-Bilder im neunten Tempei von Bäzäklik.
In dem neunten Tempel von Bäzäklik bei Murtuq^) waren die Wände
des Korridors, der um die Cella herumläuft, mit fünfzehn gewaltigen Bildern
geschmückt, die die Pranidhicaryä des Bodhisattva unter früheren Buddhas
darstellen. Solche Pranidhi-Bilder sind in den Höhlen von Turfan und ins-
besondere von Bäzäklik überaus häufig; eine genaue Wiederholung des
ganzen Zyklus scheint aber nur in dem Tempel Nr. 4 vorzukommeiV). Die
Malereien, die sich jetzt sämtlich im Berliner Museum für Völkerkunde
befinden, sind bis auf zwei Bilder ausgezeichnet erhalten. Vorzügliche Re-
T JRAS. 1909, 8. 318: 'Some fragments in Gupta writing and in the language
termed by Leumann "Sprache IT, and which I suppose to be, in consequence of geo-
graphical and historical considerations, the lost language of the Saka, were also
found here.'
-) Nr. 964a meiner Liste.
3) Die Länge in ysü scheint mir nicht gegen die oben vorgeschlagene Etymologie
zu sprechen. In den Inschriften wird stets auch Cäshmu geschrieben. Wahrscheinlich
entsprach der Vokal in der ersten Silbe der beiden Namen nicht genau dem a
des Indischen und man schwankte daher zwischen der Bezeichnung durch u und ä.
4) Die Zählung geht auf Grünwedel zurück, Altbuddhistische Kultstätten in
Chinesisch-Turkistan, S. 259f.
3) Grünwedel a. a. O. S. 237ff.
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