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WINCKELMANNS KLEINE SCHRIFTEN

anzubringen. Man suchte dergleichen lehrreicher
zu machen durch eine Umschrift dessen, was sie
bedeuteten und was sie nicht bedeuteten. Dieses sind
die Schätze, nach denen man noch jetzt gräbt. Nachdem
nun einmal diese Gelehrsamkeit Mode worden
war, wurde an die Allegorie der Alten gar nicht
mehr gedacht.

Ich spreche durch den gemachten Gegensatz unseren
Zeiten das Recht der Erfindung allegorischer
Bilder nicht ab. Es können aber aus der verschiedenen
Art zu denken einige Regeln für diejenigen gezogen
werden, welche diesen Weg betreten wollen.
Von dem Charakter einer edlen Einfalt haben sich
die alten Griechen und Römer niemals entfernt.
Die Deutlichkeit gaben die Alten ihren Bildern
meistenteils durch zugegebene Zeichen, die dieser
und keiner anderen Sache eigen sind, und zu eben
dieser Regel gehört die Vermeidung aller Zweideutigkeit
, wider welche man in Allegorien der Neueren
gehandelt hat, wo der Hirsch die Taufe und auch die
Rache, ein nagendes Gewissen und die Schmeichelei
bedeuten soll. Die Zeder soll ein Bild eines Predigers
und zugleich irdischer Eitelkeiten, eines Gelehrten
und einer sterbenden Wöchnerin sein.
Endlich waren die Alten bedacht, das Bezeichnete
mit seinem Zeichen in ein entfernteres Verhältnis
zu stellen. Nebst diesen Regeln soll die allgemeine
Beobachtung bei allen Versuchen in dieser Wissenschaft
billig sein, die Bilder, womöglich aus der
Mythologie und aus der ältesten Geschichte zu
wählen.

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