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Semper, Gottfried
Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder praktische Ästhetik: ein Handbuch für Techniker, Künstler und Kunstfreunde (Band 1): Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst — Frankfurt a.M., 1860

Seite: 9
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Einleitung. 9

Betrachtungen bereits auf das Gebiet des Stofflichen hinüber. So
z. B. ist das Band, der Bestimmung nach, durch einen Streifen,
der einen Gegenstand ringförmig umgibt oder sich auf demselben
der Länge nach hinzieht, charakterisirt, aber schärfer tritt die
Charakteristik des Begriffes Band hervor, wenn dieser Streifen
gedreht ist wie ein Strick oder das Muster eines geflochtenen oder
gewebten Stoffes auf seiner Oberfläche zeigt. Doch ist es deutlich,
dass hier nur gewisse, gleichsam abstrakte Eigenschaften des bin-
denden Stoffes im Allgemeinen sich zur Ewägung aufdrängen,
dass dagegen die Frage, wie sich ein solches Band anders charak-
terisiren müsse, wenn es in Linnen, Wolle oder Seide, in Holz,
Thon, Stein oder Metall seinen formellen Ausdruck erhalten soll,
eine andere, eine durchaus stilgeschichtliche sei.

Zweites Hauptstück. Klassifikation der technischen Künste.

■ . §-3- '

•Vier Kategorieen der Rohstoffe.

Es lassen sich vier Hauptkategorieen feststellen, nach welchen
die Bohstoffe in Bezug auf die Weise ihrer Benutzung für tech-
nische Zwecke zu klassificiren sind. Dieselben sind ihren beson-
deren Eigenschaften nach

1) biegsam, zäh, dem Zerreissen in hohem Grade widerstehend,
von grosser absoluter Festigkeit;

2) weich, bildsam (plastisch), erhärtungsfähig, mannichfaltiger
Formirung und Gestaltung sich leicht fügend und die gegebene
Form in erhärtetem Zustande unveränderlich behaltend;

3) stabförmig, elastisch, von vornehmlich relativer, d. h. der
senkrecht auf die Länge wirkenden Kraft widerstehender Festig-
keit ;

4) fest, von dichtem Aggregatzustande, dem Zerdrücken
und Zerknicken widerstehend, also von bedeutender rückwir-
kender Festigkeit, dabei geeignet, sich durch Abnehmen von
Theilen der Masse zu beliebiger Form bearbeiten und in regel-
mässigen Stücken zu festen Systemen zusammenfügen zu lassen,
bei welchen die rückwirkende Festigkeit das Princip der Konstrue-
tion ist.
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