Vitruvius  ; Rode, August [Übers.]
Des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst (Band 2) — Leipzig, 1796 [Cicognara Nr. 738B]

Seite: 134
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/vitruvius1796b/0142
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Facsimile
*34

]Y1. VITRUVIUS P. BAUKUNST.

Dergleichen Farben heifsen Tinkturen —infectiva.—

Wegen Mangels an ludig —color Inäicus— versetzt man auch
noch Selinusische oder Anularische Kreide u) und Waid,
— vUrum,— welches die Griechen Isatis x) heifsen, mit einander,
und macht damit den Indig nach.

In diesem Buche habe ich die Methode angegeben, wie dauer-
hafte Auszierung y) und zierliche Mahlerey zu verfertigen ist. Ferner
habe ich darin von den besonderen Eigenschaften aller Farben gehandelt:
Es ist also die Theorie aller zu den Gebäuden erforderlichen Vollkom-
menheiten in ihrem ganzen Umfange in diesen sieben Büchern enthalten.

Im folgenden Buche wird das Wasser mein Gegenstand seyn.
Ich werde Anweisung geben, wie es, an Orten, wo keines vorhanden,
zu finden ist: auf welche Welse man es leitet, und wodurch bewährt
wird, ob es gesund und gut sey.

u) Nach Plinius XXXV. 30. wurde die Anuhuische Kreide aus Kreide gemacht,
worunter gläserne Gemmen, dergleichen das gemeine Volk in Hingen zu tragen pflegte,
gemischt wurden. Daher auch ihr Name Ringkreide.

x) Die Handschriften und J. Sulpicius lesen: lilrofjite, tjnod Graeri iitsatim
vocatit, inßcientcs etc. Mit Ortiz leseich, anstatt 'dieses in sa h im, (wofür Jocun-
dus und andere ohne alle Autorität Ilyalon lesen) isatin, d.i. "Waid, womit auch
noch heut zu Tage der Indig nachgemacht wird.

Plinius B. XXXV. K. 27. chnraktcrisirt den Indig in folgenden Worten ganz
richtig: „Der Indig kommt aus Indien, und ist ein Schlamm, der sich von der gegore-
nen Indigpflanze absondert, und zu Boden setzt. Wenn er getrocknet ist, und geriehen
wird, ist er schwarz; aher bey der Auflosung in Wasser zeigt er eine herrliche Farbe,

welche ein Geniisch von Purpur und Blau ist. <--------Die, welche Um verfälschen,

färben Taubenmist mit wahrem Indig; oder sie färben auch Selinusische oder Anu-
larische Kreide mit Waid —vitrum.— Man probirt den Indig auf glühenden
Kohlen, wo der ächte eine vortreffliche purpurne Flamme giebt, dessen Hauch aber
einen Sec-geruch hat."

y) Anstatt ad disposhionem ßnnilatis, welches im Originale befindlich ist, aber
weder mit dem Inhalte dieses Buchs übereinstimmt, noch einen reinen Sinn giebt, lese
ich eopjolitionum finuitates.
loading ...