Rodenberg, Julius  
Paris bei Sonnenschein und Lampenlicht: ein Skizzenbuch zur Weltausstellung — Leipzig, 1867 (2. Aufl.)

Seite: 350
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facsimile
350 XIV. Das unterirdische Paris und die Todten.

selbst als er sich von ihr getrennt hatte; die seiu Schutzgeist
war, von dem er sich nicht ungestraft losgesagt . . .

Flüchtig, an ihrer Gruft bei Malmaison, stand der Kaiser
nach dem Unglückstage von Waterloo. Vollzogen hatte sich
das Schicksal an ihm, welcher Ler Revolution, seiner Ver-
gangenheit und der Tochter des französischen Volks untreu
geworden war, um durch seins Vermahlung mit einer öster-
reichischen Erzherzogin in die Reihe der legitimen Fürsten ein-
zutreten. Hier, in Rueil, an Josephinens Grabe, mag er den
Jrrthum seines Lebens bitter beklagt haben. Aber es war
zu spät: sie war am 29. Mai 1814 gestorben und er — auf
dem Wege nach St.-Helena.

Doch das Grab wird die beiden lange Getrennten ver-
einigen: in der Kaisergruft von St.-Denis, sobald sie voll-
endet, werden Josephine Beauharnais und Napoleon Bona-
parte sich wiederfinden.

Jetzt noch ruht des Kaisers Asche im Jnvalidendom. —
Wenn man rückwärts denkt, fühlt man sich nicht versucht zu
sagen: daß diese Asche des todten Kaisers der mächtigste
Bundesgenosse des lebenden Kaisers gewesen, sein Herold?
Guizot erzählt in dem Theil seiner „Vlsmoirss", welcher
seinen Aufenthalt am Hofe von St.-James und ssine Verhand-
lungen mit demselben wegen der Zurückführung der Leiche Na-
poleon's von St.-Helena nach Frankreich schildert: daß der Prinz
Ludwig Napoleon, der damals das Leben eines Abenteurers in
London lebte, ein Schiff ausgerüstet habe oder ausrüsten wollen,
um dem Prinzen von Joinville den Sarg, in welchem sein
Oheiw. ruhte, auf offenem Meere abzunehmen. Wie thöricht,
wenn der Prinz, der sich gegenwärtig „durch die Gnade Gottes
und den Willen der Nation Napoleon III." nennt, einen sol-
chen Gedanken gehegt oder auszuführen versucht!

Man muß nur die Schildemngen jener uns noch so nahen
Zeit lesen, um zu begreifen, daß nichts hätte geschehen können,
um den Enthusiasmus des Volks für den Kaiser und das
Kaiserthum so gewaltig anzufachen, als jenes „zweite Begräbniß
Napoleon's". Wie ein Geist ging da das erste Kaiserthum
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