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Müller, Friedrich Max
Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung: Vorlesungen gehalten an der Universität Cambridge — Leipzig, 1884

Seite: 152
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Die vedischen Gottheiten.

Sechste Vorlesung. /'.

Die nächste wichtige Naturerscheinung, die im Veda als
eine irdische Gottheit dargestellt wurde, ist das Feuer, im
Sanskrit Agni, lateinisch ignis. In der Verehrung, welche dem
Feuer erwiesen wird, und den hohen Lobpreisungen, welche
dem Agni gespendet werden, können wir deutlich die Spuren
einer Periode in der Menschengeschichte wahrnehmen, in der
nicht nur die wesentlichen Genüsse des Lebens, sondern das
Leben selbst von der Kenntnis der Feuerbereitung abhing, uns
ist das Feuer etwas so Alltägliches geworden, dass wir uns
kaum eine Vorstellung machen können, was das Leben ohne
Feuer sein wurde. Aber wie erlangten die alten Erdenbewohner
die Herrschaft und den Besitz des Feuers'? Die vedischen Dichter
erzählen uns, dass das Feuer zuerst in der Gestalt des Blitzes
vom Himmel zu ihnen kam, aber wieder verschwand, und dann
von Mätarisvan, einem bis zu einem gewissen Grade dem Pro-
metheus ähnlichen Wesen, zurückgebracht und der sicheren
Hut des Stammes der Bhrgus (Phlegyas;x anvertraut wurde.
In anderen Gedichten hören wir von dem Geheimnis der Feuer-
erzeugung durch Reibung von Holzstücken, und hier ist es eine
merkwürdige Thatsache, dass der Name des Holzstückes,
welches in dieser Art zum Reiben benutzt wurde, im Sanskrit
Pramantha ist, ein Wort, das, wie Kuhn gezeigt hat, im
Griechischen dem Namen des Prometheus sehr nahe kommen
würde. Der Besitz des Feuers, sei es in der Aufbewahrung als
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