Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/winckelmann1925bd1/0017
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GOETHE: SCHILDERUNG WINCKELMANNS
in einer gewissen peinlichen Lage befanden, indem
zu Erfassung der mannigfaltigen außermenschlichen
Gegenstände eine Zerteilung der Kräfte und Fähigkeiten
, eine Zerstückelung der Einheit fast unerläßlich
ist, so hat ein Neuerer im ähnlichen Falle ein
noch gewagteres Spiel, indem er bei der einzelnen
Ausarbeitung des mannigfaltigen Wißbaren sich zu
zerstreuen, in unzusammenhängenden Kenntnissen
sich zu verlieren in Gefahr kömmt, ohne, wie es den
Alten glückte, das Unzulängliche durch das Vollständige
seiner Persönlichkeit zu vergüten.
So vielfach Winckelmann auch in dem Wißbaren
und Wissenswerten herumschweifte, teils durch Lust
und Liebe, teils durch Notwendigkeit geleitet, so
kam er doch früher oder später immer zum Altertum
, besonders zum griechischen, zurück, mit dem
er sich so nahe verwandt fühlte und mit dem er sich
in seinen besten Tagen so glücklich vereinigen sollte.
HEIDNISCHES
Jene Schilderung des altertümlichen, auf diese Welt
und ihre Güter angewiesenen Sinnes führt uns unmittelbar
zur Betrachtung, daß dergleichen Vorzüge
nur mit einem heidnischen Sinne vereinbar
seien. Jenes Vertrauen auf sich selbst, jenes Wirken
in der Gegenwart, die reine Verehrung der Götter als
Ahnherren, die Bewunderung derselben gleichsam
nur als Kunstwerke, die Ergebenheit in ein übermächtiges
Schicksal, die in dem hohen Werte des
Nachruhms selbst wieder auf diese Welt angewiesene
1.4
in einer gewissen peinlichen Lage befanden, indem
zu Erfassung der mannigfaltigen außermenschlichen
Gegenstände eine Zerteilung der Kräfte und Fähigkeiten
, eine Zerstückelung der Einheit fast unerläßlich
ist, so hat ein Neuerer im ähnlichen Falle ein
noch gewagteres Spiel, indem er bei der einzelnen
Ausarbeitung des mannigfaltigen Wißbaren sich zu
zerstreuen, in unzusammenhängenden Kenntnissen
sich zu verlieren in Gefahr kömmt, ohne, wie es den
Alten glückte, das Unzulängliche durch das Vollständige
seiner Persönlichkeit zu vergüten.
So vielfach Winckelmann auch in dem Wißbaren
und Wissenswerten herumschweifte, teils durch Lust
und Liebe, teils durch Notwendigkeit geleitet, so
kam er doch früher oder später immer zum Altertum
, besonders zum griechischen, zurück, mit dem
er sich so nahe verwandt fühlte und mit dem er sich
in seinen besten Tagen so glücklich vereinigen sollte.
HEIDNISCHES
Jene Schilderung des altertümlichen, auf diese Welt
und ihre Güter angewiesenen Sinnes führt uns unmittelbar
zur Betrachtung, daß dergleichen Vorzüge
nur mit einem heidnischen Sinne vereinbar
seien. Jenes Vertrauen auf sich selbst, jenes Wirken
in der Gegenwart, die reine Verehrung der Götter als
Ahnherren, die Bewunderung derselben gleichsam
nur als Kunstwerke, die Ergebenheit in ein übermächtiges
Schicksal, die in dem hohen Werte des
Nachruhms selbst wieder auf diese Welt angewiesene
1.4
Persistente URL:
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