Thieme, Paul [VerfasserIn]
Der Fremdling im Ṛgveda: eine Studie über die Bedeutung der Worte ari, arya, aryaman und ārya — Leipzig, 1938

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2. Kapitel: ari im RV.

dem Schwachen (dtavyän c, vgl. aninäsya 1. 150. 2) und dem
Starken (taväsam c, vgl. todäsyeva . . . mahäsya 1. 150. 1,
oben 12), an den er sich wendet.
C. Der Fremdling als Feind
a) Der Fremdling bedroht das friedliche Wohnen
36 Bis zu dem Augenblick, wo dem schutzsuchenden
Fremdling dieser Schutz gewährt wird, wo man den Frieden
mit ihm macht — wir dürfen wohl annehmen, daß dies
unter Beobachtung bestimmter feierlicher Formeln und
Handlungen geschah —, bis zu diesem Augenblick ist er ein
möglicher Feind. Die Rolle, die in einfachen sozialen Ver-
hältnissen Familie und Verwandtschaft spielt, ist sattsam
bekannt: die gleichen Blutes stehen fest zusammen in heiliger
Verpflichtung zu Schutz und Rache. Je schwächer eine etwa
vorhandene Staatsgewalt ist, je geringer Aussicht oder Mög-
lichkeit beim König Recht und Schutz zu suchen, desto
fester das Band, das die Verwandten als die natürlichen,
selbstverständlich gegebenen Freunde und Bundesgenossen
umschlingt. Die Feindschaft der einzelnen entwickelt sich
unter solchen Bedingungen alsbald zur Familienfebde.
Schlimmer, gefährlicher, grauenerregender als jede andere
Bedrohung, gegen die die Familie sich zu wappnen hat, ist
die Drohung, die der unbekannte Fremdling darstellt.
Denn man kennt nicht seine Absichten, seine Waffen und
Kriegssitten, noch auch — im RV. natürlicherweise besonders
stark hervortretend — seine Zaubermittel, seine Beschwörungs-
formeln und Gebete.
RV. 8. 63. 7 yät pancajanyayä vise-
ndre ghösä äsrksata
ästrnäd barhänä vipö
’ryö mdnasya sä ksäyah
Als das Geschrei losgelassen worden war zu
Indra hin von der zu den fünf Völkern gehörigen
(arischen)Niederlassung, da streckte er nieder durch
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