Lüders, Heinrich
Philologica Indica: ausgewählte kleine Schriften von Heinrich Lüders ; Festgabe zum siebzigsten Geburtstage am 25. Juni 1939 dargebracht von Kollegen, Freunden und Schülern — Göttingen, 1940

Seite: 546
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Zur Geschichte des ü im Altindischen

Ähnliche Bedenken bestehen gegen die Verbindung von yiGwa mit
In der Taxila-TafeD) steht: cu
Zmd'o p?/tro ; in derLöwen-Inschrift von
Mathurä-): 7dü.S'ü7?/u.$u Nach dem Wortlaut der
Taxila-Tafel bildet einen Bestandteil des Namens, und schon
dadurch wird eine Gleichsetzung mit dem Titel giGi/ru erschwert. Noch
unwahrscheinlicher aber wird diese Identifizierung, wenn wir sehen, daß
Liaka daneben den Titel eines Satrapen, Patika sogar den eines Groß-
Satrapen führt. Ich möchte es daher vorziehen, wenigstens vorläufig in
/GMidMu einen Familiennamen zu sehen.
Was den Ursprung des Wortes —yurGwu betrifft, so läßt sich
mit Sicherheit wohl nur sagen, daß es nicht indisch ist. Herkunft aus dem
Türkischen ist von vornherein nicht unmöglich, da die Dokumente, in
denen y%.s%7*a zuerst erscheint, auch den Titel yupyii enthalten, der nach
allgemeiner Ansicht aus dem Türkischen stammt. Unter den zahlreichen
türkischen Titeln, die uns überliefert sind, zeigt aber höchstens das in den
Orkhon-Inschriften^) auftretende MLcw, mpers. chines. Utie-
%%-CMO, U%e-c%(D), einen gewissen Anklang an Allein die lautliche
Übereinstimmung zwischen den beiden Wörtern ist doch nicht groß genug,
als daß ihre Identität ernstlich in Frage kommen könnte. So ist die Her-
leitung aus dem Iranischen schließlich das wahrscheinlichste. Lautlich
würde av. yuo-siUu gut zu y;/,.s-7/ru—stimmen, aber yr/n.s/Au kommt
nur als Beiwort von vor und man sieht nicht ein, wie ein Wort mit
der Bedeutung Teich an Rindern" zu einem Titel hätte werden können.
So bleibt mir wenigstens der Ursprung und die Etymologie von —
dunkel.*

Zur Geschichte des % im Altindischen.
Durch seine Altindische Grammatik hat sich Jakob Wackernagel um
die indische Philologie ein Verdienst erworben, für das die Vertreter dieser
Wissenschaft ihre Dankbarkeit, wie ich meine, nicht besser bezeugen können
als dadurch, daß sie aus dem Gebiet ihrer engeren Studien Steine zum
Ausbau des großen Werkes beitragen, so klein auch die Zahl der Lücken
ist, die der Meister gelassen. Möge der verehrte Mann, als dessen Schüler
ich mich betrachte, obwohl ich nicht zu seinen Füßen gesessen, den fol-
genden bescheidenen Beitrag in diesem Sinne freundlich entgegennehmen.

i) Konow, Khar. Inscr. S. 28. '-) Ebd. S. 48.
3) Thomsen, Inscriptions de l'Orkhon dechiffrees, 8. 130, 155.
b F. W. K. Müller, Ein Doppelblatt aus einem manichäischen Hymnenbuch
(Mahrnämag), S. 14.
3) Chavannes, Documents sur les Tou-kiue (Turcs) occidentaux, Index, 8. 339f.
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