Passavant, Johann David  
Die christliche Kunst in Spanien — Leipzig, 1853

Seite: 123
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alle Anträge ablehnt, den Malunterricht zu ertheilen, da er,
der einzige Portraitraaler in Granada, seinen Erwerb nicht
geschmälert haben will. — Bei solchen Zuständen ist für ein
Aufblühen der Kunst in Spanien wenig Hoffnung und wen-
den sich diejenigen Künstler, die gründliche Studien zu
machen wünschen, meist nach Paris. Indessen darf nicht
übersehen werden, dass ein starkes, wenn auch in ihrem
jetzigen gesunkenen Zustande, zu stolzes Nationalgefülil die
bessern spanischen Künstler zur Darstellung grosser Momente
aus ihrer vaterländischen Geschichte hindrängt, und hierin,
wie allgemein in Europa, ein gewisses neues Leben in die
Ausübung ihrer Kunst eingetreten ist.

GEMÄLDE DER ALT-NIEDERLÄNDISCHEN UND ALT-
DEUTSCHEN SCHULEN IN SPANIEN.

Bereits zur Zeit der Blüthe der van Eyck und ihrer
Schüler gelangten Werke von ihnen nach Spanien oder wur-
den von ihnen selbst in diesem Lande ausgeführt. Bekannt-
lich reiste Johann van Eyck im Jahr 1428 nach Portugal,
um das Bildniss der Prinzessin Isabella für den Herzog von
Burgund, Philipp den Guten zu malen. Aus Spanien brachte
der russische Gesandte Tatischefl die zwei kleinen Bilder des
Johann van Eyck nach Wien, welche die Kreuzigung und das
Jüngste Gericht darstellen und jetzt wahrscheinlich nach Pe-
tersburg gekommen sind. Schon im Jahr 1445 schenkte
König Don Juan II. einen Beisealtar von Boger von der
Weyde dem Alten, in die Sakristei des Klosters Miraflores'
bei Burgos.*) Um das Jahr 1452 scheint selbst Peter

*) Irriger Weise wurde er in neuerer Zeit als der Reisealtar Kaise
Karl V. bezeichnet. Wohin übrigens das Original gekommen, ist nicht be
kannt; denn das Exemplar, welches sich zuletzt in MiraQores befand und
über London und dem Haag in das Berliner Museum gelangte, ist nur eine
gute alte Copie, wahrscheinlich aus dem Anfang des 16. Jahrb., wie besonders
die etwas steifen Umrisse und die Behandlung der Landschaft schliessen lassen.
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