Schmidt, Richard  
Fakire und Fakirtum im alten und modernen Indien: Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen — Berlin, 1908

Seite: 228
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112. Wer gesund und im wachen Zustand gleich einem
Schlafenden verweilt und weder ein- noch ausathmet, der ist
sicher erlöst.

113. Der Yogin, der Samädhi erreicht hat, ist unverletzlich
für alle Waffen, von Sterblichen nicht zu überwältigen, un-
angreifbar für Zauberei.

114. So lange der umherziehende Athem sich nicht in der
Sushumnä bewegt, so lange nicht durch das feste Hemmen des
Athems der Näda ertönt, so lange nicht bei der Meditation die
der eigenen Natur gleiche Wesenheit entsteht, so lange spricht
man (blos) von Wissen, und Alles ist trügerisches eitles Ge-
schwätz."

Nachtrag.

Übersetzung von S. 201/2.

84. Zwei Dinge, die nicht jeder beliebige bekommen kann,
will ich hier erwähnen: das eine davon ist Milch, das andere eine
willfährige Frau.

85. Der Yogin zwinge beim Koitus den Samen durch Zu-
sammenziehung, daß er langsam ansteigt, auf welche Weise
Mann und Frau die Vajroli erreichen können.

86. Mit einem geeigneten Rohre blase der Yogin sorgsam
und langsam in die Öffnung des Penis, um dem Winde einen
Weg zu bahnen.

87. Er zwinge durch Übung den Tropfen, der in den Schoß
der Frau fallen will, umzukehren; wenn aber der eigene Tropfen
schon gefallen ist, zwinge er ihn umzukehren und behalte ihn.

88. Der Yogin, der so den Tropfen bewahrt, wird den Tod
besiegen; denn wie der gefallene Tropfen den Tod bedeutet,
ebenso bedeutet der zurückgehaltene das Leben.

89. Wenn der Tropfen bewahrt wird, entsteht am Körper
ein angenehmer Duft; woher Furcht vor dem Tode, so lange
der Tropfen im Körper behalfen wird?

90. Auf den Geist stützt sich der männliche Same, auf den
Samen das Leben; daher sind Geist und Samen sorgfältig zu
bewahren . . .
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